Vögel klauen Kühen die Leckerbissen Belmer Bauer mit Flatterband gegen Tauben im Sojabohnenfeld

Harlad Preuin

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Belm Christian Holtmeyer bietet seinen 50 Milchkühen Futter, das seine knapp 60 Hektar Acker- und Grünfläche hervorbringt. Im Sommer sind das die Weiden rund um den Hof in Belm-Haltern, im Winter neben Grassilage, Silomais, Raps- und Getreideschrot auch geschrotete Soja- und Lupinenbohnen. Im fünften Jahr baut Holtmeyer (33) nun schon die beiden ölhaltigen Pflanzen an.

Während andere Landwirte in Deutschland nur zögerlich an den Anbau der Eiweißfrucht aus Übersee herangehen, hat sich Holtmeyer einem Versuchsprojekt angeschlossen, der Teil der Eiweißpflanzenstrategie des Bundes ist und von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen eng begleitet wird. Holtmeyer ist einer der rund 50 Leuchtturmprojekte des deutschen Soja-Förderringes. Der Hof in Haltern steht für den konventionellen Anbau, unweit davon läuft auf dem Meyerhof in Belm der Versuch unter Bioanbaubedingungen.

Soja und Lupinen düngen sich quasi von selbst

Soja und Lupinen, die zu den Leguminosen zählen, holen sich den zum Wachstum erforderlichen Stickstoff aus der Luft und speichern ihn in Wurzelknöllchen im Boden. Auf diese Weise düngen sich Soja und Lupinen quasi von selbst. Wegen des hohen Eiweißgehaltes sind beide Arten für den Milchviehbetrieb von Christian Holtmeyer ideale Futterpflanzen.

Feucht-warmes Klima

Doch was in warmen Überseezonen wächst, hat es bei den Klimabedingungen unserer Region schwer. Sojabohnen benötigen ein feucht-warmes Klima, so wie es auch in Süddeutschland anzutreffen ist. Im Norden weniger, deshalb fallen die Erträge geringer aus.

Sojasorten Obelix und Merlin

In Belm-Haltern hat der Vollerwerbslandwirt auf jeweils eineinhalb Hektar Sojabohnen und blaue Süßlupinen gesät. Versuchsberater der Landwirtschaftskammer haben Holtmeyer die Sojasorten Obelix und Merlin zum Anbau nahegelegt. Das Saatgut ist für Landstriche gezüchtet worden, die von Sonne und Wärme weniger begünstigt sind. In den letzten vier Jahren gab es unterschiedliche Ernteergebnisse. Nach einem ermutigenden Start 2014 gab es im darauffolgenden Jahr einen Totalausfall, wie auf anderen Betrieben auch. Das beste Ergebnis fuhr Holtmeyer im Oktober des zurückliegenden Jahres ein. Es war die letzte Möglichkeit, dass die Bohnen vor der großen Regenphase geerntet werden konnten.

Ein Schwarm fällt ein

In diesem Jahr hofft Holtmeyer wieder auf ein gutes Ergebnis. Doch als die ersten Triebe sichtbar wurden, kamen Tauben angeflogen, für die das erste zarte Blattgrün ein Leckerbissen ist. „Die sind wie ein Schwarm eingefallen. Das waren über 100 Tiere“. Die jagdliche Schonzeit verbot dem 33-Jährigen den Abschuss. So verlegte er sich auf eine konventionelle Vergrämungsmethode, mit Strohpuppen, Stangen mit Plastiktüten und Winddrachen. Die gefräßigen Tauben hielt das nicht von ihrem Picknick ab, doch als Holtmeyer meterweise Flatterband spannt, war es vorbei mit Picken und Nicken.

Nackte Flächen

Dort, wo die Tauben zugeschlagen haben, haben sie nackte Flächen hinterlassen: „Die haben bestimmt einen halben Hektar Sojatriebe weggepickt“. Dabei bevorzugen sie nur die jüngsten Triebe. Lupinen scheinen den Tauben nicht so zu schmecken, ab und an trifft sich auf diesem Schlag aber Rehwild, doch die Verluste halten sich in Grenzen, urteilt Holtmeyer.

Gentechnikfreies Saatgut

Der Bedarf an eiweißhaltigem Futter ist besonders in der konventionellen Landwirtschaft groß. Die Sojaanbaufläche in Niedersachsen ist im letzten Jahr von 350 auf rund 480 Hektar angestiegen. Etwa 75 Prozent der Anbaufläche für Sojabohnen im Land werden von Ökobetrieben bewirtschaftet. Insgesamt hat der Sojaanbau in Deutschland mit mehr als 19000 Hektar einen historischen Höchststand erreicht, auf denen allerdings nur ein Prozent des jährlichen Bedarfs in Deutschland heranwächst. Für den vermehrten Anbau auf heimischen Äckern sprechen viele Faktoren, einer davon ist die Verwendung von gentechnikfreiem und zertifiziertem Saatgut.

Soja- und Lupinenbohnen lagert Holtmeyer ein. Wenn seine Milchkühe nicht mehr auf die Weide kommen, stellt er seine eigene Futtermischung aus Silomais, Grassilage und Rapsschrot zusammen, die mit dem Schrot der eiweißhaltigen Ölfrüchte vermischt werden. Die Kühe fischen mit ihren langen Zungen diesen Futteranteil schnell heraus: „Kühe sind halt Feinschmecker“, schmunzelt der junge Bauer.


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