Behörde aktualisiert Planung Neue Verkehrsprognose: A33-Nord jetzt noch dringlicher?

Wo soll die A33-Nord verlaufen? Beim Bürgerdialog in Belm studieren die Gäste den aktualisierten Plan. Foto: Thomas OsterfeldWo soll die A33-Nord verlaufen? Beim Bürgerdialog in Belm studieren die Gäste den aktualisierten Plan. Foto: Thomas Osterfeld

Belm. Eine neue Verkehrsprognose macht den Bau der A33-Nord aus Sicht der Straßenbaubehörde noch dringlicher. In Belm präsentierten die Planer die aktuellen Daten.

Nach zweijähriger Pause hatte die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr (NLStBV) erneut zu einer Informationsveranstaltung im Rahmen des sogenannten "Bürgerdialogs A33-Nord" eingeladen. Vor rund 70 Gästen im Belmer Gasthaus Lecon präsentierten die Planer aktualisierte Daten zur Verkehrsentwicklung und zum Lärmschutz. Die neuen Erkenntnisse im Überblick:

Stichwort Verkehr

Zentrales Argument für oder gegen den Bau von Autobahnen ist der erwartete Bedarf, der mittels einer sogenannten Verkehrsmengenprognose kalkuliert wird. Diese Prognose ist Grundlage aller weiteren Berechnungen, etwa zur Leistungsfähigkeit, zur Schalltechnik oder zu Luftschadstoffen. Warum die NLStBV nun eine neue Verkehrsmengenprognose in Auftrag gegeben hat, erläuterte Jens Westerheider von der Ingenieurplanung Wallenhorst (IPW):

  • Die Ausgangslage hat sich verändert: Die letzte Verkehrsuntersuchung basierte auf einer Verkehrszählung von 2010. Diese wird alle fünf Jahre durchgeführt, aus dem Jahr 2015 liegen also inzwischen neuere Werte vor. Die IPW hat deshalb die Verkehrsuntersuchung zur A33-Nord im Auftrag der NLStBV überarbeitet – "fortgeschrieben", wie es im Fachjargon heißt. Unterfüttert wird die Prognose von Daten, die die Straßenbaubehörde 2013 bei einer eigenen Verkehrszählung erhoben hat.
  • Die Rahmenbedingungen haben sich verändert: 2016 wurde der "Bundesverkehrswegeplan 2030" verabschiedet, der die Infrastrukturvorhaben der Bundesregierung zum Teil neu priorisiert hat. Während die A33-Nord bereits vorher als besonders dringlich eingestuft war, wurde in der Neufassung auch der sechsspurige Ausbau der A30 zwischen dem Kreuz Osnabrück-Süd und dem Lotter Kreuz zur "Maßnahme des vordringlichen Bedarfs" heraufgestuft. Dadurch ergeben sich Westerheider zufolge langfristig andere Verkehrsströme im gesamten Großraum Osnabrück. 
  • Die Methodik hat sich verändert: 2015 erschien das neues "Handbuch für die Bemessung von Straßenverkehrsanlagen", ein technisches Regelwerk, das unter anderem Standards zur Bewertung von Straßenbauvorhaben enthält. Diese Neuauflage sei "relevant für die Dimensionierung des Netzes", wie Westerheider sagte.

Auf dieser Grundlage präsentierte Westerheider zunächst Daten zur aktuellen Situation. Auf der A1, der A30 und dem bestehenden Teil der A33 diagnostizierte er dabei "deutlich höhere Verkehrsmengen" als bei den vorherigen Zählungen; auf der B68 (Osnabrück-Wallenhorst-Bramsche), der L109 (Wallenhorst-Rulle-Icker-Vehrte) und der L87 (Icker-Belm) zumindest "höhere Verkehrsmengen". Den Anstieg auf den beiden Landesstraßen führte er auf Verlagerungseffekte von den "hoch belasteten Autobahnen" zurück. Zudem seien im untergeordneten Netz, also auf den Bundes- und Landesstraßen, stärkere "Verkehrssicherheitsmängel" zu beobachten gewesen.

