Sonderkultur Weihnachtsbäume Belmer Tannenhof bereitet sich auf Weihnachtsgeschäft vor

Von Antonia Wahmhoff

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"Ein Fulltime-Job, der Spaß macht": Je nach Beschaffenheit werden die Tannenbäume etikettiert. Foto: Antonia Wahmhoff"Ein Fulltime-Job, der Spaß macht": Je nach Beschaffenheit werden die Tannenbäume etikettiert. Foto: Antonia Wahmhoff

Belm. Noch acht Wochen bis Heiligabend. Für Tannenhof-Betreiber Rolf Droste aus Belm ist es an der Zeit, sich auf das Weihnachtsgeschäft vorzubereiten. Der Landwirt beobachtet den Trend, dass die Tannenbäume immer früher vor dem Fest aufgestellt werden.

Auf dem Tannenhof Droste am Gattberg in Belm liegt schon jetzt ein Hauch von Weihnachten in der Luft. "Aktuell sind wir mit dem Schnittgrün beschäftigt, mit dem wir Gärtnereien in der Region beliefern", sagt Rolf Droste und weist auf frisch-duftende Tannenzweige, die zum Bündeln bereitliegen. Nachdem sein Vater vor rund 40 Jahren mit dem Anbau begonnen hat, baut er die Weihnachtsbäume als Sonderkultur heute auf gut 50 Hektar im Vollerwerb an.

Der perfekte Weihnachtsbaum

Eine Größe bis zwei Meter, ein satt grünes Nadelkleid und Äste, die Etagen bilden und sich so zum Dekorieren eignen – Droste weiß, wie der perfekte Weihnachtsbaum für seine Kunden aussehen muss und kann eindeutige Trends erkennen: "Die Weihnachtsbäume werden kleiner." Vor 10 Jahren hätten die Käufer noch Bäume mit rund 2,5 Meter Größe bevorzugt. Auch die typisch-amerikanische Pyramidenform sei aus der Mode gekommen.

Nordmanntanne weiterhin beliebt

Bei der Frage nach der Nadelbaumart habe sich in den vergangenen Jahren dagegen nicht viel verändert. Auf den Flächen des Familienbetriebes baut Droste daher zu 80 Prozent die beliebten Nordmanntannen an. Daneben auch Blaufichten und seltenere Arten wie Colorado- oder Fraser-Tannen. Die Nobilistannen werden mittlerweile ausschließlich für die Erzeugung des Schnittgrüns genutzt.  (Lesen Sie weiter: Nordmanntanne weiter beliebtester Weihnachtsbaum)

Pflegeintensive Sonderkultur

Auf dem Hof Droste haben die Weihnachtsbäume das ganze Jahr Saison. Denn bevor sie zur leuchtenden Festtagsattraktion in Osnabrücker Wohnzimmern werden, benötigt jedes einzelne Exemplar sehr viel Pflege. Nachdem im Januar das Weihnachtsgeschäft im Büro abgearbeitet wird, beginnt der Familienbetrieb im neuen Jahr mit der Bestandsaufnahme der Kulturen. Im Frühjahr werden dann die in der eigenen Baumschule gezogenen Jungpflanzen auf den Anbauflächen ausgepflanzt.

Zäune gegen Fraßschäden

"Um besonders die jungen Bäume vor Wildfraß zu schützen, müssen die Flächen eingezäunt werden", erklärt Droste. Fraßschäden würden das Wachstum der Bäume verzögern. Für ein optimales Gedeihen sei außerdem die Nährstoffzugabe in Form von Düngung wichtig.

Die optimale Form

Nach dem Austreiben der Zweige im Frühjahr kommt es dann zu einem entscheidenden und zeitintensiven Arbeitsschritt, der ohne feste Mitarbeiter nicht zu bewältigen wäre. Die mehrjährigen Tannen werden per Hand in Form geschnitten. "Uns geht es um naturnahe Bäume", betont der Experte. Dennoch komme es bei Christbäumen auf eine gewisse Symmetrie an. Kleine Schönheitsmakel wie eine zweite Spitze würden in der Regel entfernt. Bei Bäumen ohne Spitze versuche man dagegen, einzelne Äste hochzubinden.

