Ferdinand Fasse liest in der Icker Friedhofskapelle Von der Faszination der Musik

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Schwester Anne Voß (rechts) vom Emmaus-Arbeitskreis bedankte sich für Vortrag und Musik: Ferdinand Fasse (links) und Johanna Weglage (mitte).  
Foto: Christina HalbachSchwester Anne Voß (rechts) vom Emmaus-Arbeitskreis bedankte sich für Vortrag und Musik: Ferdinand Fasse (links) und Johanna Weglage (mitte). Foto: Christina Halbach

Belm. Um nervige Musikstunden und großartige Auftritte, um mittelmäßige und wahre Genies ging es in einer Lesung über und mit Musik in der Emmauskapelle in Icker. Unter dem Titel „Daa – Dia – Damm! Und zwei!“ führten Ferdinand Fasse und Saxofonistin Johanna Weglage ein musikalisch-literarisches Zwiegespräch.

„Musik ohne Noten ist barbarisch“, schimpft die Mutter in Birgit Vanderbekes autobiografisch angelegten Roman „Wer dann noch lachen kann“, wenn der bewunderte Onkel auf der Klarinette zu improvisieren beginnt. Die kleine Flötenschülerin Birgit hingegen ist begeistert, wenn die „Berliner Luft“ oder „Marmor, Stein und Eis bricht, aber unsere Liebe nicht“ wilder und lustiger daher kommen als die Stücke in der Flötenschule Band 1 bis 3.

Wie anziehend und inspirierend Musik sein kann, aber auch mühsam die ersten Schritte eines Musikers sein können und was wahre musikalische Genialität bedeutet, dazu hatte Ferdinand Fasse, Deutschlehrer und Organist der Icker Kirchengemeinde, für die Veranstaltungsreihe des Emmaus-Arbeitskreises einige wunderbare literarische Beispiele ausgewählt. Und Fasse ist nicht nur Literaturkenner, sondern auch ein guter Erzähler: Mit feinem Humor lässt er quälenden Musikunterricht und große Auftritte in der Friedhofskapelle in kleiner Runde lebendig werden. Seine musikalische Partnerin und ehemalige Schülerin Johanna Weglage hat ihre ersten musikalischen Schritte nicht an der Blockflöte gemacht, sondern am Akkordeon, berichtete sie, die auch ein Lehrwerk ähnlich der Flötenschule zu bewältigen hatte: „Da muss man durch“, meinte sie lachend.

Ferdinand Fasse las in der Emmaus-Kapelle icker von der Faszination der Musik. Foto: Christina Halbach


Im wahrsten Sinne des Wortes dadurch musste auch Walter Kempowski. Im Roman „Tadellöser und Wolf“, den Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend, beschreibt der Autor eine mehr als unangenehme Klavierstunde: „Sie griff meine Hände wie Zigarren und drückte sie in die Tasten. So, so und so. Da, dia damm und zwei“, erinnert sich der 2007 verstorbene deutsche Literat an die Methoden seiner Klavierlehrerin Fräulein Schnabel, die den Zugang zu den Freuden der Musik wohl eher erschwert als geebnet haben. Auch Johanna Weglage hat mal mehr und mal weniger geübt, wie sie schmunzelnd zugab. Überwiegend wird sie wohl geübt haben: Mit einer modernen Stückauswahl begeistert die studierte Saxofonistin, unterstützt von der Akustik der Emmauskapelle, ihre Zuhörer.

Johanna Weglage spielte moderne Stück für das Saxonfon. Foto: Christina Halbach


Nach einem Ausflug in die Welt der wahren Genies mit Peter Shaffers „Amadeus“ und Robert Schneiders „Schlafes Bruder“ endet Fasse mit einem bis dahin unerwähnten Instrument: der Stimme. Über deren besondere Kraft hat sein ehemaliger Religionslehrer, der Pfarrer Hermann-Josef Coenen, neben weiteren Büchern, ein Gedicht geschrieben: „Ich bin kein Häuserbauer, bin kein Politiker, ich habe nichts als mein Lied.“


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