Mittel aus Landesaktion verbraucht Nur wenige Katzen sind im Landkreis kastriert worden

Von Nina Strakeljahn

Eine kreisweite Katzenkastration wünscht sich Michael Muris vom Katzenschutzbund Osnabrück. Foto: Jörn MartensEine kreisweite Katzenkastration wünscht sich Michael Muris vom Katzenschutzbund Osnabrück. Foto: Jörn Martens

Belm/Osnabrück. Eigentlich läuft noch bis zum 15. März eine Katzenkastrationsaktion, für die das Land Niedersachsen 245.000 Euro zur Verfügung stellt. Doch die Mittel waren nach wenigen Wochen aufgebraucht.

Tierschutzvereine, Tierheime und Betreuer von kontrollierten Katzenfutterstellen sollten kostenlos die Katzen von einem Tierarzt kastrieren lassen können. Das reicht jedoch nicht, wie Michael Muris, zweiter Vorsitzender des Katzenschutzbundes Osnabrück im Interview betont. Der Verein ist in erster Linie für die Stadt Osnabrück und Georgsmarienhütte zuständig, teilweise auch in Belm sowie für Einzelfälle im Umland.

Die Mittel für die Katzenkastration waren schnell aufgebraucht. Warum?

Nach Schätzungen gibt es 200.000 Streuner in Niedersachsen. Nach Angaben des Landesministeriums sind 2600 kastriert worden, das ist etwas mehr als ein Prozent. Wenn sie diese Aktion im Sommer gemacht hätten, hätten sie eine Million hinlegen können und es hätte nicht gereicht. Diese Probleme sind bestimmt schon seit 20 Jahren gewachsen. 245.000 Euro sind ein Anfang, aber dieses eine Prozent kastrierte Katzen holt die Katzenpopulation nächstes Jahr wieder nach.

Es gibt also zu viele Katzen und zu wenig Geld?

Ja. Die Stadt Osnabrück hat eine Kastrationspflicht seit 2012. Seitdem haben wir dort annähernd 1000 Katzen kastriert. Jeder kann das auf das Land und den Landkreis umrechnen, was das bedeutet, was es kostet, was das für ein Arbeitseinsatz ist und wie lange es dauert.

Welche Probleme verursachen Streuner?

Sie werden zu einer Belästigung, das muss man ganz klar so sagen. Denn eine Überpopulation führt dazu, dass es Meldungen von Bürgern gibt, wir haben keine Vögel mehr im Garten,dafür aber Katzenkot. Wenn diese Tiere nicht ordnungsgemäß versorgt werden, werden sie krank aufgefunden. Die Tierfreunde suchen nach Lösungen, aber die gibt es nicht. Die Tierheime und Tierschutzvereine werden mit einer ungeheuren Anzahl von größtenteils kranken Jungtieren geflutet. Wir wissen nicht mehr wohin damit, die Vermittlungsraten sinken. In der Stadt gab es zu Anfang der Kastrationspflicht eine Menge Meldungen von Streunern. Das hat rapide nachgelassen.

Wie teuer ist eine Katzenkastration?

Generell kostet eine Kastration 120 Euro, der Chip dazu nochmal etwa 30 Euro und dann kommen gegebenenfalls noch Behandlungen und Entwurmungen dazu, so dass man relativ schnell bei einer Summe von 160 bis 170 Euro bei einer Kätzin ist. Bei einem Kater liegt man bei etwa 100 Euro.

Wie finden Sie die Streuner und wie muss man sich eine Fangaktion vorstellen?

Vorwiegend finden wir sie durch Meldungen von Bürgern. Bei den richtig wilden Streunern ist es extrem zeitaufwendig. Teilweise fahren wir vorher dahin und füttern sie an. Das heißt, dass man einen Käfig oder eine Falle hinstellt und die Tiere daran gewöhnt. Es sind vorher häufig mehrere Besuche erforderlich, weil die Falle ein Fremdkörper ist für die Katze. Dann gibt es den Stichtag X, an dem wir die Termine mit den Tierärzten haben und dann wird die Falle scharf gestellt, in der Hoffnung, dass eine Katze da reingeht. Den Rest macht der Tierarzt.

Wieviele Katzen konnten Sie von den Landesmitteln kastrieren?

