Ein Rück- und ein Ausblick Pfarrer Joachim Kieslich vor dem Abschied aus Belm und Icker

Zieht bald von Belm nach Twistringen Pastor Joachim Kieslich. Foto: Swaantje HehmannZieht bald von Belm nach Twistringen Pastor Joachim Kieslich. Foto: Swaantje Hehmann

Belm. Zum letzten Mal hält Pfarrer Joachim Kieslich am Sonntag, 27. Januar, um 10.45 Uhr in der Josefskirche eine Predigt als Belmer Pfarrer. Er wechselt nach Twistringen im Landkreis Diepholz, wo er im April anfängt, als Pfarrer zu arbeiten.

Das gibt es eher selten: Joachim Kieslich tauscht mit dem bisherigen Twistringer Pfarrer, Arnold Kuiter, buchstäblich die Dienst- und Wohnäume. Dazwischen liegt jedoch noch eine kurze Auszeit: Umzugstag in Belm ist für Kieslich am Mittwoch, 6. Februar: „Dann bin ich hier wirklich weg“, so der Pfarrer, der sich jedoch erst zum April in seiner neuen Wohnung häuslich einrichtet. „Ich mache wie jedes Jahr erst Exerzitien und dann Urlaub“, so der Pfarrer, der am Sonntag, 7. April, um 15 Uhr im Gottesdienst in Twistringen offiziell eingeführt wird.  

Guter Start damals in Belm 

Kieslich erinnert sich an die erste Zeit in Belm zurück, als vor den Toren von Osnabrück für ihn noch alles neu war: „Ich bin hier sehr schnell rein gekommen, das muss ich der Gemeinde zugute halten. Die Menschen haben rasch gemerkt: Dem können wir trauen.“ Er selbst habe die Belmer als einen „Schlag Menschen" kennen gelernt, der sehr verbindlich sei. „Das ist ein hohes Gut“, findet Kieslich, in Belm und Icker seien die Mitglieder der Pfarreiengemeinschaft "ein Stück weit noch der Kirche verbunden", Kirche bedeute ihnen noch etwas, auch wenn man nicht ständig damit zu tun haben müsse.

Die beiden Standorte

Beim Blick auf die beiden katholischen Gemeinden hingegen nahm Kieslich schon Unterschiede wahr: „Belm ist ein städtisches Milieu, aber nicht Osnabrück, hier kennt man sich, weiß von einander, und es gibt einen Zusammenhalt – aber in lockerer Atmosphäre. In Icker kommt es auf jeden im Dorf an.“

Die großen Aufgaben

Zu den großen Aufgaben seiner zehnjährigen Amtszeit in Belm zählt Kieslich die einjährige Grundsanierung der 800 Jahre alte Pfarrkirche Am Thie. „Wir mussten gucken, wo bleiben wir auf Dauer mit unseren zwei Kirchen“, so der Pfarrer, der betonte: Bereits als es um die Renovierung von St. Dionysius ging, sei klar gewesen, dass die Josefskirche im Anschluss angegangen werden müsse. Aktuell kläre ein Arbeitskreis wie die Entwicklung der Josefskirche hin zur Kolumbariumskirche aussehen könnte. „Ich wusste, das kann ich nicht zu Ende führen. Aber mir war es wichtig, diese Entwicklung anzustoßen. Das sind wir der Gemeinde schuldig“, erklärt Kieslich, dessen Ziel es gewesen war, beim Weggang zu wissen, wie „das Ganze“ weitergeht. In diesem Jahr plane der Arbeitskreis einen Architektenwettbewerb und der Umbau würde wahrscheinlich ab 2020 erfolgen. Für den bisherigen Pfarrer ein weiteres Plus: Sein Nachfolger kann in „die großen Entscheidungen“ eingebunden werden.

Lob für die Gremien

Er selbst ist mit Blick auf den Wechsel froh, dass gerade ein Gremiumswahlen in den katholischen Kirchengemeinden waren: „So kann ich mit einer gewissen Gelassenheit an die Sache rangehen, so lange nichts ad hoc entschieden werden muss“, sagt Kieslich, der in Belm schätzte, dass er nicht alles selbst machen musste. „Die große Kunst ist hier, dass beide Gemeinden aus sich selbst heraus auch leben können“, erklärte der Pfarrer mit Blick auf die Entscheidungskompetenz und Lebendigkeit der Gemeinden: „Das habe ich auch genießen können, das fand ich sehr schön.“ Sein Vorgänger habe in diesem Bereich einiges an Arbeit geleistet: „Er hat die Leute befähigt und gesagt: Ihr seid es, auf euch kommt es an“, weiß Kieslich, der im Gespräch mehrfach erwähnt, er ginge mit Wehmut.

Was er gerne mitnehmen würde

Am liebsten mitnehmen aus Belm würde der Pfarrer eine neue liturgische Form, den „Feierabend“. „Das ist eine kleine Glaubensfeier am Donnerstagabend und etwas anderes als unsere Eucharistiefeiern am Wochenende, das finde ich sehr gut“, berichtet Kieslich und fügt hinzu: „Icker wiederum ist ja sehr musikalisch geprägt, und in Twistringen gibt es, glaube ich auch viel Musik, aber eventuell ganz anders.“

Auf zu neuen Herausforderungen

Apropos Twistringen: Dort wird der Pfarrer eine Gemeinde mit vier Kirchenorten und rund 3000 Gläubigen übernehmen. Dass es nur eine Gemeinde mit beispielsweise nur einem Pfarrgemeinderat gebe, vereinfache die Arbeit zwar, dafür seien die Kirchenorte sehr unterschiedlich, so der Pfarrer. „Twistringen ist zu 80 Prozent katholisch und somit eine katholische Insel“, weiß Kieslich bereits: „Während Bassum ähnlich groß aber ganz evangelisch ist. Hier wird man wahrscheinlich stark die Unterschiede merken.“ Marhorst stellt sich der Pfarrer ähnlich wie Icker vor, „ein kleiner Ort mit eigener Kirche“. Und Harpstedt müsse als „Außenposten“ im Landkreis Oldenburg liegend gut eingebunden werden.



Zwei Pfarrer tauschen Wohnung und Job

Pfarrer Joachim Kieslich trat vor zehn Jahren in Belm seine erste Pfarrerstelle an. Er wurde mit 30 Jahren 2002 zum Priester geweiht. Davor war er als Kaplan in Nordhorn und Lingen. Kieslich übernimmt im April die Pfarreiengemeinschaft Twistringen aus der sein Kollege Arnold Kuiter - ebenfalls im April - nach Belm wechselt. Dort war der 58-Jährige von März 1992 bis September 1997 bereits als Kaplan. In Twistringen war Kuiter mehr als fünf Jahre, es war seine dritte Pfarrstelle. Seine Stationen davor waren St. Johann im Schnoor in Bremen und Bad Iburg. Kuiter arbeitet seit rund 30 Jahren als Priester. Zu seiner neuen Wirkungsstätte äußerte er sich in der Kreiszeitung wie folgt: „Ländlich und städtisch zugleich - ein bisschen vergleichbar mit Twistringen und Marhorst."

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