Mit Fingerspitzengefühl

Ab einem Alter von mindestens acht Jahren können die Tannen geschlagen bzw. mit einer Maschine geerntet werden. "Das dauert einfach seine Zeit", beschreibt Droste den Charakter seiner Sonderkultur. Die Entscheidung, in welchem Jahr der perfekte Erntezeitpunkt ist, erfordere daher Fingerspitzengefühl. Bevor die Bäume den Gattberg endgültig verlassen, sei es für die Haltbarkeit der Bäume wichtig, sie nach dem Schlagen ein oder zwei Tage ausgasen zu lassen, erklärt der Experte.

Trockenheit setzt Jungpflanzen zu

"Das war ein verrücktes Jahr", sagt Droste mit Blick auf die vergangene Anbauperiode. Auch wenn der Landwirt einigermaßen zufrieden ist, habe es in diesem Sommer viele Einbußen gegeben. Die lange Trockenheit habe besonders den ganz jungen Bäumen zugesetzt. 30 Prozent der mit der Hand ausgepflanzten Triebe seien vertrocknet, berichtet er. Eine Beregnung sei nur auf den Baumschulflächen möglich gewesen. "Diese Ausfälle wird man in acht bis zehn Jahren zu spüren bekommen", weiß Droste.  (Lesen Sie weiter: Weihnachtsbaumplantagen in Niedersachsen leiden unter Trockenheit)

Borkenkäfer-Befall

In den Nordmann-Beständen sei es außerdem zu Hitzeschäden gekommen, die sich dadurch bemerkbar machen, dass sie Bäume anfangen zu nadeln. Besonders die älteren und damit größeren Tannen seien betroffen. "Das ist natürlich traurig, wenn ein sechs bis zehn Meter hoher Baum zu Feuerholz verarbeitet werden muss", sagt Droste. Bei den Nobilistannen sei außerdem zum Teil ein Borkenkäfer-Befall aufgetreten. "Das geht ins Geld", resümiert der Landwirt.

Weihnachtsgeschäft ab Anfang November

Doch nun konzentriere man sich auf das Weihnachtsgeschäft. Neben dem Schnittgrün werden ab Anfang November große Dekorationsbäume an Hotels oder Autohäuser ausgeliefert und vor Ort aufgestellt. "Mittlerweile gehört viel Service dazu", weiß Droste. Doch das mache Spaß – spätestens, wenn die Krahnstraße in Osnabrück nach getaner Arbeit im Glanz der Tannen erstrahle.  (Lesen Sie hier: Das müssen Sie zur Weihnachtsbeleuchtung wissen.)

Hofladen mit Weihnachtsmarkt

Ab dem ersten Advent beginnt dann der Verkauf an Privatleute. An den Wochenenden veranstaltet Familie Droste jedes Jahr einen kleinen Weihnachtsmarkt auf ihrem Hof, der den Baumkauf zu einem Erlebnis für Groß und Klein machen soll. Darüber hinaus werden Tannen an zahlreichen Ständen in der Region Osnabrück angeboten.

Weihnachtsbäume werden früher gekauft

Die Preise bleiben dieses Jahr stabil, sagt Droste. Der Zeitpunkt des Kaufs würde sich allerdings immer weiter nach vorne verschieben. "Das Geschäft kurz vor den Feiertagen ist weggebrochen", beobachtet er. Offenbar stellen viele Osnabrücker ihren Baum schon früher auf. Ob selbst geschlagen oder bis an die Haustür geliefert: Wer die Weihnachtszeit nicht abwarten kann, könne sich auch jetzt schon den zukünftigen Christbaum auf dem Tannenhof aussuchen und reservieren lassen. 


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