Rund 70 Zuhörer waren zum Bürgerdialog A33-Nord gekommen. Foto: Thomas Osterfeld

Anschließend zeigte Westerheider zwei Prognosen für das Jahr 2030 auf: Variante "0+" geht vom Ausbau der A30 ohne Bau der A33-Nord aus, Variante "1+" hingegen berücksichtigt beide Projekte. Im sogenannten "Netzfall 0+" sei eine hohe Verkehrszunahme auf den Autobahnabschnitten  zu erwarten: auf der A1 und A30 bis zu 19 Prozent mehr im Vergleich zu jetzt (genauer: Stand 2015), auf der A33 zwischen Lüstringen und Belm 28 Prozent mehr. Auch im untergeordneten Netz werde mehr Verkehr auflaufen: auf der weiter nördlich verlaufenden B218 um 35 Prozent mehr, auf der L109 zwischen Icker und Rulle 9 Prozent. Beim Schwerlastverkehr falle die Zunahme prozentual noch deutlicher aus: plus 30 Prozent auf der L87, plus 16 Prozent auf der L109.

Ein anderes Bild werde sich im Netzfall 1+ zeigen, also beim Bau der A33-Nord: Hier werde die Mehrbelastung der bestehenden Straßen prozentual deutlich geringer ausfallen. Die direkte Vergleichsmöglichkeit blieb Westerheider allerdings schuldig: Statt auf den Ist-Zustand (wie beim Netzfall 0+) bezog er den Netzfall 1+ auf die bisherige, inzwischen überholte Verkehrsprognose. Auch diese Werte aber legen nahe, dass der Verkehr bis 2030 noch stärker zunehmen wird, als ursprünglich angenommen. 

Vor allem aber zeigte Westerheider auf, dass die A33-Nord die A1 und die A30 sprübar entlasten werde - um streckenweise bis zu 16.000 Fahrzeuge pro Tag. Auch die untergeordneten Straßen L87 und L109 würden demnach täglich bis zu 5500 Fahrzeuge weniger passieren, ebenso würden B68 und die Osnabrücker Innenstadt entlastet - so, wie Autobahnbefürworter gerade in der Stadt stets argumentiert hatten. Auf der A33 würde der Verkehr hingegen - erwartungsgemäß - merklich zunehmen. Und: Zumindest der Modellrechnung zufolge entlastet der sechsspurige Ausbau der A30 Stadt und Umland nicht ausreichend genug, um die A33-Nord entbehrlich zu machen. Trifft diese Prognose zu, wäre damit ein Hauptargument der Autobahngegner entkräftet.

Stichwort Lärm

Aus der überarbeiteten Verkehrsprognose ergebe sich auch eine andere Lärmbelastung, erläuterte Westerheiders IPW-Kollege Manfred Ramm anschließend in seinem Vortrag. Zudem habe das Bundesverkehrsministerium nach der Sichtung des Vorentwurfs eine Überprüfung des aktiven Lärmschutzes - das sind Lärmschutzwände oder -wälle - eingefordert.

Wo wohnen Sie? Per Klebepunkt konnten die Gäste zeigen, ob sie von der A33-Nord betroffen wären. Foto: Thomas Osterfeld

Ergebnis der erneuten Überprüfung: An sieben Stellen entlang der A33-Nord soll der aktive Lärmschutz im Vergleich zu den bisherigen Planungen verbessert werden, das heißt hier werden bereits geplante Mauern oder Wälle erhöht oder verlängert oder aber zusätzliche Maßnahmen vorgesehen. Wo aktiver Lärmschutz nicht möglich ist, müssen bei Bedarf passive Maßnahmen vorgenommen werden, also beispielsweise der Einbau von Schallschutzfenstern.

Wie geht es weiter?

Cord Lüesse, Leiter der Osnabrücker Geschäftsstelle der NLStBV, kündigte an, die Genehmigungsunterlagen im Sommer an die Planfeststellungsbehörde in Hannover zu geben, die dann das Planfeststellungsverfahren durchführen und den Planfeststellungsbeschluss ausarbeiten werde. Die Bürger der Region sollen bei einem "Infomarkt" am 21. Juni Einblick in die Unterlagen erhalten; dann soll auch eine überarbeitete 3D-Visualisierung vorliegen, die die letzten feinen Justierungen berücksichtige.  Wenn das Planfeststellungsverfahren laufe und die Unterlagen öffentlich ausgelegt werden, wolle die NLStBV zudem Bürgersprechstunden in den betroffenen Kommunen anbieten. Bereits zu Beginn der Veranstaltung hatte Lüesses Stellvertreter Frank Engelmann den Zeitrahmen skizziert: Der Planfeststellungsbeschluss dürfte demnach frühestens 2021 erfolgen, Baubeginn wäre frühestens 2022, Fertigstellung frühestens 2027 - etwaige Klagen nicht eingerechnet.

Frank Engelmann von der Straßenbaubehörde. Foto: Thomas Osterfeld



Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN