Bildung, Baugebiete und der Marktring Was 2019 in Belm wichtig werden wird

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Was wird 2019 wichtig in Belm? Bei einer Rundfahrt durch die Gemeinde spricht Bürgermeister Viktor Hermeler über künftige Entwicklungen und Herausforderungen. Foto: Jörn MartensWas wird 2019 wichtig in Belm? Bei einer Rundfahrt durch die Gemeinde spricht Bürgermeister Viktor Hermeler über künftige Entwicklungen und Herausforderungen. Foto: Jörn Martens 

Belm. Belm ist in Bewegung. Viele Schulen der Gemeinde sollen 2019 modernisiert werden, es entsteht neuer Wohnraum und am Marktring schreiten die Sanierungsarbeiten voran. Was im neuen Jahr in Belm wichtig werden wird, erzählt Bürgermeister Viktor Hermeler bei einer gemeinsamen Fahrt durch den Ort.

Die Rundreise durch Orte, die 2019 für die Gemeinde Belm wichtig werden, beginnt stellvertretend für mehrere Belmer Bildungseinrichtungen an der Johannes-Vincke-Schule. Hier soll, wenn die Landesschulbehörde zustimmt, zum Schuljahr 2019/20 ein gymnasialer Zweig angeboten werden. Das bedeutet, dass an der Oberschule alle Kinder unterrichtet werden können, die Schule bietet dann in allen Bereichen gymnasiales Niveau an, so Bürgermeister Viktor Hermeler. Er verweist auf die kurzen Wege zur Schule und auch auf besondere Fördermöglichkeiten für die Schüler, die "vielleicht nicht die reinen Gymnasialschüler sind, sondern an der Schwelle dazu stehen". Jene Schüler können dann in der Johannes-Vincke-Schule auf die gymnasiale Oberstufe vorbereitet werden und sie mit einem erweiterten Realschulabschluss verlassen, ohne "unmittelbar dem direkten Leistungsdruck eines reinen Gymnasiums ausgesetzt zu sein". Die Schüler können sich langsam an das höhere Niveau gewöhnen: In den starken Fächern wird der Gymnasialkurs besucht. 

Herr Hermeler, im Rat und Landkreis war der Beschluss für den gymnasialen Zweig an der Johannes-Vincke-Schule einstimmig. Karsten Hohl vom Gemeindeelternrat bedauerte jedoch, dass der Schritt dazu nicht schon vor sieben Jahren getätigt wurde. Was genau stand dem Zweig sieben Jahre im Weg?

Viktor Hermeler: Wir haben das vor sieben Jahren schon mal untersucht und eine Elternbefragung durchgeführt. Da ist es an einer mangelnden Teilnahme und Zustimmung der Eltern gescheitert. Es gab nicht genügend Willenserklärungen der Eltern, ihr Kind an einem gymnasialen Angebot der Oberschule anmelden zu wollen. Und das war jetzt anders, im vergangenen Jahr. Wir haben um Ostern herum die Umfrage gemacht und dann tatsächlich auch der Schulbehörde belegen können, dass wir eine hinreichende Nachfrage haben werden.

Was für eine Anmeldequote braucht man dafür?

Wir brauchen 27 Anmeldungen für die Einrichtung des gymnasialen Angebots für den Schuljahresbeginn 2019/20 in der Klasse 5. Und wir haben mit den Umfrageergebnissen der Eltern belegen können, dass wir in Zukunft um die 30 pro Jahrgang haben werden. Ich gehe auch davon aus, dass uns die Landesschulbehörde die Genehmigung erteilen wird.

Wenn die Landesschulbehörde zustimmt, gibt es an der Johannes-Vincke-Schule zum Schuljahr 2019/20 einen gymnasialen Zweig. Foto: Jörn Martens

Davon abgesehen wird 2019 viel für die Modernisierung der Schulen in der Gemeinde getan. Neues WLAN für die Grundschulen Icker und Belm oder Computer in Powe, Vehrte und Icker. Werden damit auch die Lehrpläne erneuert, um all das auffangen zu können?

