Zwei Blindgänger beseitigt Längster Einsatz: Bomben in Belm fordern Sprengmeister

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Belm. Im Belmer Ortsteil Haltern hat Sprengmeister Clemens Stolte mit seinem Team am Dienstag einen Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft und einen weiteren gesprengt. Bei beiden Bomben handelte es sich um englische Fünf-Zentner-Bomben mit Aufschlagzünder.

Das war vorbildlich: Die rund 400 Halteraner, die am Dienstag aufgrund einer Bombenräumung aus ihren Wohnungen und Häusern mussten, hatten diese alle wie vorgegeben bis 8.30 Uhr verlassen. An einer Haustür klebte eine Notiz mit Smiley: „Alle weg!“ Um diese Uhrzeit war schon bekannt, dass es wohl zwei Blindgänger gibt. Doch dass diese den Sprengmeister und sein Team bis in den Abend hinein auf Trab halten würden, ahnte keiner. (Zum Nachlesen: Der Liveticker – mit Video der Sprengung)

„Das war bisher mein längster Einsatz überhaupt“, erklärte Sprengmeister Clemens Stolte nach getaner Arbeit. Am anstrengendsten sei das Warten gewesen, und warten musste der Sprengmeister an diesem Tag oft.

Es fing alles normal an

Dabei fing alles normal an: Eine der beiden Fünf-Zentner-Bomben steckte senkrecht im Boden, die andere lag waagerecht im Erdreich. „Wir sind davon ausgegangen, dass beide von einem Abwurf stammen und somit den gleichen Zünder haben“, so Stolte, der sich zunächst an die „flache“ Bombe machte. „Wir hatten auf der Wiese jedoch ein unheimliches Problem mit dem Wasser“, erklärte der Sprengmeister, der einmal den im Wasser liegenden Zünder durch Ertasten bestimmen musste.

Dann saßen die Zünder sehr fest, zu fest für Handarbeit. Stolte griff zu den Raketenklemmen. Mit deren Hilfe wollte er die beiden Blindgänger per Fernentschärfung unschädlich machen. Das klappte nur bei einem der beiden Blindgänger.

Kühe musten von der Weide, Pferde büxten aus

Doch nicht nur die gefährlichen Überbleibsel aus dem Zweiten Weltkrieg machten dem Sprengmeister zu schaffen: Zwischendurch musste ein Bauer seine Kühe von der Weide in den Stall holen. „Und später sind auch noch die Pferde ausgebüxt“, berichtete Stolte.

Nach einem langen Evakuierungstag sprechen Anke Linkmeyer (links), ihr Ehemann Florian (Zweiter von rechts) und Tochter Maira mit Sprengmeister Clemens Stolte. Foto: Michael Gründel

Da es nun bereits Nachmittag war und seit der Überprüfung des Evakuierungsgebietes durch rund 150 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei und Technischem Hilfswerk (THW) viel Zeit vergangen war, forderte Stolte ein weiteres Mal den Polizei-Hubschrauber an, der noch einmal mit einer Wärmebildkamera überprüfen sollte, ob das Gebiet weiterhin menschenleer war. Doch der angeforderte Hubschrauber war nicht einsatzbereit, deshalb musste ein anderer aus Rastede im Landkreis Ammerland kommen. „Wir hätten zwei oder drei Stunden früher fertig sein können“, sagte Stolte.

Halteraner warteten geduldig

Daher detonierte der zweite Blindgänger erst gegen 18.50 Uhr am Abend, somit rund zehneinhalb Stunden, nachdem die Halteraner ihre Häuser verlassen hatten. Diese warteten geduldig, bis die Evakuierung aufgehoben wurde.

Dann wollte viele den Bombenkrater sehen. Für Stolte war es am Dienstag womöglich nicht nur sein längster, sondern auch sein letzter Einsatz in der Region Osnabrück: In 100 Tagen geht er in Rente.


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