Im Zeichen der Wahlkämpfe Brexit als Bedrohung für Heringsessen der Belmer CDU

An seine Gäste beim Heringsessen appellierte Belms CDU-Chef Rolf Villmer (Mitte), die Gastredner Michael Lübbersmann (links) und Jens Gieseke (rechts) am 26. Mai zu unterstützen. Dann finden parallel Europa- und Landratswahlen statt. Foto: Andreas WenkAn seine Gäste beim Heringsessen appellierte Belms CDU-Chef Rolf Villmer (Mitte), die Gastredner Michael Lübbersmann (links) und Jens Gieseke (rechts) am 26. Mai zu unterstützen. Dann finden parallel Europa- und Landratswahlen statt. Foto: Andreas Wenk

Belm. Großer Andrang beim Heringsessen der CDU im Festsaal bei Lecon: Im Mittelpunkt stand der Wahltermin am 26. Mai.

Mehr als 150 Gäste waren gekommen, um den Europabgeordneten Jens Gieseke aus Sögel und Landrat Michael Lübbersmann zu hören. Beide bemühen sich um eine Wiederwahl.

Lübbersmann betonte vor allem die Rolle der Wirtschaft: „Menschen, die eine Beschäftigung haben, können konsumieren“. Außerdem erwirtschafte eine starke Wirtschaft im Landkreis die Mittel für eine funktionierende Infrastruktur, die ihrerseits wieder die Grundlage für Wirtschaftswachstum darstelle. Für die Bürger bedeute dies Krippen, Kitas, schnelles Internet und deutlich höhere Durchschnittseinkommen als in anderen Landkreisen oder sogar in der Stadt Osnabrück.

Große Anstrengung

Sein zweites großes Thema waren der wachsende Pflegebedarf. Hier breite ihm Sorge, dass zwischen 30 und 40 Prozent eines Jahrgangs die Ausbildung in den Pflegeberufen frühzeitig abbrechen. Um dem entgegenzusteuern, bedürfe es einer großen Anstrengung und hier wolle der Landkreis in Zukunft unterstützend tätig werden. Außerdem gelte es, zu einem Ausgleich mit dem Nachbarland Nordrhein-Westfalen zu kommen. Dort würden Pflegekräfte besser bezahlt. In Niedersachsen seien die Heimplätze dafür günstiger. Das führe dazu, dass Fachkräfte nach NRW abwanderten und Familien aus der Grenzregion ihre pflegebedürftigen Angehörigen zunehmend im Landkreis unterzubringen versuchten.

Willkommene Abwechselung

Großen Applaus erntete Gieseke mit seiner Hoffnung, auch in zehn Jahren noch zum Heringsessen nach Belm kommen zu können. Ein harter Brexit stehe dem aber womöglich entgegen, da der Fisch überwiegend aus britischen Gewässern auf deutschen Tischen lande. Ganz im Stile politischer Aschermittwochsreden brach Gieseke seine Sorgen um die Europäische Union bürgernah runter auf die Ebene des Fischfangs und lobte die Tradition des Belmer Heringsessens. Augenzwinkernd fügte er hinzu, nach rund 30 Einladungen zum Grünkohlessen in der Wintersaison ginge es ihm dabei auch um diese willkommene Abwechselung.

EU in Lebensgefahr?

Der Brexit offenbare in Großbritannien eine „große Armseligkeit“ und führe zu Hamsterkäufen. Statt AfD-Forderungen nach einem „Raus aus dem Euro“ und einem „Raus aus der EU“ plädierte er für „mehr Europa.“ Nur allzu häufig würden Urnengänge als Schicksalswahl tituliert. Angesichts von rechtsgerichteten Populisten zitierte Gieseke EU-Kommissar Günther Oettinger. Der habe neulich bei einer Diskussion in Kettenkamp erklärt, „die Europäische Union ist in Lebensgefahr“. Dem habe niemand widersprochen.

Transgender-Thema umschifft

 Ein offenes Europa mit Interrail oder Erasumusstipendien für Hochschulbesuche im Ausland sei eine Errungenschaft. Dafür lohne es sich auf die Straße zu gehen. Großbritannien falle nach dem Brexit in das Stadium eines Drittstaates wie Uganda zurück, auch dort gebe es keine Erasmus-Stipendien. Er sehe den Ball jetzt im Feld von Theresa May. Statt immer wieder zu Nachverhandlungen nach Brüssel zu reisen, sollte sie lieber die NOZ lesen, dann wüsste sie vorher, dass dabei nichts herauskommt. Ihre Aufgabe sei es, in London einer Aufgabe für ein Abkommen mit der EU nach dem Vorbild „Norwegen plus“ oder „Schweiz minus“ zu organisieren. Auch hier brandete Beifall auf. Einen Lacher erntete er noch mit einem Seitenhieb auf die CDU-Parteivorsitzende als er meinte, nein – zu Transgender-Themen wolle er sich  nicht äußern. Das Feld überlasse er Annegret Kamp-Karrenbauer, da gebe es eine klare Aufgabenteilung. Die war zuvor wegen eines solchen Karnevalsscherzes kritisiert worden.


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