Für die Lehrpläne sind wir als Gemeinde ja nicht zuständig, das macht die Landesschulbehörde. Ich gehe aber davon aus, dass unsere Schulen mit dem richtigen Lehrpersonal ausgestattet sind und das auch umsetzen können, was wir als die Voraussetzungen für die Digitalisierung schaffen können. Unsere Aufgabe ist es, für gute Rahmenbedingungen zu sorgen und das wollen wir auch machen. Modernisierungen wie etwa die Einführung der Smart Displays an der Oberschule hat die Oberschule mit dem Arbeitskreis Digitalisierung ausgearbeitet und mit dem Kollegium abgestimmt und die Anregung ist dann ja im Bildungsausschuss und im Rat aufgenommen worden. Das, was wir hier an der Oberschule machen, ist auch ganz wesentlich mitgetragen worden von der Schule. Das ist ein gemeinsamer Prozess. Wir als Gemeinde haben gemerkt, dass da Handlungsbedarf besteht. Wir haben schon seit etlichen Jahren einen gemeinsamen Arbeitskreis mit der Schule, aber die Zusammenarbeit haben wir in den vergangenen zwölf Monaten mit gemeinsamen Workshops, Sitzungen und kleineren Arbeitskreisen nochmal intensiviert. Einer davon war der Arbeitskreis Digitalisierung. 

Der Bürgermeister erklärt außerdem, wie der Schulstandort Belm darüber hinaus künftig attraktiv gestaltet werden soll:


Bedarf an Kitaplätzen steigt

Von der Johannes-Vincke-Schule aus geht es ein kurzes Stück den Heideweg entlang und in den Gustav-Meyer-Weg hinein. Hier werden die letzten Bauarbeiten an der Christuskrippe abgeschlossen. Zum 1. Februar 2019 soll sie mit zwei Gruppen eröffnen. Außerdem investiert die Gemeinde in den Ausbau von Kindertagesstätten in Astrup und Vehrte. Acht Erzieher werden 2019 benötigt, um die neuen Gruppen zu betreuen.

Ist Belm gut aufgestellt mit Kitaplätzen fürs nächste Jahr?

Viktor Hermeler: Wenn die Christuskrippe und die Einrichtungen in Vehrte und Astrup fertiggestellt sind, dann sind wir gut aufgestellt mit Krippen- und Kitaplätzen. Nach den Anmeldezahlen, die wir im November und Dezember erhoben haben, müsste das aufgehen. Wir müssen aber auch für die Zukunft aufgestellt bleiben und das beobachten, denn ich gehe davon aus, dass die Nachfrage weiter steigen wird und wir zusätzliche Neubaumaßnahmen und Erweiterungsbauten gebrauchen werden. Das ist einfach so: Das ist der Trend der letzten Jahre, der sich fortsetzen wird.

Wie könnten die Maßnahmen aussehen, gibt es da schon Pläne?

Nein, da gibt es noch keine Pläne. Wir haben ja hier an einer bestehenden Einrichtung einen Neubau angeschlossen, in Vehrte und in Astrup auch. Es liegt letztlich daran, wo wir Bedarf haben. In Astrup wird zum Beispiel auch eine Regelgruppe gebaut, weil wir festgestellt haben, dass wir – nachdem wir all die Jahre dachten, wir brauchen Krippenplätze – Regelplätze brauchen. Das hat sicher auch mit der Beitragsfreiheit zu tun, dass noch mehr Eltern sich entscheiden, ihr Kind anzumelden. Und das ist ja auch gut und richtig, denn die Bildungseinrichtungen Kindertagesstätte, Krippe und Kindergarten sind ja wertvoll für den Lebenslauf der Kinder. Hier wird schon angefangen, die Bildungsarbeit zu leisten, von der die Grundschulen und weiterführenden Schulen profitieren.

Die Christuskrippe wird zum 1. Februar 2019 mit zwei Gruppen starten. Foto: Jörn Martens

Wachsender Betreuungsbedarf heißt ja auch, dass man mehr Erzieher braucht, die sich um die Kinder kümmern. Es sind neue Stellen fürs nächste Jahr geschaffen worden – ist es schwierig, diese auch zu füllen?

Im Moment ist es schwierig. Im Bereich der Kinderkrippen- und Kindergartengruppen ist es nicht so einfach. Ich hoffe, dass wir durch die Nähe zur Stadt Osnabrück noch attraktiv sind für junge Menschen, die dann einfach in der Nähe des Oberzentrums leben und arbeiten mögen. Ich hoffe auch, dass unsere Leitungen der Einrichtungen in Astrup und Vehrte, an denen wir anbauen, in der Lage sind, über Praktikanten Stellenangebote zu vermitteln, sodass wir Bewerbungen in hinreichender Anzahl bekommen. Ich bin optimistisch, dass das gelingen wird, weil wir das bis jetzt immer geschafft haben. Aber nicht nur im Bereich der Betreuung haben wir Personalsorgen, die haben wir im Bereich der allgemeinen Verwaltung genauso. Da wird der Fachkräftemangel einfach deutlich.

Großer Bedarf an Wohnraum kann nicht gedeckt werden

In der letzten Gemeinderatssitzung im Dezember wurde ein Thema in den Haushaltsreden der Fraktionen betont: In Belm muss bezahlbarer Wohnraum geschaffen und verwaltet werden. Deshalb geht die Fahrt durch Belm in den Osten von Up de Heede. Am Horizont reihen sich Neubauten nebeneinander auf, an der Schlossstraße sind bereits die neuen Baugrundstücke eingezeichnet. Hermeler erklärt, wie hoch der Bedarf an neuem Wohnraum in Belm ist und ob er gedeckt werden kann.

Jochen Becker (SPD) erwähnte in seiner Haushaltsrede, dass das Baugebiet Up de Heede überzeichnet war und auch viele junge Belmer, die hier aufgewachsen sind, keinen Baugrund gekriegt haben.

Viktor Hermeler: Das stimmt, aber trotzdem haben viele junge Menschen, die hier aufgewachsen sind und eine Familie gegründet haben, hier einen Bauplatz bekommen. Wir müssen da objektiv nachvollziehbare Kriterien anwenden. Wir haben einen Kriterienkatalog, wo natürlich dann die Wohnortzugehörigkeit eine Rolle spielt. Man muss nicht in Belm geboren sein, aber wenn man hier zehn Jahre lebt, hat man schon eine gute Voraussetzung. Wenn man dann noch Kinder hat und einen Job in Belm, dann gibt das Punkte. Wer aber schon Eigentum hat und hier noch etwas Neues bauen möchte, der kriegt einen Punkt abgezogen. Wir wollen uns ja auch darum kümmern, dass Menschen eine Chance haben, Eigentum zu erwerben. Junge Familien wollen wir fördern. Das ist ja wichtig.

Hier vorne will die Belmer Wohnungsentwicklungsgesellschaft (BWG) ein Mehrfamilienhaus errichten. Was hat denn in den Planungen Vorrang? Mehrfamilienhäuser oder einzelne Wohnhäuser?

Ein guter Mix ist glaube ich entscheidend. Wir haben uns hier in diesem Bereich entschieden, auch Mehrfamilienhäuser entstehen zu lassen, die als Mietobjekt verfügbar sein sollen, unter Umständen auch als Eigentumsobjekt. Die BWG wird hier ein Mietshaus bauen, damit Menschen auch eine Chance haben, eine Wohnung zu mieten, die kein Eigentum bilden können oder wollen. Ergänzend dazu die Einfamilienhäuser, und wenn man das gut aufeinander abstimmt, dann passt das auch städtebaulich zueinander. Die BWG hat auch die Aufgabe, für die Gemeinde einen ausgewogenen Mix hinzubekommen, dass man auch den bezahlbaren Wohnraum im Auge behält. Dazu gibt’s ja auch im Haushaltsplan einen Kapitalzuschuss für die Gesellschaft. 

Neubauten am Horizont: Baugrundstücke in Belm sind sehr gefragt. Foto: Jörn Martens

Streitpunkt im Rat war zuletzt das 50 Jahre alte Mehrfamilienhaus in Powe, das die BWG kaufen will und dafür bezuschusst wird. Was spricht Ihrer Meinung nach für den Kauf des Hauses?

Dafür spricht, dass wir uns in der ehemaligen NATO-Siedlung bewegen, ein ehemaliger sozialer Brennpunkt, an dem wir in den zurückliegenden 20 Jahren sehr erfolgreich über das Bundesprogramm „soziale Stadt“ gearbeitet haben. Dort werden wir aber sehr wohl auch noch ein Augenmerk darauf haben müssen, dass wir auf Entwicklungen reagieren können. Es ist auch heute noch ein benachteiligtes Gebiet. Wir haben in Belm zwar eine gute Beschäftigungslage, in dem Gebiet gibt es aber auch Bereiche, in denen wir überproportional hohe Zahlen haben, wo Menschen auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. Und das ist einfach dann ein Bereich, wo man auf die soziale Lage achten muss und das spricht dafür, dass wir in dem Bereich tätig sind. Es ist wichtig, dass wir für die Zukunft deutlich machen, dass wir an der Seite der Bewohner stehen, wenn es auch mal wieder enger wird. Wenn es wieder eine höhere Arbeitslosenzahl in Belm geben könnte oder die Wohnungsmarktsituation anders wird. Dann müssen wir das Gebiet gut beobachten.

