Prozess vor dem Landgericht Osnabrück Keine Chance auf Bewährung für Autodieb

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Ein ehemaliger Belmer ist wegen Autodiebstahls vor dem Landgericht zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden. Foto: Michael GründelEin ehemaliger Belmer ist wegen Autodiebstahls vor dem Landgericht zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Berufung verworfen: Für neun Monate muss ein Mann aus Ostercappeln nun erneut hinter Gitter. Er hatte ein Auto gestohlen. Zur Tatzeit lebte er in Belm.

Auto vom Kollegen geklaut

Offenbar war das Ganze eine Schnapsidee. Während eines feucht-fröhlichen Diskobesuchs vor etwa einem Jahr habe er auf der Tanzfläche eine Jacke gefunden, schilderte der heute 25-Jährige. Darin ein Autoschlüssel, der auf dem Parkplatz per Fernbedienung zu einem Audi A 4 führte. Betrunken stieg der Mann ein und steuerte den Wagen nach Belm, wo er damals noch wohnte.

Auf einem Parkplatz abgestellt

 Nachdem er seinen Rausch ausgeschlafen hatte, erfuhr er von einem Freund, dass der Wagen nicht nur gesucht, sondern auch noch einem Arbeitskollegen gehörte. Statt den Wagen zurückzugeben und reinen Tisch zu machen, beschloss der Angeklagte, den Wagen in Polen verschwinden zu lassen. Doch nach 100 Kilometern machte er kehrt und stellte den Audi auf einem Parkplatz in Ostercappeln ab. „Ich habe dann auch den Kollegen angerufen.“

Staatsanwaltschaft im Spiel

Der war zwar froh, sein Gefährt unversehrt wieder zu haben, doch weil das Auto schon polizeilich gesucht wurde, war wenig später auch die Staatsanwaltschaft im Spiel. Die reichte als Anklage gleich mehrere Straftatbestände bei Gericht ein: Zum einen vorsätzliches Fahren ohne Fahrerlaubnis in zwei Fällen, davon einmal in sogenannter Tateinheit mit Diebstahl.

Teilstrafe schon abgesessen

Vor dem Amtsgericht räumte der Angeklagte im September letzten Jahres alles ein. Man verurteilte ihn unter Einbeziehung eines weiteren Urteils (vier Monate für den Diebstahl eines Kleinkraftrades) zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 13 Monaten. Zwar legte der Mann noch Berufung ein, aber er saß bis Anfang dieses Jahres schon einmal die vier Monate in der JVA Lingen ab.

Einsilbiger Angeklagter

Die fielen in der jetzigen Berufungsverhandlung unter den Tisch, es galt nur noch über die Taten rund um den Auto-Diebstahl zu verhandeln. Hier hätte der Angeklagte punkten können, allein diese Chance nutzte er nicht. Einsilbig brummte er seine Antworten hin, wenn der Richter etwa danach fragte, warum es noch eine Bewährungschance statt erneuter Haft geben sollte.

Vernehmbar wurde, dass eine garantierte Festanstellung bei einem Autoverwerter in Vehrte plus Wohnungsbezug auf dem Firmengelände unmittelbar bevorstehen würde.

"Steht sich selbst im Weg"

Mehr hatte der Angeklagte nicht zu bieten. Auch sein Bewährungshelfer, der den einschlägig vorbestraften Mann schon länger betreut, konnte wenig Positives berichten. „Im Grunde steht er sich selbst im Weg. Er hat ziemlich viel Potenzial und viele Ideen. Aber es hapert an der Umsetzung und dem Durchhaltevermögen.“

Der Verteidiger plädierte dafür, von einer erneuten Inhaftsetzung seines Mandanten abzusehen. Er verwies auf Eigeninitiative bei der Jobsuche und versuchte, das Gericht dafür zu gewinnen, seinen Mandanten durch strenge Auflagen eine Struktur für die nächste Zeit zu geben.

Frühere Strafen beeindruckten nicht

Vom beantragten Freispruch wollte der Staatsanwalt nichts wissen. Den Angeklagten hätten Strafen in der Vergangenheit nicht beeindruckt. In seinem Fall gebe es keine Gründe, die eine Strafaussetzung rechtfertigten. Zehn Monate beantragte daher der Staatsanwalt.

Im Urteil minderten Richter und Schöffen das Strafmaß auf neun Monate. Zwar sei der Angeklagte geständig, doch vom gegenwärtigen Zeitpunkt könne man nicht davon ausgehen, dass eine zur Bewährung ausgesetzte Strafe den Angeklagten abhalten würde, weitere Straftaten zu begehen, erklärte der Richter.


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