Vier junge Männer angeklagt Überfall in Bissendorf als „Kurzschlussreaktion“

Von Heiko Kluge

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Belm/Bissendorf. Vier junge Männer aus Osnabrück und Belm müssen sich derzeit wegen des Verdachts der räuberischen Erpressung vor dem Landgericht verantworten. Ihnen wird der Überfall auf eine Tankstelle in Bissendorf zur Last gelegt.

Am vergangenen 5. Dezember sollen die zwischen 18 und 23 Jahre alten Angeklagten gegen zwei Uhr nachts die Tankstelle überfallen haben. Zwei der jungen Männer betraten laut Anklage mit Sturmhauben maskiert den Innenraum der Tankstelle.

Kassierer bedroht

Einer der beiden soll eine geladene Gaspistole auf den Kassierer gerichtet haben, während der zweite den Mann aufgefordert haben soll, die Kasse zu öffnen.Nachdem sie den Kasseninhalt von 441,50 Euro in eine Plastiktüte gepackt haben sollen, sollen die beiden geflüchtet sein.

Das Fluchtauto stand etwa einen Kilometer von der Tankstelle entfernt auf einem Parkplatz. Alle vier Angeklagten räumten gleich zu Prozessbeginn ein, an dem Überfall beteiligt gewesen zu sein, betonten aber, dass die Gaspistole nicht geladen gewesen sei.

Als Motivation für das Unternehmen gaben zwei der Beschuldigten Geldprobleme an. Er habe in einer „Kurzschlussreaktion“ mitgemacht, erklärte der aus Belm stammende 19-Jährige, der bei dem Überfall als Fahrer beteiligt war. Sein Mandant sei von den anderen als letzter mit ins Boot geholt worden, habe von dem Plan nicht viel gewusst, aber trotzdem mitgemacht, erklärte dessen Verteidiger. „Er wollte nicht als Feigling dastehen.“

Die Tat sei im Vorfeld nur „grob geplant“ gewesen, sagte der Verteidiger des 23-Jährigen, der auf halbem Wege die Plastiktüte mit dem erbeuteten Geld übernommen und zum Auto gebracht hatte.

Sein Mandant habe aus Neugier mitgemacht, habe aber auch etwas von dem Geld haben wollen. „Aus heutiger Sicht kann ich gar nicht mehr sagen, warum ich da mitgemacht habe“, erklärte der 23-Jährige. Sein Mandant habe dem Kassierer der überfallenen Tankstelle ein Schmerzensgeld von 2000 Euro angeboten und die Hälfte des Betrages bereits bezahlt, so dessen Verteidiger.

Schnell festgenommen

Eigentlich sei geplant gewesen, dass der Fahrer alleine mit der Beute nach Osnabrück zurückfahren sollte, um für die Polizei weniger auffällig zu sein. Doch da er bereits auf dem Weg zum Wagen Polizeisirenen gehört habe, sei der 23-Jährige aus Panik mit in dem Wagen weg gefahren.

Die beiden jungen Männer gerieten allerdings schon nach wenigen Sekunden in eine Polizeikontrolle und wurden festgenommen. Ihre beiden Komplizen gaben an, sich zu Fuß nach Osnabrück durchgeschlagen zu haben, wo sie später festgenommen wurden.

„Im Nachhinein haben wir gemerkt, dass wir sehr sehr großen Mist gemacht haben“, sagte einer der Angeklagten. Sie hätten dem Kassierer keine Angst machen wollen. Drei der Angeklagten hatten sich seit ihrer Festnahme in Untersuchungshaft befunden.

Am Ende des zweiten Verhandlungstages setzte das Gericht auf Antrag der Verteidiger die Haftbefehle mit engmaschigen Meldeauflagen außer Vollzug. Dreimal wöchentlich müssen sich die drei Angeklagten nun bei der Polizei melden.


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