B51n wird 2019 fertig

Es wird viel gebaut in Belm - und eine sehr große Baustelle durchzieht derzeit die Gemeinde. Die Arbeiten an der neuen Ortsumgehung, der B51n, sind in vollem Gange. Deshalb geht es vom Neubaugebiet östlich Up de Heede weiter zur B51n-Baustelle Im Gattberg. Hermeler sagt, dass die 6,7 Kilometer lange Straße 2019 fertig werden wird: 


Durch den Bau kommt es besonders in den Stoßzeiten zu Staus zwischen Osnabrück, Belm und Ostercappeln. Das wird sich wohl 2019 auch nicht ändern. "Oft ist es ja so, dass es erst noch ein bisschen schlechter werden muss, damit es besser wird", sagt Hermeler deshalb mit Hinblick darauf, dass ein Ende der Bauarbeiten in Sicht sei. "Besonders schlimm" sei es, wenn Straßen wie die Haster Straße oder Icker Landstraße für zwei oder drei Wochen gesperrt sind. Gerade im Berufsverkehr. "Aber wenn die Umgehungsstraße fertig ist, wird es echt eine große Entlastung für den Verkehr geben", sagt der Bürgermeister. "Ich freue mich einfach, dass die Straße gebaut wird und die vielen Belmer Haushalte im Nahbereich der Bundesstraße dann entlastet werden können."

Ein besserer Aufenthalt im Belmer Zentrum?

Die B51n dient als Ortsumgehung der Entlastung des Durchgangsverkehrs. Unter anderem wird aus gleichem Grund in Belm der Marktring saniert. 2018 ist hier die Ringstraße umgestaltet worden. 

Die Sanierung ist einerseits da, um den Durchgangsverkehr besser zu gestalten, andererseits, um den Geschäften einen besseren Standort zu geben.

Viktor Hermeler: Genau. Die Fördermittel haben wir erhalten, um unser Zentrum aufzuwerten. Die Städtebauförderung hat da ein Förderprogramm namens „aktive Stadt und Ortsteilzentren“. Das sagt eigentlich auch, was hier gefehlt hat: ein aktives Stadtteilzentrum, ein aktiver und zentraler Versorgungsbereich. Und der soll aufgewertet werden. Die Aufenthaltsqualität wird verbessert, der Platz erneuert. Das war nach über 40 oder 50 Jahren auch wichtig. Und das soll Auswirkungen auf den Einzelhandel und die Läden haben. In der Fußgängerzone ist im Moment das Marktcafé, früher bekannt als Schulte-Wellmann, nicht besetzt. Es gab einen Nachfolger, der hat das aber nach wenigen Wochen geschlossen. Vermutlich, weil es nicht angenommen worden ist. Die langjährigen Kunden sind da weg geblieben. Für 2019 ist es auch noch eine kleinere Baustelle, zu sehen, was da hin kommt.

Darüber hinaus erklärt Hermeler, was 2019 noch am Marktring passieren wird:



Einige Leute bemängeln die Verkehrssituation hier am Marktring. Gedenken Sie, da 2019 noch etwas zu unternehmen, um es für die Leute zu vereinfachen?

Ich glaube schon, dass die Belmer sich daran gewöhnen, dass hier jetzt eine andere Verkehrssituation gegeben ist und dass man sich damit vertraut machen muss. Man soll langsam fahren. Fußgänger, Rad- und Autofahrer sollen aufeinander Rücksicht nehmen. Aber das ist ja auch die Kernaussage der Straßenverkehrsordnung. Die Fahrstraße, die hier vor Apotheke, Rossmann und Sparkasse herführt, das ist keine Vorfahrtsstraße, hier gibt es einen ganz normalen Rechts-vor-Links-Bereich. Ich bin zuversichtlich, dass die Leute das schaffen. Wenn es dann doch noch Handlungsbedarf gibt, müssen wir gucken, ob man noch etwas verbessern kann.

Was wird 2019 noch in Sachen Verkehrsplanung in Belm passieren?

Wir machen weiter bei unserem Straßenausbauprogramm, das wir seit einigen Jahren umsetzen. Wir haben ja in Belm über 50 Straßen, die älter als 40 oder 50 Jahre und dringend erneuerungsbedürftig sind. 2019 werden wir den Gustav-Meyer-Weg ausbauen. Es ist für uns wichtig, dass wir die kommunalen Straßen in Ordnung halten.


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