Schlaganfallpatient braucht Therapie Der lange Weg eines Belmers bis zur Rehabewilligung

Meine Nachrichten

Um das Thema Belm Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Die Bewilligung für die stationäre Reha-Maßnahme ist da. Darüber freuen sich Beate und Theodor Krützkamp mit Hündin Bonnie. Foto: Thomas OsterfeldDie Bewilligung für die stationäre Reha-Maßnahme ist da. Darüber freuen sich Beate und Theodor Krützkamp mit Hündin Bonnie. Foto: Thomas Osterfeld

Belm. Im März 2016 hat Theodor Krützkamp einen Schlaganfall erlitten und ist seitdem körperlich stark eingeschränkt. Um weitere Fortschritte zu machen, braucht er dringend eine stationäre Reha. Die Bewilligung der Deutschen Rentenversicherung ließ aber lange auf sich warten.

Theodor Krützkamp war Projektleiter und viel unterwegs. Früher spielte der heute 56-Jährige Wasserball und betätigte sich sportlich. Dann hatte er seinen Schlaganfall. Seitdem ist seine rechte Seite gelähmt.

Als er aus dem Krankenhaus entlassen wurde, absolvierte er motiviert eine ambulante Reha. "Ich habe dort einen dicken Arm bekommen", sagt er und zeigt seinen muskelbepackten linken Arm. Denn seinen Rollstuhl kann er nur mit einem Arm bewegen. Mit vielen Therapien hat er es geschafft, dass er heute sogar mit Hilfe einer Orthese, einem unterstützenden Hilfsmittel, gehen kann – und er will weitere Fortschritte machen.

Die alltäglichen Dinge des Lebens

Doch laut „Frühreha-Barthel-Index" – eine Skala, die den Zustand nach dem Schlaganfall einstuft – befindet er sich noch im oberen Bereich von Phase B. Er soll aber Phase C erreichen. Das bedeutet, erklärt seine Frau Beate, dass er die alltäglichen Dinge des Lebens eigenständig erledigen kann. In einer stationären Reha sollte er eigentlich soweit fit gemacht werden. Doch die konnte er lange Zeit nicht antreten.

Wer aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage ist zu arbeiten, der kann einen Antrag auf eine Rehabilitationsmaßnahme bei der Rentenversicherung stellen, erklärt Gundula Sennewald von der Pressestelle der Deutschen Rentenversicherung. Sie ist der zuständige Leistungsträger für alle, die im Erwerbsleben stehen, insbesondere für die Beschäftigten. 

Falsche Therapie

Deshalb hatte Theodor Krützkamp auch die Reha bei der Deutschen Rentenversicherung beantragt. Die hatte ihm diese zwar bewilligt, allerdings eine falsche. Das Ehepaar war im Februar 2018 in eine Rehaklinik gefahren, denn dort sollte er die stationäre Therapie absolvieren. Als sie jedoch auf der Station ankamen, stellten sie fest, dass Theodor Krützkamp dort nicht bleiben konnte. Es fehlte unter anderem ein Pflegebett, das er aber benötigt. Auch die Ärzte schätzten es so ein, dass er für die falsche Therapie angemeldet war. Sie waren davon ausgegangen, dass er bereits Phase C erreicht hatte, was jedoch nicht der Fall war. Ohne eine Bewilligung der Rentenversicherung konnte er aber auch nicht auf eine andere Station verlegt werden. Unverrichteter Dinge fuhren Krützkamps wieder nach Hause.

Ein halbes Jahr warteten sie auf eine neue Reha – zunächst vergeblich. Mehrfach hat Beate Krützkamp bei der Versicherung angerufen. Sie schalteten ihren Rechtsanwalt Dieter Ewering ein, der einen einen Brief schrieb. Bis Juni blieb der unbeantwortet. Dann drohte er mit einer Untätigkeitsklage und wenige Tage später kam eine schriftliche Entschuldigung. Die Bewilligung für die Reha sollte nun zügig eintreffen, das jedenfalls versprach man Ewering am Telefon.

Endlich bewilligt

Und tatsächlich: Während der Recherchen und nach Anfragen bei der zuständigen Pressestelle, kam endlich die langersehnte Bewilligung. "Dem Versicherten Theodor Krützkamp wurde nunmehr nach nochmaliger ärztlicher Prüfung die gewünschte und benötigte Reha-Maßnahme  bewilligt", schrieb Gundula Sennewald auf Nachfrage der Redaktion. Ein Bescheid mit Datum vom 31. Juli 2018 sei an den Bevollmächtigten von Theodor Krützkamp übersandt worden. Bereits wenige Tage danach, konnte er die Reha antreten.

Die Versicherung erklärte, dass die eigentlich ausgewählte Klinik Schlaganfallpatienten in den Phasen A bis F behandelt. "Weshalb sie unseren Versicherten nicht behandeln konnte, lässt sich nicht eruieren", so Sennewald. Der konkrete Vorfall werde noch ausgewertet. Verzögerungen ergaben sich bei der weiteren Bearbeitung des Antrages, da der Entlassungsbericht der Klinik erst fast vier Wochen später eintraf. "Für den misslichen Verlauf des Antragsverfahrens im Fall Theodor Krützkamp möchten wir uns im Nachhinein entschuldigen."

Leider ist es fast die Regel.Dieter Ewering, Rechtsanwalt

Laut Anwalt Dieter Ewering sei Theodor Krützkamp kein Einzelfall, wenn es bei ihm auch eine extreme Situation gewesen sei. Allerdings seien lange Wartezeiten keine Seltenheit, sagt Ewering, der immer wieder Mandanten in solchen Fällen vertritt: "Leider ist es fast die Regel."

Die Zeit von der Antragstellung bis zur Entscheidung sei von verschiedenen Faktoren abhängig, erklärt Sennewald. Die Versicherung sei von Gesetzes wegen verpflichtet, jeden Einzelfall individuell zu prüfen. Vorliegen müssten insbesondere aussagekräftige medizinische Unterlagen. Sofern eine sofortige Entscheidung noch nicht möglich sei, müssten weitere Unterlagen angefordert werden. Die Bearbeitungszeit richte sich danach, welche Ermittlungen noch erforderlich sind. "Unser Ziel ist es, über Anträge möglichst schnell zu entscheiden und den Betroffenen die erforderlichen Leistungen zügig zukommen zu lassen", betont die Sprecherin. Betroffene könnten sich mit Rückfragen zu ihren Anträgen und zum weiteren Prozedere jederzeit an die Deutsche Rentenversicherung Bund wenden.

Beate und Theodor Krützkamp freuen sich, dass sie endlich einen Bescheid in den Händen halten und er kurzfristig in eine Klinik kann. Er will Phase C schaffen und noch eigenständiger werden. "Das gibt ihm auch Lebensqualität", sagt seine Frau.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN