Rollende Automobilgeschichte Wiehengebirgs-Rallye macht Station in Belm-Vehrte

Von Andreas Wenk

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Autolegenden am Start: Ein Ford Mustang vorne im Bild gefolgt von einem Mercedes Pagode. Foto: Andreas WenkAutolegenden am Start: Ein Ford Mustang vorne im Bild gefolgt von einem Mercedes Pagode. Foto: Andreas Wenk

Belm. Großaufgebot an Oldtimern am Sonntag vor dem Hotel Kortlüke in Vehrte. Anlass war die 32. Wiehengebirgs-Oldtimer-Rallye.

Das Feld war bunt gemischt. Vom einfachen Zweitakter DKW Mungo bis hin zum noblen Rolls-Royce, dazwischen Belege für die bunte Osnabrücker Automobilgeschichte: Karmann Ghia, Käfer Cabrio, und VW Porsche. Lebendes Beispiel dafür, dass Oldtimer alles andere als ein reines Hobby gut betuchter Senioren sind: Anna Schölzel. Die 20-Jährige ging mit dem VW Käfer, Baujahr 1981, ihres Vaters an den Start. Kilometerstand: rund 18.000. Das Auto stammt aus Familienbesitz, gehörte der Großmutter und die hat es kaum über die Grenzen von Bad Essen hinaus bewegt. Laut Famliensaga war der Wagen mit Oma einmal in Wolfsburg. Zur Oldtimerrallye erscheint er wie aus dem Ei gepellt, „schließlich sollte er doch gut aussehen“, sagt Schölzel. Auch wenn es der „Papa“ war, der das Auto vor drei Jahren aus dem Dornröschenschlaf geweckt hat, sie fährt gerne damit und geht deshalb auch bei der Rallye mit Jannik Wichmann als Beifahrer auf die Tour. 

Rolls-Royce Silver Shadow

Fast am anderen Ende des Concours d´Élégance: Volkmar Kunde. Der Kinderarzt hat sein Schmuckstück bei einem Kölner Händler gefunden. Es ist ein Rolls-Royce Silver Shadow mit V8-Motor, Baujahr 1980. Da einst in den USA zugelassen, ist es ein Linkslenker, verfügt über allerlei Luxus wie eine automatische Klimaanlage und elektrisch verstellbare Sitze, aber auch über einen zumindest ungeregelten Katalysator und Abgasrückführung. Zwischen zwei und zehn Stunden pro Woche widmet er seinem Hobby.

Kunde selbst bezeichnet sich als „technisch versiert“ und kann mühelos einen Vortrag über die vielen wunderbaren Facetten seines Gefährts referieren. Ob Ersatzteilrecherche im Internet oder Schmökern in Werkstatthandbüchern, die mittlerweile als Dateien kursieren, er ist Enthusiast und stets darauf bedacht, dass die Nobelkarosse ihren erstklassigen Zustand beibehält. „Es ist immer etwas instand zu setzen“, sagt Kunde. Ist Kunde am Steuer trotzdem „König“? Ein bisschen was hat es davon, gibt er zu. Aber allzu oft gönnt auch er sich das Vergnügen nicht. Schließlich hat der Wagen erst 31.000 Meilen oder knapp 50.000 Kilometer auf dem Tacho. Und der Verbrauch? Unter 20 Litern ist die 2300 Kilogramm schwere Luxuslimousine nicht zu bewegen. Bei Tempo 160 auf der Autobahn gehen auch schon mal 30 Liter durch die Vergaser.

„Das Ökogewissen hat heute Pause“, sagt auch Friedhelm Bei der Kellen, Fahrleiter und einer der Verantwortlichen an diesem Tag. Er fährt mit seinem Cousin und dessen altem Opel Kapitän heute die Strecke ab, um zu sehen, ob auch alle Hinweis- und Prüfungsschilder noch stehen. Zudem berichtet er, selbst „tief grün gefärbte Grüne“ hätten meist Verständnis für Oldtimer. Außerdem geht es bei der Rallye nicht um Raserei, sondern das „Kulturgut Auto“. Und wer solch ein altes Fahrzeug habe, der wolle es schließlich auch manchmal bewegen, aber nicht belasten. 

Das Hobby ist populärer als Namen wie Rollys-Royce, Ford Mustang oder Porsche vermuten lassen. Selbst in die Jahre gekommene Kadetts, Golf-II oder Mantas gehören inzwischen zur Szene, und so musste das Feld nach 90 Anmeldungen aus organisatorischen Gründen geschlossen werden.


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