Ordnungsausschuss tagt Haus St. Marien in Belm stellt neues Pflegekonzept vor

Von Christina Halbach, 10.09.2018, 14:52 Uhr
Die Belmer Pflegeeinrichtung Haus St. Marien setzt derzeit ein neues Pflegekonzept um. Foto: Oliver Berg/dpa

Belm. In der Belmer Pflegeeinrichtung Haus St. Marien entsteht aktuell eine Pflegeoase mit acht Plätzen. Pflegedienstleiter Christian Berdelsmann stellte das Konzept, das sich an Bewohner mit hohem Pflege- und Betreuungsbedarf richtet, in der jüngsten Sitzung des Ordnungsausschusses vor.

Einsamkeit stellt in Pflegeheimen für bettlägerige Patienten mit starker Demenz und nur noch geringen verbalen Fähigkeiten oft ein großes Problem dar: Die Besuche von Angehörigen nehmen ab, für regelmäßige Beschäftigungsangebote fehlt dem Personal die Zeit. Zugleich löst das regelmäßige Betreten des Zimmers von Pflegern und Reinigungskräften Stressreaktionen bei den Bewohnern aus. Dort setzt das Konzept der Pflegeoase an: Wie in einer Wohngruppe leben acht Bewohner in einem Raum und werden dabei von Pflegekräften betreut, die rund um die Uhr präsent sind. Auch das Haus St. Marien hat die Idee der Pflegeoase, die seinerzeit in der Schweiz entwickelt wurde und bereits seit einigen Jahren in deutschen Pflegeeinrichtungen umgesetzt wird, überzeugt. „Die Lebensqualität der älteren Menschen wird gesteigert, weil die individuellen Bedürfnisse stärker berücksichtigt, Isolation vermieden und Veränderungen stärker berücksichtigt werden können“, meint Berdelsmann.

253 Quadratmeter großer Raum

So entsteht derzeit im Dachgeschoss von St. Marien ein 253 Quadratmeter großer Raum mit acht Pflegeplätzen, einer zentralen Tischgruppe, Küchenzeile sowie einer Sitzecke, der als Rückzugsraum für Angehörige dienen soll. 500.000 Euro hat die Pflegeeinrichtung für den Umbau in die Hand genommen. Jedem Bewohner wird ein Bereich von 31,5 Quadratmeter zur Verfügung stehen. Mobile Stellwände sollen Privatsphäre vermitteln und können etwa als Fläche für Fotos von Kindern und Enkeln genutzt werden. Angrenzend wird es außerdem Arbeits- und Pflegeräume sowie eine 29 Quadratmeter große barrierefrei erreichbare Terrasse geben, so dass die Bewohner problemlos in ihren Betten an die frische Luft geschoben werden können.

Stress durch Geräusche

Trotz der bedürfnisorientierteren Betreuung müssten die Bewohner nicht mit höheren Kosten rechnen, erläuterte Berdelsmann weiter auf Nachfrage von CDU-Ratsfrau Anja Knoostmann. Allerdings stehe die Aufnahme in die Pflegeoase aktuell nur Bewohnern aus dem Haus offen. SPD-Ratsherr Hartmut Stagge merkte außerdem kritisch an, dass Geräusche von Mitbewohnern und Besuchern nicht ebenso Stress bei den Patienten auslösen könnten. "Lautierende“ Bewohner, räumte Berdelsmann ein, seien tatsächlich ein Faktor, den die Pflegeleitung im Auge behalten müsse: „Das kann nicht sein, dass andere Bewohner durch Dauerbeschallung gestört werden. Darauf müssen wir bei der Auswahl achten und auch zurückverlegen, wenn es nicht funktioniert.“ Grundsätzlich wurde das Konzept der Pflegeoase von allen Fraktionen wohlwollend aufgenommen. Bürgermeister Viktor Hermeler stellte fest: „Ich finde das sehr positiv, dass wir hier etwas Neues ausprobieren. Ich glaube, dass das den Bedürfnissen der Menschen mehr entgegenkommt“.

Die Betreiber gehen davon aus, dass der Umbau bis Ende des Jahres abgeschlossen ist. Nur wenige Monate später sollen die ersten Patienten in der Pflegeoase einziehen: „Wir hoffen, dass wir im Frühjahr an den Start gehen könnte“, kündigte Schwester Hanna vom Haus St. Marien an.

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