VR-Brille bietet neue Darstellung Wie man in Belm das Badezimmer virtuell planen kann

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Belm. Die Badewanne ist gefüllt, zwei Quietscheentchen schwimmen auf dem Wasser. Eigentlich ist alles für ein entspannendes Bad bereit. Doch wer versucht hineinzusteigen, landet nicht in der Wanne, sondern auf dem Fußboden eines Vorführraums. Denn diese Badewanne ist virtuell.

Die Firma Altewichard in Belm ist auf Elektro, Sanitär und Heizung spezialisiert. Sie bietet unter anderem Badezimmergestaltung aus einer Hand an und hat nun einen neuen Service: Wer ein Badezimmer plant, kann vorab schon einen virtuellen Rundgang durch den Raum machen. Damit ist die Firma eine der ersten in der Region, möglicherweise sogar die erste: „Wir wissen zumindest von keinem anderen“, sagt Martin Beermann, Fachbereichsleiter Heizung und Sanitär.

„Virtual Reality ist in aller Munde“

„Virtual Reality ist in aller Munde“, sagt Beermann. Daher hat sich Altewichard mit dem Trend beschäftigt. Der Hersteller des Badplanungsprogramms, mit dem unter anderem Planer Christoph Keßling arbeitet, bot diese zusätzliche Möglichkeit an, von der die Firma nun Gebrauch macht. Seit einigen Monaten wird die Technik eingesetzt, sagt Keßling.

Damit man in seinem Wunschbadezimmer stehen kann, hat die Firma eine VR-Brille sowie zwei leistungsstarke Laptops angeschafft. Eine Investition, die sich lohnen wird, sind Beermann und Keßling überzeugt. Diese besondere Brille, die in ihrem Aussehen einer Taucherbrille ähnelt, setzt man auf und wird so Teil einer virtuellen Welt, die an die Realität nah herankommt. Denn bislang konnten Kunden sich oft nur schwer vorstellen, wie der Raum später aussieht. Es bestand zwar die Möglichkeit, durch eine Musterausstellung zu gehen, doch die Verhältnisse im eigenen Bad ließen sich so nicht prüfen. Nun können Kunden dank der Technik frühzeitig auf Probleme reagieren, wenn es beispielsweise mit Badewanne, Toilette und Waschbecken zu eng geworden ist.

Eins zu eins abgebildet

Bevor Kunden in die digitale Welt abtauchen können, legt Keßling im Vorführraum der Firma die Maße des späteren Badezimmers fest. Dafür setzt er sogenannte Controller ein, sie ähneln Gamecontrollern. Das Bad wird eins zu eins abgebildet, deshalb braucht man entsprechend viel Platz. Bei größeren Badezimmern ist das ein Problem. Dann muss das geplante Bad in zwei Teilen abgebildet werden.

Per Laptop lädt Keßling nun den Plan. Wer die Brille aufsetzt, steht mitten im Badezimmer – vor sich die Badewanne mit den beiden Quietscheentchen. Die Verlockung ist groß, mit der Hand durch das Wasser zu streifen. Nur bleibt die Hand dabei trocken. Direkt neben der Wanne ist die Toilette montiert, ihr gegenüber die Dusche. An die Dusche schließen gegenüber der Wanne die Waschbecken an. Passt die Höhe? Ist es nicht zu tief? Einfach mal ausprobieren.

Ein Schauspiel für Zuschauer

Für Außenstehende ist es durchaus ein Schauspiel, den Menschen mit der doch recht massiven VR-Brille zu beobachten, wenn er gerade mitten in der Luft die Hände aneinanderreibt, als würde er sie waschen. Noch fließt im virtuellen Bad allerdings kein Wasser aus dem Hahn; so weit sei die Technik noch nicht, sagt Keßler. Bald könnte das aber möglich werden. Während man in der digitalen Welt ist, passen die Außenstehenden auf, dass man nicht über das Brillenkabel stolpert oder sich irgendwo stößt.

Für Keßling und seine Kollegen von der Badplanung ist die virtuelle Darstellung nicht mit zusätzlichem Aufwand verbunden. Sie fahren zum Kunden, nehmen alle Maße und planen dann das Bad. Die Zeichnung ist nun nicht nur als 2-D- und 3-D-Modell verfügbar, sondern eben auch in der virtuellen Welt. Einzig der Umgang mit der Technik kommt hinzu.

Die ersten Kunden haben es ausprobiert

Die ersten Kunden haben ihr Badezimmer schon virtuell betreten und waren laut Keßling begeistert von der Technik. Ein Paar habe nach der Begehung sogar einiges verändert und von der Technik profitiert.

Momentan können die Kunden selbst noch keine Aktionen auslösen. Immerhin: Auf Wunsch öffnet Keßling per Knopfdruck beispielsweise die virtuellen Schubladen. Für den Kunden mit der VR-Brille gehen sie dann wie von Geisterhand auf. Auch die Duschtüren schwingen nach innen auf, so kann man die Dusche betreten und muss nicht durch die geschlossene Tür gehen. Das ist zwar auch möglich, man hat aber intuitiv Hemmungen hindurchzugehen, ebenso wie durch die Wand zu gucken. Dann schaut man übrigens in den Himmel.

Auch die etwa 45 Mitarbeiter von Altewichard, darunter auch die Auszubildenden, haben die Technik getestet. „Ein Kollege holte spontan seinen Zollstock raus und begann zu messen“, erzählt Beermann und lacht: „Allerdings musste er dann feststellen, dass er den Zollstock durch die Brille nicht sieht.“


Das Zauberwort heißt „Immersion“. Es kommt aus dem Lateinischen und bezeichnet den Vorgang des Eintauschens. In Echtzeit computergenerierte virtuelle Realitäten (VR) ermöglichen intensive Immersions-Erfahrungen. „Der Grad der Immersion ist für eine gelungene Umsetzung bei Virtual-Reality-Projekten entscheidend“, so die Osnabrücker Agentur Mobile Etage: „Je stärker sich die Wahrnehmung der eigenen Person in der realen Welt vermindert und die Identifikation mit einer virtuellen Person steigt, desto faszinierender ist der VR-Effekt.“

Die Idee einer technisch generierten Wirklichkeit kam bereits in den 80er-Jahren auf. Überzeugend umsetzen lässt sie sich dank leistungsfähiger Grafikkarten, durch Smartphones und VR-Brillen erst seit Kurzem. Nachdem die 3-D-Technik zunächst in der Games-Community Erfolge feierte, interessieren sich immer mehr Branchen für ihre stetig wachsenden Anwendungsmöglichkeiten: Autokonzerne simulieren Fahrzeuge in Entwicklung, Ärzte nutzen VR in der Weiterbildung, Architekten setzen sie in der Planung ein, Industriebetriebe schulen ihre Mitarbeiter mit der neuen Technik. Cluz

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