Leider nur sehr wenig, ich glaube, zwölf bis 15 Katzen. Es muss auch alles passen. Man muss die Meldungen haben, die Tierarzttermine und das innerhalb von zweieinhalb Wochen, da waren größere Vereine schneller. Ich weiß aber aus dem Landkreis, es läppert sich, viele Tierschutzvereine, im Landkreis sind es zehn, haben etwas abbekommen. Es war eine sehr überraschende Aktion. Wir konnten gar nicht lange planen.

Was kann man denn gegen die vielenden streunenden Katzen tun?

Alle Kommunen müssen die Notwendigkeit des Handelns erkennen. Diese Aktion ist ein Hinweis darauf, dass es im ganz Land Niedersachsen diese Probleme gibt und dass sie sich nicht ausschließlich aus Landesmitteln lösen lassen. Diese Maßnahme sollte so verstanden werden, dass die Kommunen über eine Kastrationspflicht und über Fördergelder nachdenken. Denn das können das Land und die Tierschutzvereine nicht schaffen.

Sie wünschen sich also eine Kastrationspflicht?

Vollständig heißt es Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht. Die Straßenkatzen kommen ja nicht von ungefähr. Jetzt, wo sie da sind, läuft die Vermehrung auch von sich aus, aber es gibt ja permanenten Nachschub von unkastrierten entlaufenen Katzen. Im Grunde soll eine Kastrationspflicht, genau diese 0,5 oder ein Prozent der uneinsichtigen Katzenhalter erwischen. Die meisten sind verantwortlich. Eine Katze kann sechs bis zehn Jungtiere bekommen, die ein halbes Jahr später beginnen, sich weiter fortzupflanzen. Dann kann sich jeder vorstellen, was eine einzige Katze für ein Potenzial schaffen kann. Diese wenigen Katzenhalter kann man mit einer Kastrationspflicht dafür haftbar machen. Jede Katze muss jemandem zuzuordnen sein.

Was fordern Sie?

Die Maßnahme des Landes sagt, dass es ein Hinweis für die Kommunen ist, über eine Kastrationspflicht nachzudenken und für mich gehören für die Streuner auch Fördermittel in das Paket. Bislang gibt es eine solche Pflicht nur in Bramsche, Bohmte, Melle und Osnabrück. Das Problem momentan ist, dass jede Kommune für sich beschließen muss, ein irrsinniger politischer Aufwand. Idealerweise, um auch Verwaltungsaufwand zu sparen, würde der Kreis eine solche Bestimmung erlassen. Deshalb wäre eine kreisweite Kastrationspflicht wünschenswert, noch besser wäre eine landesweite Pflicht.


Es wurden bis Anfang der Woche rund 1500 Katzen und 1080 Kater – also rund 2600 Tiere – mit Landesmitteln kastriert, so das Ministerium. Der Zulauf des Projektes zur kostenlosen Kastration, Kennzeichnung und Registrierung von Katzen, denen keine Besitzerin oder kein Halter zugeordnet werden kann, sei riesengroß und zeige, dass das Problem der verwilderten Katzen und das Katzenelend in Niedersachsen erheblich sei, sagte Barbara Otte-Kinast, niedersächsische Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz auf Anfrage unserer Redaktion. „Das enorme Interesse an der vom Ministerium in Gang gebrachten Aktion zur Katzenkastration freut mich sehr.“ Das alles zeige, dass die Maßnahme ein guter Weg ist, um das Katzenleid zu minimieren. Von Anfang an habe der zeitliche und finanzielle Rahmen festgestanden. „Wir werden aber wegen des großen Zuspruchs sicher noch einmal prüfen, ob und inwieweit eine Fortsetzung der Aktion möglich ist.“ In den ersten drei Wochen der Aktion war das gesamte Fördergeld in Anspruch genommen worden. Es würden Überlegungen laufen, die Aktion im Herbst und in den kommenden Jahren fortzusetzen. „Dafür würden wir als Bündnis auch gerne weitere Spender in die Reihe der Förderer aufnehmen.“, so die Ministerin.Aufgrund des Erfolges sei es wichtig, das Projekt auszuwerten und Wege zu finden, das Problem der streunenden Katzen und des Tierelends dauerhaft anzugehen. „Dafür müssen das Land und die Kommunen gemeinsam Lösungen mit den Tierheimen finden und diese in ihrer Arbeit ausreichend unterstützen“, sagte Barbara Otte-Kinast. Durch die Auswertung des Projektes könnte man außerdem herausfinden, ob es bestimmte Schwerpunktregionen des Katzenelends in Niedersachsen gebe.