Erika Rosenthal derzeit alleine Belmer Seniorenbeirat sucht weitere Mitstreiter

Von Nina Strakeljahn

Belm: Interview mit Erika Rosenthal vom Seniorenbeirat. 26.02.2018, Foto: Gert WestdörpBelm: Interview mit Erika Rosenthal vom Seniorenbeirat. 26.02.2018, Foto: Gert Westdörp

Belm. Erika Rosenthal ist derzeit der Belmer Seniorenbeirat. Die 66-jährige gelernte Diplom-Chemikerin sucht deshalb Mitstreiter, die sie bei der Arbeit für die Einwohner, die älter als 55 sind, unterstützen.

Seit wann sind Sie im Seniorenbeirat?

So genau weiß ich das gar nicht mehr. Ich glaube, dass es gut vier Jahre her ist. Damals waren wir von der personellen Besetzung noch sehr gut aufgestellt, ich glaube, wir waren sechs Frauen. Ich bin ich als einzige übrig geblieben. Alles kann ich nicht machen, deshalb setze ich Prioritäten. Ich halte mir etwa zwei Tage die Woche für Seniorenarbeit frei.

Warum haben Sie sich für das Engagement im Seniorenbeirat entschieden?

Mir ging es arbeitsmäßig in meinem Leben immer recht gut. Ich wollte mich ehrenamtlich engagieren und bin der Auffassung, dass Senioren etwas für Senioren tun können und sollen.  Als ich ins Rentenleben eingestiegen bin, habe ich eine Ausbildung zur Gedächtnistrainerin und zur ehrenamtlichen Seniorenbegleiterin gemacht. Mir war klar, dass ich eine Gruppe für mehrere anbieten möchte. Ich habe einen regelmäßigen Seniorentreff ins Leben gerufen, der macht mir sehr viel Spaß. Ich organisiere in diesem Jahr erstmals regelmäßige Kinoveranstaltungen im Rathaus. Ich bemühe mich, interessante Sachen anzubieten. Was mir dieses Jahr wichtig ist, ist den zweiten Belmer Seniorentag zu organisieren. Wir haben vor zwei Jahren den ersten durchgeführt. Ein Lieblingsprojekt von mir ist auch der Wegweiser 55 plus.

Was sind die Aufgaben eines Seniorenbeirates?

Gegründet wurde der Seniorenbeirat 2005. Wir vertreten als Seniorenbeirat die Interessen der Generation 55 plus gegenüber Verwaltung und Politik, auch Organisationen und Vereinen. Weitere Aufgaben sind die Durchführung von seniorenrelevanten Veranstaltungen, die Förderung von Bürgerbeteiligung und Teilhabe, Informationen über seniorenspezifische Belange sowie Öffentlichkeitsarbeit. Wir wirken an regionalen Veranstaltungsreihen mit und bilden uns weiter. 

Was versteht man unter Seniorenpolitik?

Es gibt den sogenannten siebten Altenbericht der Bundesregierung. Darin beschäftigt sich ein großes Gremium mit der Situation der Senioren, auch unter dem Aspekt des demografischen Wandel. In Belm ist die Situation so, dass von 13.873 Einwohnern 5207 älter als 55 sind. Damit greift der demografische Wandel auch in Belm. Das bedeutet, steigender Bedarf an Unterstützung für Senioren, Kommunikation, Versorgung und Pflege. Wichtig ist, die Senioren an den Prozessen zu beteiligen, ihre Wünsche umzusetzen und so mit Verwaltung und Politik vernünftige Rahmenbedingungen für ein gesundes Älterwerden zu finden. Es geht darum, auf kommunaler Ebene die richtigen Weichen zu stellen. Da ergeben sich Schwerpunkte für mich: zukunftsorientierte Wohnformen, neue Wohnmodelle, einschließlich Umbau von Wohnungen, Bürgerbeteiligung und Teilhabe fördern. Hier spielt das Ehrenamt ganz stark mit rein. Ich wünsche mir einen Auf- und Ausbau von ehrenamtlichen Strukturen. Dazu gehört auch die Wertschätzung für das Ehrenamt.

Sie sind alleine der Beirat. Warum brauchen Sie Unterstützung? 

Seit Januar habe ich eine Frau gefunden, die den Seniorenbeirat verstärkt und ab März ein Mann. Ich hätte gerne ein Gremium von fünf bis sechs Mitgliedern als Seniorenbeirat, darunter jemanden, der mich bei der Öffentlichkeitsarbeit unterstützt. Denn wie kriegen wir die Leute von der Couch? Derjenige sollte sich auch um neue Medien kümmern. Wir bräuchten für die Gemeinde ehrenamtliche Seniorenbegleiter. Das ist eine Eins-zu-eins-Betreuung. Die schenken Zeit. Dann wäre es noch schön, wenn jemand die Fortbildung zum ehrenamtlichen Wohnberater absolvieren würde. Eine Idee wäre auch noch Nachbarschaftshilfe. Es gibt Kommunen, die haben ein Reparaturcafé. Das muss aber alles organisiert werden. Außerdem sollten noch weitere Begegnungsräume geschaffen und eine regelmäßige Sprechstunde angeboten werden.

Wer kann beim Seniorenbeirat mitmachen?

Jeder jeden Alters.

Warum sind Sie gerne Seniorin?

Das ergibt sich ja biologisch, dass man älter wird. Ich habe mich die letzten drei Jahre, bevor ich in Rente gegangen bin, damit beschäftigt, was dann ist. Ich war ein Workaholic. Für mich war das dann ein ganz neuer Lebensabschnitt. Und dann habe ich mir überlegt, was ich für Senioren tun kann. Senioren können schwierig sein, sind aber auch sehr dankbar. Das ist eine bunte Mischung. Jeder hat ein langes Leben, das ihn prägt. Das ist schon interessant und spannend. Ich lebe gerne als Seniorin. Nur das Lied "Mit 66 Jahren, fängt das Leben an", das stimmt natürlich auch nicht. Wer bis dahin nicht gelebt hat, der schafft es dann auch nicht mehr. Wichtig ist es, das man im Geist fit ist und sich beschäftigt. Ehrenamt ist eine Sache, die einen fordert und auch Spaß macht.

Was müsste sich in der Gemeinde noch für Senioren ändern?

Ich habe es sehr bedauert, dass ich im Rahmen der Kommunalwahl bei keiner Partei, die jetzt im Rat sitzt, das Wort Senioren gelesen habe. Man hat sich 2013 mit Belm und der demografische Wandel beschäftigt. Man hat auch einige Maßnahmen vorgeschlagen. Aber Fakt ist, das die Senioren nicht zu den zu fördernden Zielgruppen gehören. Das muss sich ändern. Dazu müssen den Gemeinden auch von der Bundespolitik Ressourcen zur Verfügung gestellt werden. Die Kommunen müssen sich mit dem Thema Senioren beschäftigen. Für mich ist der demografische Wandel auch ein Generationendialog. Wichtig ist noch die Gesundheitsvorsorge. Man sollte nicht nur zum Arzt gehen, wenn etwas ist, sondern auch präventiv. Es gibt zum Beispiel Kommunen, die einen Mittagstisch anbieten, damit die Senioren ausgewogen essen können.