Berufung verworfen Dauerarrest für junge Kaufhausdiebinnen aus Belm

Von Heiko Kluge

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Das Landgericht Osnabrück hat das Berufungsgesuch zweier Kaufhausdiebinnen aus Belm abgeschmettert. Foto: Michael GründelDas Landgericht Osnabrück hat das Berufungsgesuch zweier Kaufhausdiebinnen aus Belm abgeschmettert. Foto: Michael Gründel

Belm/Osnabrück. Zwei Schwestern aus Belm müssen wegen Diebstahls einen zweiwöchigen Arrest verbüßen. Sie hatten in großem Umfang Kleidung aus Geschäften in Hannover und Osnabrück gestohlen.

Am 8. November hatten die 21 und 19 Jahre alten Geschwister ein Kaufhaus in der Osterstraße in Hannover aufgesucht, um dort zahlreiche Kleidungsstücke zu entwenden. Dazu hatten sie die Etiketten abgerissen und die Sachen dann in einem mitgeführten Kinderwagen versteckt. Als der Kinderwagen prall mit Beute gefüllt war, entfernten die jungen Frauen das Etikett von einem Koffer und füllten diesen mit weiteren Kleidungsstücken. Das Kaufhaus verließen die Angeklagten über einen Seiteneingang, wurden aber erwischt. 

Kleidungstücke im Wert von 700 Euro

Bei der späteren Durchsicht der aufgefundenen gestohlenen Waren, ergab sich, dass die beiden Kleidungstücke im Wert von 708,50 hatten mitgehen lassen. Der Koffer hatte einen Wert von 34,00 Euro. Trotz des in Hannover laufenden Ermittlungsverfahrens ließen sich die Schwestern nicht davon abhalten, nach der gleichen Masche im Dezember noch ein Kaufhaus am Kamp in Osnabrück um Waren zu erleichtern. Hier entwendeten sie Spielzeug und Kosmetik im Gesamtwert von knapp über 445 Euro.

 Zweiwöchiger Dauerarrest 

 Das Osnabrücker Amtsgericht hatte die beiden jungen Frauen wegen gemeinschaftlichen Diebstahls in zwei Fällen nach Jugendstrafrecht jeweils zu einem zweiwöchigen Dauerarrest verurteilt. Gegen das Urteil waren die beiden in Berufung gegangen, vor allem, um den dräuenden Arrest abzuwenden und statt dessen möglicherweise Sozialstunden abarbeiten zu müssen. Vor dem Landgericht zeigten sie sich geständig und reuig. „Es tut mir leid“, sagte die 21-Jährige und fügte hinzu: „Es war mir in diesem Moment nicht so richtig bewusst, was ich da mache.“ Auch ihre Schwester entschuldigte sich, und gab als Erklärung für die Diebstähle eine Schwangerschaftsdepression an. 

Berufung abgeschmettert

Den Dauerarrest wollten sie abwenden, da es für sei beide keinerlei Möglichkeit gebe, für die Dauer der Maßnahme ihre jungen Kinder anderweitig unterzubringen. Doch nach nur kurzer Beratung verwarf das Gericht ihre Berufung. Eine Entscheidung, in der lediglich Erziehungsmaßregeln oder Zuchtmittel angeordnet worden seien, könne nicht wegen des Umfangs der Maßnahmen angefochten werden, betonte der Vorsitzende und verwies auf den Paragraf 55 des Jugendgerichtsgesetzes, in dem der Sachverhalt geregelt ist. Eine Erziehungsmaßnahme, wie eben der Dauerarrest, könne auch nicht angefochten werden, weil eine andere oder weitere Erziehungsmaßregeln hätten angeordnet werden sollen. Die Kammer halte „eisern“ an dem Grundsatz fest, die Entscheidung über geeignete Erziehungsmaßnahmen den zuständigen Jugendrichtern zu überlassen, betonte der Vorsitzende – es sei denn, die Entscheidung sei rechtlich falsch. Das Urteil des Amtsgerichts sei milde, „aus unserer Sicht zu milde“. Im Falle der beiden jungen Frauen hätte man durchaus über eine Jugendstrafe nachdenken können. Wie die Versorgung der Kinder der Angeklagten während der Zeit des Arrests geregelt werde, „dass ist eine Sache der Vollstreckung. Und das ist nicht unser Bier.“


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