Kunstschnee für Hollywood Früherer Belmer hofft auf Oscars für Blade Runner 2049

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Belm. Wenn Sonntagnacht in Los Angeles die Oscars verliehen werden, könnte ein kleiner Teil des berühmten Filmpreises an einen früheren Belmer gehen. Denn Lucien Stephenson, der seine Jugend in der Gemeinde verbrachte, hat mit seiner Firma „Snow Business“ die Schnee-Szenen für den mehrfach nominierten Blade Runner 2049 inszeniert.

In der Schluss-Szene von Blade Runner 2049 schneit es auf Ryan Gosling herab, eine Schneeflocke fängt er sogar mit der Hand auf. Echt ist der Schnee nicht, er kommt aber auch nicht aus dem Computer. „Das ist im Prinzip eine Mischung aus Wasser und Spüli“, sagt Lucien Stephenson.

Der 48-jährige gebürtige Engländer verdient sein Geld mit Illusionen, und seit einigen Jahren arbeitet er auch für die größte Illusions-Industrie der Welt: Hollywood. Mit seinem Unternehmen Snow Business, das in Ladbergen sitzt, also genau zwischen Osnabrück und Münster, liefert er Kunstschnee für praktisch alle Hollywood-Produktionen, die auf dem europäischen Kontinent gedreht werden.

Schon im Studium war Lucien Stephenson der „Snowman“

Zu seinem Job kam Lucien Stephenson während seines Wirtschaft-Studiums in London. Seinerzeit arbeitete er für die Mutterfirma Snow Business International als Handlanger beim Film. Am Set war er damals schon der „Snowman“. Nachdem er seinen Abschluss gemacht hatte, fragte er seinen Chef, zu dem er ein enges Verhältnis hat, ob er Snow Business unter demselben Namen in Deutschland gründen und Filmproduktionen und andere Events in Zentral-Europa mit Kunstschnee- und Eis beliefern dürfe. Der Chef stimmte zu.

Dass der junge Engländer nach Deutschland wollte, hat einen einfachen Grund: Von 1980 bis 1989 lebte er mit seiner englischen Mutter bei seinem deutschen Stiefvater in Belm. Den besucht er immer noch regelmäßig. „Zum Rotwein trinken. Wir sitzen dann zusammen und tun so, als hätten wir Ahnung von Wein.“

Knapp 150 Sorten Schnee im Angebot

Wirklich Ahnung hat Stephenson dagegen von Kunstschnee. Rund 150 verschiedene Sorten hat Snow Business im Angebot. Für den matschigen und dreckigen Schnee in Blade Runner 2049 kam vor allem Material zum Einsatz, das Lucien Stephenson aus Windeln hergestellt hat.

Gedreht wurden die Szenen, in denen Stephenson und seine Mitarbeiter das Set einschneiten, in Budapest. Mit Harrison Ford habe er dabei einmal kurz gesprochen, „ich hatte die ganze Zeit die Indiana-Jones-Melodie im Ohr“, sehr intensiv war die Zusammenarbeit mit Kamera-Legende Roger Deakins, der für Blade Runner 2049 zum 14. Mal für den Oscar nominiert ist. Gewonnen hat er den Preis aber noch nie. „Ich würde ihm den Oscar so gönnen“, sagt Lucien Stephenson. „Seine Arbeit ist ganz große Kunst, und er ist außerdem ein absoluter britischer Gentleman“.

„Ich bin jetzt Deutscher, weil ich mich als Weltmeister fühlen wollte“

Insgesamt ist Blade Runner 2049 in fünf Kategorien nominiert, darunter auch für die besten visuellen Effekte. Verantwortlich dafür war vor allem der deutsche Spezial-Effekt-Spezialist Gerd Nefzer, der laut Lucien Stephenson nach Hollywood gereist ist, um den Oscar entgegenzunehmen. „Ich bin mir eigentlich sicher, dass er ihn bekommt. Er hat ja auch schon den englischen Oscar, den BAFTA, gewonnen.“

Und für den Schnee am Blade-Runner-Set hat Nefzer wie schon bei vielen anderen Hollywood-Produktionen - aktuell etwa Red Sparrow mit Jennifer Lawrence - Lucien Stephenson und seine Firma engagiert. Sollte Blade Runner 2049 also tatsächlich den Oscar für die besten visuellen Effekte gewinnen, geht ein kleiner Teil des Preises auch in die Region.

Lucien Stephenson, der bis vor kurzem noch die englische Staatsbürgerschaft hatte, ist mittlerweile übrigens Deutscher. „Wegen des Brexit und weil ich mich mal als Weltmeister fühlen wollte, was ich als Engländer wohl nie erlebt hätte.“


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