Hof Klemann hat mobilen Hühnerstall Vehrter Eier für den Vehrter Dorfladen

Von Nina Strakeljahn

Wenn es Futter gibt, strömen Hühner und Ziegen zu Carolin und Timo Klemann. Foto: David EbenerWenn es Futter gibt, strömen Hühner und Ziegen zu Carolin und Timo Klemann. Foto: David Ebener

Belm. Auf dem Hof Klemann sind im April 234 Hühner in einen mobilen Stall eingezogen und die legen fleißig Eier. Diese werden im Vehrter Dorfladen verkauft. Die Geschichte einer lokalen Vermarktung.

Wenn es Futter gibt, strömen alle Hühner und die sieben Hähne herbei. Da zanken sich auch schon einmal zwei um die Körner, obwohl Carolin (27)  und Timo Klemann (31) genug für alle haben – sogar für die sechs Ziegen. Die umringen Timo Klemann, denn er hält die Schaufel mit dem Futter in der Hand.

234 Hühner leben in dem mobilen Hühnerstall. Foto: David Ebener

234 Hühner leben seit April in dem mobilen Hühnerstall auf den Grünflächen des Vehrter Hofes, der außerdem eine Milchkuh- und Bullenmast hat sowie Ackerbau betreibt. Seit 1650 besteht der Wieboldsche Hof bereits. 1938 übernahm ihn die Familie Klemann. Carolin Klemann, die Landwirtschaft studiert, wird ihren Elternhof übernehmen. 

Sie wollte noch mehr Vielfalt auf dem Hof und entschied sich für den mobilen Hühnerstall. Ihr war es wichtig, dass die Hühner Auslauf haben und nicht im Stall eingesperrt sind. Das gilt auch für die Kühe, die täglich auf die Weide kommen. Der mobile Stall habe den Vorteil, dass er weitertransportiert werden kann und die Hühner so regelmäßig frisches Grün haben.

Die Hühnerstange ist im oberen Bereich angebracht. Darunter gibt es ein "Kotband", dass das Ausmisten erleichtert. Foto: David Ebener

Tagsüber können sich die Tiere frei bewegen, sich entweder draußen oder im Stall aufhalten. Im unteren Teil ist der Auslauf, oben sind die Hühnerstangen untergebracht. Unter den Hühnerstangen ist ein "Kotband" installiert. Das erleichtere das Saubermachen, sagt Timo Klemann, der als Maschinenbauer arbeitet. Im oberen Teil des Wagens gibt es auch eine Futterstation.

Die Eier können einfach entnommen werden. Foto: David Ebener

Außerdem ist eine extra Reihe abgetrennt, in der Hühner es sich gemütlich machen können, um ihre Eier zu legen. Betrieb herrscht dort vor allem morgens und mittags, erklärt Carolin Klemann. Am Nachmittag legen nur ein paar Nachzügler dort noch Eier.

Die Hühner bewachen ihre Eier und die der anderen. Foto: David Ebener

Die Nacht verbringen die Hühner in dem autarken Stall, der eine eigene Strom- und Wasserversorgung hat. Wenn es dämmert, geht automatisch Licht an. Eine Stunde nach Sonnenuntergang gehen die Seitenklappen zu und die Hühner können nicht mehr heraus.

Die Hühner der Rassen Braune Warren und Schwarze Bovans leben nicht alleine in der eingezäunten Wiese. Sechs Ziegen haben dort ihr Zuhause gefunden. Sie beschützen die Hühner – aber nicht vor dem Fuchs. "Den kann man auch anders abhalten", sagt Timo Klemann. Der Feind der Hühner kommt von oben, es ist der Habicht. Wenn der jedoch größere Tiere wie die Ziegen sehe, die sich schnell bewegen, dann fliege er weiter, erklärt Timo Klemann. 

Die Ziegen beschützen die Hühner vor dem Habicht. Foto: David Ebener

Deshalb hat Carolin Klemann zwei trächtige Ziegen gekauft, die kurz darauf jeweils zwei Zicklein zur Welt brachten. Seither leben Hühner und Ziegen friedlich nebeneinander und teilen sich das Grün. Während die Hühner eher das weiche Grün picken, fressen die Ziegen auch die Stängel.

Die Klemanns haben eine Eierhütte für die Eiern aus dem mobilen Hühnerstall gebaut. Foto: David Ebener

Seit April verkaufen Klemanns die Eier in einer dafür gebauten Eierhütte. Die Kunden können sich selbst bedienen und das klappe auch ganz gut, sagt der 31-Jährige. Die Leute seien ehrlich.

Mit dem Dorfladen hat der Hof nun einen Abnehmer für die Eier. Der Weg bis dahin war allerdings nicht ganz leicht. Denn wenn die Eier außerhalb des Hofes verkauft werden, müssen sie eine Stempel bekommen. Außerdem werden die Eier sortiert und verpackt. Der Raum dafür müsse abgenommen werden, erklärt Carolin Klemann.

Die Eiersortiermaschine stammt von 1977 und gehörte dem Großonkel von Carolin Klemann. Foto: David Ebener

Den Stempel haben die beiden nun erhalten. Außerdem hatten sie Glück: Bei 234 Hühner lohnt sich die Anschaffung einer neuen Eiersortiermaschine eigentlich nicht. Aber Carolin Klemanns Großonkel hatte früher ebenfalls Hühner. Die Eiersortiermaschine von 1977 war noch funktionstüchtig.

Im Packraum im Keller verrichtet sie nun zuverlässig ihren Dienst, nachdem sie neu geeicht wurde. Die Eier werden dabei nach Gewicht in XL, L, M und S sortiert. Dafür werden sie in einer Reihe hineingelegt. Sie rollen auf die Halterung. Ist das Ei schwerer als beispielsweise das Gewicht für XL, rollen sie auf die entsprechende Bahn. Sind sie leichter, geht es zum nächsten Gewicht.

An diesem Stempel erkennt man die Vehrter Eier. Foto: David Ebener

Die Eier werden verpackt und bekommen per Hand den Stempel für Freilandhaltung, dafür steht die 1. Das DE steht für Deutschland und die 03 für Niedersachen. Dahinter folgt die Hofnummer. Regelmäßig werden die Eier in den Vehrter Dorfladen geliefert. "Ich freue mich, dass wir Dinge verkaufen können, die im Dorf produziert werden", sagt Inge Drachenberg vom Vorstand des Vereins.

Der mobile Hühnerstall gefällt Timo Klemann gut. Foto: David Ebener



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