„Alternativen im Futtertrog“ Gegen den Soja-Wahn: Radtour hält bei Belmer Meyerhof

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Viel zu zeigen hat Johann Schreiber vom Belmer Meyerhof den Mitgliedern der Aktion-Agrar-Radtour. Foto: Hendrik SteinkuhlViel zu zeigen hat Johann Schreiber vom Belmer Meyerhof den Mitgliedern der Aktion-Agrar-Radtour. Foto: Hendrik Steinkuhl

Belm. Dass 90 Prozent der weltweiten Sojaproduktion als Tierfutter endet, wissen die wenigsten. Regionale Alternativen für den Futtertrog sind gefragt, eine Radtour der „Aktion Agrar“ ließ sich unter anderem zu diesem Thema auf dem Belmer Meyerhof informieren.

Die Probleme, denen sich die Gesellschaft durch die Massentierhaltung ausgesetzt sieht, sind vielfach bekannt - von zunehmenden Resistenzen gegen Antibiotika durch deren hemmungslosen Einsatz in der Tiermast dürfte jeder halbwegs informierte Bürger schon einmal gehört haben.

Das Stichwort „Soja-Wahn“ hingegen ist ein Garant für große Augen und fragende Blicke. So erlebten es auch die 25 Teilnehmer der Radtour von „Aktion Agrar“, als sie am vergangenen Freitag die Osnabrücker in der Großen Straße auf dieses Thema ansprachen.

„Dass 90 Prozent der weltweiten Sojaproduktion im Futtertrog landet, war niemandem bewusst“, sagt Astrid Goltz vom Verein „Aktion Agrar“. Ebenso wenig bewusst war den Passanten, dass durch die gigantischen Sojafelder in Südamerika vielen Kleinbauern die Existenz entzogen wird oder dass massenhaft Pestizide ins Trinkwasser gelangen, die zu Missbildungen bei Kindern führen.

Um die angesprochenen Osnabrücker mit umfassenden Informationen zu versorgen, verteilten die Aktivisten Flyer zum Thema. Zuvor hatten sie sich bereits im Osnabrücker Eine-Welt-Laden über den Soja-Wahn und die Folge, vor allem für die Entwicklungsländer, ausgetauscht.

Insgesamt drei Tage dauerte die Radtour der vornehmlich jungen Aktivisten, die aus ganz Nordwestdeutschland, Berlin und sogar den Niederlanden kamen. Start war in Osnabrück, Endstation in Rehden, und am Samstagmorgen machten die Radfahrer Station auf dem Belmer Meyerhof.

In Empfang genommen wurden sie dort von Jungbauer Johann Schreiber, der neben seiner Arbeit auf dem elterlichen Hof gerade seinen Master an der Hochschule in Haste macht. Schreiber informierte die Besucher dann umfassend über Meyerhof und natürlich auch über das Thema Leguminosen. Was für den Laien nach einem gefährlichen Erreger klingt, ist der lateinische Ausdruck für Hülsenfrüchte.

„Leguminosen sind natürlich eine entscheidende Kultur für den Betrieb, denn sie sind die einzige Quelle, um aus der Luft Stickstoff in den Boden zu bekommen“, sagte Schreiber. Soja gehört zu den Leguminosen, die in der Tierfütterung auf dem Meyerhof allerdings praktisch keine Rolle spielen. „Unsere Tiere kriegen die eigentlich nur indirekt über Silage“, sagte Schreiber.

Für viele andere Landwirte sind Leguminosen als Protein-Lieferant allerdings notwendig. Aus den genannten Gründen sind Alternativen zum Soja-Import gefragt - eine ist der Soja-Anbau vor Ort. Johann Schreiber, der seine Bachelor-Arbeit zu diesem Thema geschrieben hat, hält das allerdings nur für beschränkt machbar. „Hier in unserer Lage ist es für Soja eigentlich schon zu kalt.“

Deutlich sinnvoller sind dagegen Ackerbohne oder die Süßlupine, die derzeit auch als pflanzliches Protein in der Küche einen großen Aufschwung erlebt. „Für die Humanernährung haben wir auch schon Lupine angebaut, die wurde dann zum Beispiel zu Joghurt verarbeitet.“

Neben Schreiber referierte auf der Meyerhof auch noch der Göttinger Eberhard Prunzel-Ulrich, Landwirt und Leiter des Projekts „Eiweißfutter aus Niedersachsen“. Um die Landwirtschaft auch fühlbar zu machen, machten die Radfahrer schließlich auch noch eine Tour über die Felder des Meyerhofes.


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