Schlechter Radweg besser als keiner? Verkehrspolitische Radtour am Samstag durch Belm

Von Markus Strothmann

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Verkehrspolitische Radtour: Wolfgang Driehaus (vorne rechts) vom ADFC erläuterte die problematischen Orte auf der Strecke und beantwortete viele Frage wie: Wo darf man auf der Fahrbahn radeln, wo muss man, und ist ein schlechter Radweg wirklich immer besser als gar keiner?Verkehrspolitische Radtour: Wolfgang Driehaus (vorne rechts) vom ADFC erläuterte die problematischen Orte auf der Strecke und beantwortete viele Frage wie: Wo darf man auf der Fahrbahn radeln, wo muss man, und ist ein schlechter Radweg wirklich immer besser als gar keiner?

Belm. Nach Ansicht vieler Belmer lässt die Radfahrsicherheit in der Gemeinde deutlich zu wünschen übrig. Am Samstag bei der „verkehrspolitischen Radtour“ fühlte eine 30-köpfige Gruppe um Klimabotschafter Eberhard Eckert der Problematik auf den Zahn.

Die Gruppe fuhr einen Rundkurs mit 18 Wegpunkten ab, Treffpunkt war die Sankt-Dionysius-Kirche. Der zweite Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) Osnabrück, Wolfgang Driehaus, gab ein Handout aus, das die Strecke beschrieb: Lindenstraße - Bremer Straße - Waterloostraße - Ringstraße - Heideweg - Belmer Straße. Dazu Bilder von Gefahrenstellen und Orten, an denen die Verkehrsführung Fragen aufwerfe.

Gleich zum Start die Lindenstraße: Dort sind die Radwege aufgehoben, dürfen also nicht mehr befahren werden, auch das Fahren auf den Gehwegen ist nicht mehr erlaubt. „Allerdings sind an den Kreuzungen [...] Rotmarkierungen, die [...] einen Radweg vorgaukeln“, so das Handout. Rechtlich ist es so, dass Radfahrer hier auf der Fahrbahn fahren müssen. In der Praxis führen aber die meisten weiter auf den ehemaligen Radwegen, „ungefähr 80 Prozent“, schätzt Wolfgang Driehaus. 

Gesetzeslage ist vielen nicht klar

Bürgermeister Viktor Hermeler, der mitradelte, erklärte: Das Problem sei bekannt, aber Verbesserungen nähmen Zeit in Anspruch. „Bis dahin ist das besonders wichtig, was jeder Führerscheinanfänger lernt: gegenseitige Rücksichtnahme.“ Doch daran fehle es oft, so mehrere Teilnehmer. Befahre man mit dem Rad die Fahrbahn der Lindenstraße, werde man von nachfolgenden Autofahrern bedrängt, den Radweg zu nutzen, so ein mitfahrender Belmer: „Es ist offensichtlich zu vielen noch nicht durchgedrungen, dass Radfahrer hier auf der Fahrbahn fahren müssen.“ 

Bei der Radtour zeigte sich, dass die Regelung auch in anderen Situationen vielen nicht klar ist. So fuhr die Radler-Kolonne über einen Überweg nahe Marktkauf. Währenddessen sprang die Ampel auf Rot, der nächste Autofahrer hupte prompt. Dass die Kolonne als Einheit behandelt wird und die Radler im hinteren Teil nicht anhalten müssen, wusste dieser Fahrer nicht. Solche Wissenslücken müsse man beheben, da waren sich die Teilnehmer einig. Allerdings auch darüber, wie schwierig das ist. 

Keine Unfallschwerpunkte

Weitere Stationen: Die Ampelkreuzung Lindenstraße/Bremer Straße/Icker Landstraße mit der Fußgängerampel, welche - zu Unrecht - auch die meisten Radfahrern nutzen. Der Radweg an der Bremer Straße, in beide Richtungen benutzungspflichtig: An Einmündungen droht Gefahr, weil Autofahrer nicht mit schnellem Radverkehr von rechts rechnen. Waterloostraße, Ringstraße Ecke Heideweg: Unklarheit darüber, wer wo fahren darf oder muss. 

Die aufgeführten Punkte: nur eine Auswahl aus 18 potentiell gefährlichen Stellen auf dem Rundweg. Es bleibt allerdings festzuhalten: „Auf der ganzen Strecke gibt es keine Unfallschwerpunkte“, sagte Hermeler, wie die Statistik der Polizei bestätige. Man werde die Probleme angehen, aber bis dahin müssten alle Verkehrsteilnehmer, und das betonte der Bürgermeister mehrfach: „Rücksicht nehmen.“ 


Informationen über die verkehrspolitische Radtour gibt es in Kürze unter www.belm.de/klimabotschafter

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