Weniger Nitrat, kein Glyphosat Entschädigungen für Landwirte sorgen in Belm für Unmut

Von Nina Strakeljahn

Welche Auswirkungen hat das Wasserschutzgebiet für Landwirte und Verbraucher? Darüber diskutierte der Betriebsausschuss. Archivfoto: Nina StrakeljahnWelche Auswirkungen hat das Wasserschutzgebiet für Landwirte und Verbraucher? Darüber diskutierte der Betriebsausschuss. Archivfoto: Nina Strakeljahn

Belm. Die Bestimmungen für das Wasserschutzgebiet in Belm sind seit Beginn des Jahres in Kraft getreten. Auf die Auswirkungen wies Bürgermeister Viktor Hermeler in der Betriebsaussschusssitzung noch einmal hin. Thema war außerdem Glyphosat.

Mit der Ausweisung des Wasserschutzgebietes sollen die Brunnen Gattberg, Icker und Powe der Gemeinde Belm sowie der Brunnen Nettetal der Stadtwerke Osnabrück geschützt werden. Vor allem die Brunnen in den Bereichen Powe und Icker sind mit Nitrat belastet. Diese Belastung soll weiter reduziert werden.

Eine Konsequenz aus der Ausweisung ist, dass im Wasserschutzgebiet keine oder nur noch stark beschränkt Gülle ausgefahren werden darf. Dafür erhalten die Landwirte eine Entschädigung. Zwischen 100.000 und 120.000 Euro Kosten könnte das im Jahr verursachen. Der Wasserverband Wittlage, der seit Anfang des Jahres für die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung der Gemeinde zuständig ist, hat diese Summe im Wirtschaftsplan veranschlagt, erklärte Hermeler.

Bis zu 20 Vent mehr pro Kubikmeter

Das warf die Frage auf, wer denn die Kosten letztlich trage. Der Wasserverband würde die Kosten auf die Verbraucher umlegen, sagte Hermeler. Bis zu 20 Cent pro Kubikmeter Wasser könnten es mehr werden. Das stieß unter anderem bei Erwin Schröder (SPD) auf Unmut: Wie lange diese Entschädigungen gezahlt werden müssen, wollte er wissen – bis der Nitratgehalt niedrig genug ist?

Hermeler erklärte daraufhin, dass das zeitlich nicht begrenzt sei. Der Nitratgehalt solle dauerhaft niedrig bleiben. Man habe bereits in den vergangenen Jahren durch freiwillige Vereinbarung ein Absinken des Nitratgehaltes erreicht, jedoch nicht weit genug. Dies sei nun der nächste Schritt. Er betonte auch, dass die Landwirte nichts gemacht haben, was illegal ist. „Da lege ich Wert drauf.“ Die Rechtsgrundlage müsste geändert werden. Möglicherweise müsste in einigen Jahren aber auch diese Praxis überdacht werden und andere Möglichkeiten in Betracht gezogen werden, ergänzte Ausschussvorsitzender Berthold Uphoff.

Wasserverband bringt Synergieeffekte

Hermeler betonte in diesem Zusammenhang, auch um Gerüchte zu entkräften, dass der Eintritt in den Wasserverband beschlossen worden sei, um Synergieeffekte in der Verwaltung und im Betrieb der Anlagen zu schaffen, nicht aber, um die Nitratwerte durch das Mischen von Wasser zu senken.

Neben dem Problem mit den Nitratwerten beschäftigte sich der Betriebsausschuss auch mit Glyphosat. Die Grünen um Jürgen Blaue, Günther Westermann und Hale Sentürk haben den Antrag gestellt, dass in Pachtverträgen mit der Gemeinde für Ackerland und nicht extensiv genutztem Grünland festgelegt wird, dass glyphosathaltige Pestizide nicht eingesetzt werden dürfen. „Wir wollen mit gutem Beispiel vorangehen“, sagte Blaue. Den Antrag begründen die Grünen damit, dass Glyphosat laut der Internationalen Agentur für Krebsforschung wahrscheinlich krebserregend sei. Des Weiteren zerstöre der wiederholte Einsatz dieser Pestizide die Bodenfruchtbarkeit. Das mindere den Wert der Flächen, erklärte Westermann.

Bekämpfung Jakobskreuzkraut

Gleichzeitig soll das Jakobskreuzkraut auf Flächen der Gemeinde bekämpft werden, denn das Kraut stelle eine ernsthafte Gefahr dar, heißt es in dem Antrag. Die Pflanze könne nicht verfüttert werden, da sich die enthaltenen Giftstoffe in der Leber von Kühen und Pferden anreichern. Das sei für die Tiere gefährlich und könne zum Tod führen. Damit die weitere Ausbreitung des Jakobskreuzkrautes gebremst wird, soll die Pflanze auf extensiv genutzten Grünflächen sowohl von Pächtern als auch der Gemeinde beseitigt werden.

Uwe Harbig, Fachbereichsleiter Baudienste, sagte, dass sich Glyphosat beim Abschluss neuer Pachtverträge unproblematisch bverbieten lasse. Bei laufenden Pachtverträgen könne man eine freiweillige Vereinbarung treffen. Schwieriger sei die Frage, inwiefern die Bekämpfung des Jakobskreuzkrauts aufgenommen werden könne. Dazu würde er eine Einschätzung der Unteren Naturschutzbehörde einholen. Insgesamt werden von der Gemeinde derzeit fünf Hektar Ackerland und sieben Hektar Grünland verpachtet.

„Schwarze Schafe gibt es immer“

Der Betriebsausschuss diskutierte außerdem die Frage, wie es mit Kontrollen aussehen würde. Dazu würden Experten benötigt. Allerdings müsse man davon ausgehen, das Vertragspartner das Verhandelte einhalten, sagte Harbig. „Schwarze Schafe gibt es außerdem immer“, sagte Jürgen Blaue.

Die Grünen entschieden, die Bekämpfung des Jakobskreuzkrauts zunächst überprüfen zu lassen, bevor darüber abgestimmt werden soll. Ob die Gemeinde Glyphosat auf den eigenen Flächen in Zukunft verbieten wird, soll der Gemeinderat nun in der Sitzung am 7. März entscheiden.