Jürgen Blaue lebt in altem Bauernhaus Wie ein Belmer seit vielen Jahren in seinem Haus Energie spart

Von Nina Strakeljahn

Der "überzeugte Europäer" Jürgen Blaue setzt auf seinem Grundstück in Belm nicht nur Maßnahmen für den Klimaschutz um, sondern hat als Reaktion auf den Brexit auch eine englische Telefonzelle nachgebaut, neben der eine Europafahne weht. Foto: David EbenerDer "überzeugte Europäer" Jürgen Blaue setzt auf seinem Grundstück in Belm nicht nur Maßnahmen für den Klimaschutz um, sondern hat als Reaktion auf den Brexit auch eine englische Telefonzelle nachgebaut, neben der eine Europafahne weht. Foto: David Ebener

Belm. Er heizt mit Hartholzbriketts mit dem Namen Molli. Als die ersten LED-Leuchten auf den Markt kamen, rüstete er um. Aus Grünflächen hat er einen naturnahen Garten gemacht, in dem ihn manchmal Rehe besuchen. Der Belmer Jürgen Blaue verwirklicht auf seinem Grundstück Maßnahmen für den Klimaschutz.

Seine Überzeugung vertritt der 60-Jährige nicht nur als Grünen-Mitglied im Belmer Gemeinderat, sondern auch zuhause. Der Hauptteil des Bauernhauses, in dem Jürgen Blaue lebt, ist bereits um 1800 errichtet worden. Vor 30 Jahren zog er ein und begann fünf Jahre später, es umzubauen. "Es sollte aussehen wie vorher", sagt er. Bei der Sanierung sorgte Blaue dafür, dass es sehr gut isoliert wurde. So geht auch nur wenig Energie verloren, erklärt er. Vieles hat er in Eigenleistung gemacht.

Der Hauptteil des Bauernhauses ist mehr als 350 Jahre alt. Nach der Sanierung ist es gut isoliert. Foto: David Ebener


Blaue ist auf einem Bauernhof aufgewachsen. Er war immer viel in der Natur. Für ihn sei es selbstverständlich gewesen, mit den Tieren auf dem Hof zusammen zu leben. Genauso selbstverständlich ist es für ihn, das auch in seinem eigenen Haus umzusetzen und an die Zukunft zu denken. Ihm war es bei der Umgestaltung seines Hauses und des Geländes daher wichtig, "der Natur ein Stück zurück zu geben" und sie zu schützen.

Jürgen Blaue kocht auf seinem Ofen. Foto: David Ebener

In seinem Haus heizt er mit dem Ofen, aber nicht mit Holz, sondern mit Hartholzbriketts, die bei 350 Bar gepresst worden sind. Dadurch entstünden weniger Ruß und Ablagerungen. Er beheizt vor allem die Räume, in denen er sich auch aufhält. Mittlerweile besitzt er auch einen Ofen, mit dem er kocht.


Die Hartholzbriketts sorgen für Wärme. Foto: David Ebener


Doch ganz ohne Elektrizität kommt auch Jürgen Blaue nicht aus. Für Haushaltsgeräte wie eine Waschmaschine oder auch warmes Wasser braucht er Strom. Dafür setzt er aber auf regenerative Energiequellen wie Wind und Sonne. Eine Photovoltaikanlage hat er nicht, weil er sie nicht auf seinem Dach haben will. Allerdings denkt er über eine irgendwo im Garten nach. Beim Kauf seiner Elektrogeräte wählt er außerdem, die beste Energieeffizienzklasse.

Plötzlich kam der Stromversorger

Als die ersten LED-Leuchten auf den Markt kamen, hat Blaue sein Haus umgerüstet – wohl früher als viele andere. Irgendwann meldete sich nämlich sein Stromversorger und wollte sein Haus kontrollieren. Dem sei es komisch vorgekommen, dass der Stromverbrauch so stark gesunken sei. Erst als Blaue sagte, er solle sich die Lampen im Haus anschauen, wurde dem Mitarbeiter klar, dass die LED-Leuchten der Grund waren.

Sein Teich ist von Wald umgehen. Foto: David Ebener

Auch seinen Garten überlässt Blaue zum Großteil der Natur. Er pflanzte vor Jahren Bäume, die mittlerweile zu einem kleinen Wald herangewachsen sind. Totholz lässt er liegen. Auch ein Teich ist angelegt – allerdings ohne Folien oder ähnliches. Daran zeige sich auch die Grundwasserproblematik, erklärt er. Manchmal falle der Teich trocken, das sei früher nicht der Fall gewesen. In diesem kleinen Waldstück fühlen sich viele Tiere heimisch. Vögel, Insekten oder auch Rehe beobachtet der Belmer dort.

In einem anderen Teil des Gartens wachsen Kräuter und Gemüse. Foto: David Ebener

In einem anderen Teil seines Gartens baut seine Mutter Gemüse an. Kräuter haben ebenfalls Platz und sein neuestes Projekt ist ein Hochbeet. Um sich mit dem Gemüse komplett selbst zu versorgen, dafür reicht es aber nicht. Das ist auch nicht sein Ziel. Eier hat er hingegen genug, denn auch Hühner leben auf dem Gelände. Blaue versucht außerdem, auf Verpackungen zu verzichten. Seine gelbe Tonne ist nicht oft voll.

Der Garten bietet vielen Insekten Nahrung. Foto: David Ebener

Wer Jürgen Blaue besucht, dem dürfte vor allem eines auffallen: die rote Telefonzelle. Sie ist den typisch britischen nachempfunden, allerdings von Blaue selbst gebaut. Mit Naturschutz oder Energiesparen hat die jedoch gar nichts zu tun. Blaue, der sich als "überzeugten Europäer" bezeichnet, war so entsetzt über den Brexit, dass er ein Zeichen setzen wollte. Er baute die Telefonzelle, die mit Brexit beschriftet ist. Im Inneren befindet sich tatsächlich ein Telefon sowie typische England-Accessoires. Neben der Telefonzelle weht die Europaflagge.

Als Reaktion auf den Brexit, baute Jürgen Blaue eine englische Telefonzelle nach. Foto: David Ebener



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