Belmer Integrationswerkstatt feiert 20-jähriges Bestehen Festakt und Tag der offenen Tür zum Jubiläum

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Freuen sich über das 20-jährige Jubiläum der Belmer Integrationswerkstatt v.l. Gerhard Wienken (BIW-Geschäftsführer), Sigrun Rindt (Stellvertretende BIW-Geschäftsführerin) und Bürgermeister Viktor Hermeler im Garten des Sägewerkes an der Lindenstraße                                Foto: Christina HalbachFreuen sich über das 20-jährige Jubiläum der Belmer Integrationswerkstatt v.l. Gerhard Wienken (BIW-Geschäftsführer), Sigrun Rindt (Stellvertretende BIW-Geschäftsführerin) und Bürgermeister Viktor Hermeler im Garten des Sägewerkes an der Lindenstraße Foto: Christina Halbach

Belm. Seit 20 Jahren setzt sich die Belmer Integrationswerkstatt (BIW) für die berufliche und soziale Integration von Schülern, Jugendlichen und Erwachsenen ein. Das Jubiläum wird in der kommenden Woche mit einem Festakt und Tag der offenen Tür gefeiert.

„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“, heißt es über dem Eingang des alten Belmer Sägewerkes an der Lindenstraße, wo die BIW seit 2003 beheimatet ist. Das Zitat Erich Kästners ist Leitbild der Einrichtung, die 1998 gegründet wurde, um seinerzeit jugendlichen Aussiedlern einen Zugang zur deutschen Gesellschaft und Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verschaffen: „Wir hatten einen Migrationsanteil von 70 Prozent und waren sozialer Brennpunkt“, erinnert sich Sigrun Rindt im Gespräch rund um den 20. Geburtstag. Die ehemalige Grundschullehrerin hat das Projekt mit der Gemeinde Belm und der Kreisvolkshochschule als Partner von Anfang an vorangetrieben. Am ersten Standort der BIW, einer ehemaligen Fabrikhalle an der Industriestraße, entwickelte sich das erste Projekt: Angeleitet von Tischlern, Malern und Schneidern nahmen die ersten acht Teilnehmer vormittags den Umbau in Eigenregie vor, am Nachmittag standen Sprachkurse und der Erwerb des Haupt- oder Realschulabschlusses auf dem Programm. Das BIW-Konzept ging auf und machte auch über die Landesgrenzen von sich reden: Bereits 2002 erhielt die BIW eine Auszeichnung für vorbildliche Integrationsarbeit aus der Hand des damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau, 2005 folgte eine weitere. Auch die Zahl der Angebote wuchs, was 2003 die Gründung eines Trägervereins unter anderem mit der Gemeinde Belm als Mitglied notwendig machte, um die Arbeit der BIW auf sichere Füße zu stellen. Im selben Jahr erfolgte der Umzug ins alte Sägewerk, das Teilnehmer und Mitarbeiter zuvor über einen Zeitraum von fünf Jahren aufwendig saniert und umgebaut hatten.

Seitdem haben sich die Zeiten geändert: Bereits seit rund zehn Jahren sehen sich die Verantwortlichen mit anderen Problemen konfrontiert: „Die Aussiedler sind mittlerweile angekommen“, erläutert Gerhard Wienken, der 2014 als Geschäftsführer auf Sigrun Rindt folgte, die seitdem als dessen Stellvertreterin tätig ist. Entscheidend seien nicht mehr die Herkunft, sondern multiple Probleme der Teilnehmer wie fehlende Schulabschlüsse, psychische Erkrankungen, Schulden, Erfahrungen mit weichen Drogen oder mangelnde Motivation. Dem begegnen die Angebote der BIW auf vielfältige Weise. Eine wichtiger Baustein dabei sind vor allem Kurse zum nachträglichen Erwerb des Hauptschulabschlusses. Daneben bietet ein Team von 17 Mitarbeitern sozialpädagogische Beratung und Berufsorientierung, vermittelt Betriebskontakte sowie Praktikums-, Ausbildungs- und Arbeitsplätze. Seit 2007 ist die BIW selbst Ausbildungsbetrieb für Berufe im Textilgewerbe und Gastgewerbe. Weitere praktische Erfahrungen können die Teilnehmer im Garten- und Landschaftsbau auf dem Gelände sammeln.

Gerhard Wienken ist sich bewusst, dass auch die besondere Atmosphäre des alten Sägewerkes zum Erfolg der BIW beiträgt: „Das ist ein Kleinod in der Gemeinde Belm. Die Jugendlichen fühlen sich wohl und kommen gerne her.“ Kollegin Rindt wird zum 1. September in den Ruhestand gehen, ihr Nachfolger weiterhin die Geschicke der BIW lenken. Was motiviert ihn und sein Team, jedem Teilnehmer aufs Neue ein Partner auf dem Weg in Beruf und Gesellschaft zu sein? „Das ist jedes Mal die Abschlussfeier mit den Jugendlichen“, antwortet Wienken ohne lange zu überlegen. „Egal, ob es acht oder 15 sind. Für die, die da stehen, hat es sich gelohnt.“ Trotz Förderung aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds, über die MaßArbeit des Landkreises und der Gemeinde Belm, um nur einige zu nennen, sei alljährlich die Finanzierung der Projekte eine Rechnung mit vielen Unbekannten: „Ich würde mir verlässlichere Strukturen für die Finanzierung wünschen“, betont Wienken. Jeder einzelne Jugendliche sei es wert, entsprechend seinen Stärken gefördert zu werden.

Das Erreichte soll zunächst am Dienstag, 21. August, mit einem Festakt gefeiert werden. Neben Bürgermeister Viktor Hermeler und Landrat Michael Lübbersmann hat auch Ministerpräsident Stephan Weil sein Kommen angekündigt. Am Sonntag, 26. August, öffnet die BIW von 14 bis 17 Uhr seine Tore für die Öffentlichkeit: Ehemalige Teilnehmer, Mitarbeiter und Kooperationspartner sind eingeladen, gemeinsam das Jubiläum zu feiern. Sigrun Rindt betont außerdem: „Wir möchten vor allem die Belmer Bürger einladen, die die BIW noch nicht kennen.“ Gesorgt sei für ein unterhaltsames und informatives Programm: Neben Hausführungen werden Fahrten zum Trockenmauer-Projekt am Grambergweg in Haltern angeboten, eine Tombola lockt mit attraktiven Preisen und die Jugendband der Christuskirche wird mit aktuellen Songs für musikalische Begleitung sorgen. Auch Kinder sollen bei verschiedenen Mitmachaktionen wie Stangengolf, Holzscheiben-Spiel und einem Fallparcours auf ihre Kosten kommen. Mit Waffeln, Kuchen und Würstchen sorgen die BIW-Mitarbeiter außerdem dafür, dass kein Besucher das Sägewerk hungrig verlassen wird.


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