Kampf den Blattläusen Bohmter Hof Frese baut Knollen für Pommes und Chips an

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Bohmte. Angela und Jens Holger Frese sind freundliche Menschen. Und doch haben sie Feinde. Die sind zwar winzig klein, richten aber ihre Attacken gegen die betriebliche Existenz des jungen Ehepaares aus Bohmte-Herringhausen. Die Freses sind Pflanzkartoffel-Vermehrer, ihre Feinde sind Blattläuse.

3000 Arten sind weltweit bekannt, in Mitteleuropa etwa 850. Die kleinen Schädlinge verbreiten sich gerade jetzt wie aus heiterem Himmel. Auf 40 Hektar betreiben die Freses die Pflanzkartoffeln-Vermehrung. In diesem Jahr sind es die Sorten Verdi, Allure, Stratos, Supporter und Saprodi, die als zertifiziertes Saatgut in den Handel kommen sollen. In Niedersachsen vermehren 332 Betriebe Pflanzkartoffeln auf einer Fläche von 6.411 Hektar. Mit seinen 40 Hektar gehört der Hof Frese zu den größeren dieser hoch spezialisierten landwirtschaftlichen Betriebe. Betreut werden die Vermehrer durch Züchterhäuser oder deren Lizenznehmer.

Pommes, Chips und Stärkeflocken

Als Auftragsanbauer hat sich der Hof Frese nicht für Speisekartoffeln, sondern für Industrieknollen entschieden, aus denen Pommes, Chips und Stärkeflocken entstehen. „Die Vorbereitung des Anbaus unterscheidet sich in nichts von der Speisekartoffel, allerdings werden die Pflanzkartoffeln deutlich enger gepflanzt und müssen ständig beobachtet werden,“ sagt Jens Holger Frese. Kranke Pflanzen müssen sofort entfernt werden, denn die von den Blattläusen übertragenen Viruserkrankungen verbreiten sich schnell und können verheerende Schäden anrichten.

Auf den Kartoffeläckern sieht man in diesen Tagen einsame Personen, die sich durch die buschig bewachsenen und inzwischen farbig blühenden Pflanzendämme arbeiten. So auch Angela (26) und Jens Holger Frese (38), die beide neben der landwirtschaftlichen Ausbildung eine Zusatzqualifizierung als Pflanzkartoffel-Selektierer absolviert haben. Viruserkrankungen zu erkennen, ist nicht ganz leicht.

Schadsymptome bei Knollen

Nach einer Infektion, ausgelöst durch den Stich der Blattläuse in die jungen Triebe, sickern die Viren bis in die Knollen. Aus infizierten Knollen entwickeln sich im folgenden Jahr Pflanzen mit Schadsymptomen wie Farb- und Formveränderungen an den Blättern, die Mosaikzeichnungen zeigen, sich tütenförmig einrollen oder kleinwüchsig bleiben. Je nach Virenart, Virusstamm und Kartoffelsorte treten verschiedene Krankheitssymptome auf, erläutert Frese.

„Meine Frau hat einen besseren Blick auf Schadsymptome als ich“, lobt der Landwirt. Die befallenen Pflanzen werden aus den Reihen entfernt. „Ich schaffe pro Stunde einen viertel Hektar“, erklärt er seinen Aufwand: „Ich habe in zehn Tagen um die 72 Kilometer auf dem Schrittzähler“. Die Arbeit auf dem Feld mit dem Bücken, dem Untersuchen und Herausrupfen der Pflanzen sei schwer und mit sehr viel Handarbeit verbunden. Die sorgfältige Sichtung der Reihe ist das A und O beim Selektieren, denn der Hof Frese kann nur zertifiziertes Saatgut in den Pflanzkartoffelhandel bringen. Fallen seine Früchte bei den scharfen Überprüfungen durch, werden sie als Saatgut verworfen. Das bedeutet Minderertrag. Der Landwirt versucht sie dann, für die industrielle Weiterverarbeitung zu verkaufen, doch die Preise gegenüber zertifizierten Pflanzkartoffeln unterscheiden sich deutlich.

Weitere Gefahren

Neben dem Befall der Blattläuse lauern weitere Gefahren. Unterschiedliche Bakterien können mit dem Pflanzgut geliefert werden. Deshalb kommt es auch da auf zertifizierte Qualität an. Das Bakterium Erwinia carotovora löst die Schwarzbeinigkeit und die Knollennassfäule aus, was die Pflanzen absterben lässt. Und dann gibt es noch die Pilzerkrankung Krautfäule, die ohne Behandlung große Schäden auslöst. Um keinen Befall mit Nematoden, den Fadenwürmern, aufkommen zu lassen, streben Freses einen möglichst großen zeitlichen Abstand zwischen den Pflanzungen auf der selben Fläche an.

Die Freses sind guter Hoffnung, 40 Tonnen Kartoffeln pro Hektar Ende September ernten zu können. Nach einer mechanischen Reinigung werden die Knollen in Kisten in einem Kühlhaus bei vier Grad bis zum Legen der Saatkartoffel Mitte April eingelagert. Bei der Einlagerung erfolgt auch die Sortierung. Pflanzgut soll zwischen 35 und 55, eventuell bis 60 Millimeter (mm) groß sein. Was nicht dieser Norm entspricht, geht in die Püreeherstellung (unter 28 mm). Bis 35 mm sind die Knollen als Drillinge im Handel. Und die Dicken (über 60 mm) wandern in die industrielle Verarbeitung zu Pommes und Chips. Der Anteil des nicht handelbaren Ausschusses? „Ich wünsche mir, deutlich unter 20 Prozent, aber steuerbar ist das nicht. Aber so ist eben Natur“, sagt Jens Holger Frese.


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