Verbot auf Gemeindeflächen Glyphosat führt zu hitziger Debatte im Belmer Gemeinderat

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In Belm wird Glyphosat in Zukunft auf gemeindeeigenen Flächen verboten. Foto: Jens Büttner/dpaIn Belm wird Glyphosat in Zukunft auf gemeindeeigenen Flächen verboten. Foto: Jens Büttner/dpa

Belm. Die Belmer Grünen-Fraktion hat im Gemeinderat den Antrag gestellt, dass die Pachtverträge für gemeindeeigene Flächen geändert werden. Glyphosat soll nicht mehr verwendet werden dürfen. Das löste im Rat eine hitzige Debatte aus.

Schon in der Einwohnerfragestunde gab es nur das Thema Glyphosat. Mehrere Landwirte darunter der Vorsitzende des Belmer Landvolks, Richard Voß, wollten wissen, warum die Grünen Glyphosat verbieten wollen. Die Erklärung lieferte Günther Westermann in der Begründung des Antrags.


Er sagte, dass der Wirkstoff Glyphosat in seiner Anwendung als Totalherbizit im Verdacht stehe, krebserregend zu sein. Außerdem sei es inzwischen erwiesen, dass Glyphosat ein Wirkstoff sei, "der nachweislich die biologische Vielfalt in der Natur stört und letztendlich vernichtet." Dabei verwies er besonders auf das Insektensterben. Viele Belmer Landwirte würden bereits freiwillig auf Glyphosat verzichten. 

"Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen"

"Auch und besonders auf kommunalpolitischer Ebene haben wir eine große Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen", betonte er und appellierte an die Ratsmitglieder ohne Fraktionszwang abzustimmen. Viele Nachbargemeinden und die Stadt Osnabrück hätten ebenfalls bereits dem Verbot zugestimmt.


Kein Verständnis für den Antrag der Grünen hatte Frederik Langsenkamp (UWG), der selbst Agraringenieur ist. Zunächst sei Glyphosat nicht krebserregend, dass habe unter anderem das Bundesamt für Risikoforschung sowie viele weitere Institutionen in Studien belegt. Zwar sei auch die von den Grünen zitierte WHO-Studie nicht falsch, sie würde aber zeigen, dass viele Stoffen in übermäßigen Mengen toxisch seien, erklärte er.

"Da muss ich an Ihrer fachlichen Kompetenz zweifeln"

Er wehrte sich auch dagegen, dass Glyphosat die Bodenfruchtbarkeit beeinflusse. "Da muss ich an Ihrer fachlichen Kompetenz zweifeln", sagte er in Richtung der Grünen. Er erklärte auf Anfrage, dass bei der Behandlung des Bodens mit Glyphosat nur mit dem Grubber gearbeitet werde und somit nur fünf bis zehn Zentimeter in den Boden eingegriffen werde. Beim Verzicht auf Glyphosat müsse mit dem Pflug gearbeitet werden. Dadurch sei der Boden dann anfällig für Erosion.


Für den Einsatz von Glyphosat in Deutschland gebe es genaue Richtlinien, erklärte Langsenkamp. Es dürfe maximal zweimal im Jahr und auch nur in begrenzten Mengen genutzt werden. Außerdem würde es nur dann eingesetzt, wenn es notwendig sei. Glyphosat werde zwei Wochen nach der Ernte ausgebracht, wenn die ersten Unkräuter wachsen. Langsenkamp sagte, dass das Pestizid nur in Pflanzen, nicht aber in Tieren wirken und im Boden abgebaut würde. Mit der Frucht käme es nicht in Kontakt. Er appellierte an die Ratsmitglieder, gegen den Antrag zu stimmen.

"Kein Schaufensterantrag"

Bernhard Strootmann (CDU) hatte sich ebenfalls beim Amt für Risikobewertung informiert. Demnach helfe es den Insekten nicht, sei aber auch nicht schädlich. Er bezeichnete den Antrag der Grünen als "Schaufensterantrag", wogegen Westermann sich wehrte. "Es ist kein Schaufensterantrag." Für Berthold Uphoff war der Gemeinderat außerdem das falsche Gremium, um über das Thema zu entscheiden. Eigentlich sollten sich EU- oder Bundesebene damit beschäftigen. Das sah Jochen Becker (SPD) anders. Es sei auch eine symbolische Aussage, wenn man es auf den Belmer Flächen verbieten würde. 


Bürgermeister Viktor Hermeler fand ebenfalls, dass Glyphosat ein wichtiges Thema sei, das bereits in Brüssel kontrovers diskutiert wurde. Es gebe für beide Richtungen Argumente. "Ich bin dafür", sagte er und sprach sich damit für den Antrag der Grünen aus. Insgesamt werden von der Gemeinde derzeit fünf Hektar Ackerland und sieben Hektar Grünland verpachtet.

Öffentliche Abstimmung

Aufgrund der emotionalen Debatte beantrage Ulrike Szlapka (UWG) eine geheime Abstimmung. Dafür waren allerdings nur vier Ratsmitglieder und so wurde schließlich öffentlich abgestimmt.  Insgesamt sprachen sich 14 Ratsmitglieder für den Antrag der Grünen aus, acht waren dagegen, vier enthielten sich.


Begleitet wurde die Diskussion im Gemeinderat auch von Zwischenrufen aus dem Publikum. Auch nach der Abstimmung äußerten die anwesenden Landwirte laut ihren Unmut über die Entscheidung.


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