Neue Attraktion im Karneval Die Walze vom Halterner Spielplatz rollt wieder

Von Nina Strakeljahn


Belm. Der Karnevalsumzug in Belm-Haltern ist um eine Attraktion reicher: Ein Team um Organisator Uwe Depke hat in zahlreichen Arbeitsstunden eine alte Walze restauriert und sie wieder fahrtüchtig gemacht.

Generationen von Kindern haben auf dem Spielplatz in Haltern auf der alten Walze gespielt. Seit 30 Jahren war dort nie etwas passiert und auch davor, als sie zehn Jahre auf einem Spielplatz an der Frankfurter Straße in Belm stand, hatten viele Mädchen und Jungen Spaß am Erkunden des Gefährts, sagt Uwe Depke. Doch nach einer Überprüfung durch den TÜV im vergangenen Jahr mussten die Walzen, die auch noch auf anderen Spielplätzen im Belmer Gemeidegebiet standen, aus Sicherheitsgründen abgebaut werden. Während die anderen Walzen verschrottet wurden, kam Uwe Depke gerade noch rechtzeitig, um die Halterner Walze zu retten. „Die Walze gehört nach Haltern“, betont er.

Ein großer Ansporn

So fand die Walze ab dem 9. August zunächst einen Platz auf dem Hof von Uwe Depke. Doch was damit geschehen sollte, war zunächst unklar. Als das Gefährt eines Tages draußen stand und einige Männer drumherum, kam ein Gemeindemitarbeiter vorbei. „Wenn ihr die Walze wieder fit macht, bekommt ihr 100 Liter Bier von der Gemeinde“, versprach er. „Das war natürlich ein großer Ansporn“, sagt Uwe Depke und lacht. So entstand die Idee, mit der Walze beim Karnevalsumzug mitzufahren.

Mitte November legten insgesamt elf Leute los, darunter drei Land- und Baumaschinenmechatroniker, ein Mechatroniker und ein Tischler. Zunächst trafen sie sich einmal in der Woche und zerlegten die Walze dabei nahezu komplett. Zunächst wurden die hinteren Räder abmontiert und alles vom Sand befreit. Das Getriebe war einbetoniert. „Dadurch war es in einem sehr guten Zustand“, erklärt Depke. Nachdem der Beton entfernt war, wurde es gewaschen und wieder fahrtüchtig gemacht. Auch die Lenkung musste gerichtet werden. Dafür wurde auch mal gröberes Werkzeug benötigt. Ein Handyvideo zeigt, wie mit einem großen Hammer gearbeitet wurde. Das verfehlte seine Wirkung nicht und so ließ sich durch einige Hammerschläge die Lenkung wieder in Gang setzen. Übrigens gibt es nur einen Hebel für vorwärts und rückwärts sowie eine Fußbremse, erklärte Depke.

Freudenschreie, als der Motor lief

Einzig den Motor musste das Team erneuern. Daniel Westermann fuhr deshalb extra nach Kiel, um einen Austauschmotor zu holen. Den mussten die jungen Männer aber auch erst wieder fit machen. Als der Motor dann zum ersten Mal lief, stießen alle einen Freudenschrei aus, was das Team ebenfalls im Video festgehalten hat. Wann die Walze gebaut wurde, lässt sich nicht sagen, erklärte Depke noch, denn ein Hinweis ist nicht zu finden. So viel könne man aber sagen, es sei vor 1968, denn danach wurde das Baujahr in Fahrzeugen vermerkt.

Nach und nach wurde die Walze wieder zusammengesetzt, die Hinterräder angebracht und das Gefährt neu lackiert. Vergangene Woche war es dann soweit: Nach 481 Arbeitsstunden, Materialkosten in Höhe von 1600 Euro und 18 Kisten Bier legte die Walze ihre ersten Meter zurück.

Sechs Kilometer pro Stunde

Mit ihren sechs Kilometern pro Stunde bewegt sich die Walze allerdings nur sehr langsam voran. Deshalb bekommt sie auch eine Plakette als selbstfahrende Arbeitsmaschine. Ein Nummernschild gibt es nicht. „Es ist ein Spaßobjekt“ sagt Uwe Depke. Bei Oldtimertreffen soll die Walze demnächst immer wieder gefahren werden. Außerdem hat Depke schon eine weitere Idee: Wenn die Belmer Ortsumgehung eröffnet wird, könnte die „Dicke Berta“, wie sie am Mittwoch getauft wurde, vorausfahren.

Am Freitag ging die Walze auf ihre erste große Fahrt zum Belmer Rathaus, denn dort wollten die Narren das Rathaus stürmen. Uwe Depke, als Nonne verkleidet, steuerte die Walze vor den Eingang. Das ging ganz schön in die Armmuskeln, verriet er.

Vor der Rathaustür bauten sich die Narren dann auf und forderten von Bürgermeister Viktor Hermeler den Rathausschlüssel. Doch der Bürgermeister hatte sich mit seinem „Volk“ – den beiden Ratsmitgliedern Rolf Villmer (CDU) und Jürgen Lunkewitz (SPD) sowie Pressesprecher Dirk Meyer – im Rathaus verbarrikadiert. Erst als die Narren ihre Aufgabe, eine Büttenrede zu schreiben, gelöst hatten, händigte das Stadtoberhaupt den Schlüssel an Prinz Tobi, Prinzessin Karin und ihr Gefolge aus, die daraufhin das Rathaus stürmten. Und natürlich holten sie sich bei dieser Gelegenheit ihr Bier ab.

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Die nächste Gelegenheit, die „Dicke Berta“ zu bestaunen, ist am Sonntag, 11. Februar, beim dritten Karnevalsumzug in Halter. Beginn ist um 11.11 Uhr. Der Umzug startet von der Wellenstraße über Kühler Kamp und Burhaksweg zu ein bis eineinhalb Runden durch den Ort mit Musik und Kamelle. Insgesamt haben sich zehn Wagen mit sechs Musikanlagen angemeldet. 180 bis 190 Leute werden teilnehmen, darunter 30 Kinder. Auch wenn sich das Männerballett Pye, dass die Idee für den Karnevalsumzug in Haltern hatte, nach diesem Karneval auflöst, wird der Karneval weitergehen, versprach Mitorganisatorin Inka Hinnenkamp.