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Brennmaterial selbst angebaut Energiepflanze sorgt für Wärme in Belmer Schweineställen

Von Harald Preuin, Harald Preuin | 09.04.2016, 15:41 Uhr

Einen enormen Wärmebedarf hat Ferkelzüchter Bernhard Langewand (56) für seine Jungtiere. In den ersten fünf Wochen ist es 30 Grad im Ferkelstall, danach wird die Temperatur bis zur zwölften Lebenswoche auf 24 Grad abgesenkt. Das kostet viel Heizenergie. Der Landwirt aus Icker, der mit seinem Sohn Stefan (28) den Hof bewirtschaftet, bemühte sich um Alternativen, um die Kosten zu senken.

2010 sollte eine neue Heizanlage gebaut werden. Herausgekommen ist eine Biomassen-Heizung, deren Brennkammer mit Schamottsteinen ausgemauert ist. Die Idee war, neben Holzhackschnitzel auch Sägespäne und das gehäckselte Miscanthus (Riesen-Chinaschilf) zu verfeuern. 2010 wurde für den Wärmebedarf allein im Sauenstall Flüssiggas für 12.000 Euro verfeuert. Diese Kosten waren mit der 100 kW-Heizung vorbei, die nun für angenehmes Klima in den Sauen- und Ferkelställen sorgt. Zudem werden noch drei Wohnungen auf dem Hof beheizt.

Ab dem zweiten Jahr kann geerntet werden

Rund 50.000 Euro investierten Langewands. Ein nicht unerheblicher Teil entfiel auf die Leitungen zu den einzelnen Ställen. Schon 2009 legte der Betrieb den Grundstock für einen Teil der Energieversorgung mit dem Pflanzen der Miscanthus-Rhizome auf 1,3 Hektar. Nur im ersten Jahr – danach nicht wieder – ist eine Gabe Pflanzenschutzmittel erforderlich, um den jungen Trieben die Entwicklung zu erleichtern. Erst im zweiten Jahr kann geerntet werden.

Eine Pflanze steht nun auf etwa einem Quadratmeter, das Wurzelwerk erweitert sich im Boden. Etwa 20 Jahre können die Triebe geerntet werden. Gedüngt wird mit etwas Schweinegülle, wie Bernhard Langewand sagt, sonst braucht das Miscanthus nichts.

Bis zu 160 Kubikmeter pro Hektar

In der ersten Ernteperiode im April 2011 fuhren Langewands 60 Kubikmeter pro Hektar ein, 2015 waren es 125 Kubikmeter. Mitte April steht die nächste Ernte an. Auf dem Höhepunkt des Wachstums sollte die Energiepflanze 160 Kubikmeter pro Hektar abwerfen.

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Neben der Verbrennung findet Miscanthus auch als Stalleinstreu oder Mulche, aber unter anderem auch als Dämmmaterial und in der Papierherstellung Verwendung. Für Langewand haben sich die Anbaukosten von rund 2.500 Euro/Hektar gelohnt, denn außer einer Düngung ist keine weitere Pflege erforderlich. Etwa Mitte April sind die Triebe, die eine Höhe bis vier Meter erreichen, so weit abgestorben, dass mit dem Maishäckseler geerntet werden kann. Dann zeigen sich am Boden bereits die ersten grünen Triebe.

Die Energiepflanze Miscanthus stammt ursprünglich aus Asien, wird aber seit vielen Jahren schon auch in Europa vermehrt. Bernhard Langewand hat die Pflanze bei einem Freund im Südkreis kennengelernt. Sein Miscanthusfeld hatte er auf einer kleinen Ackerfläche angelegt, die allerdings maschinell schlecht zu bearbeiten war. Der Ickeraner Landwirt hat inzwischen positive Erfahrungen gesammelt. Die Ernte von einem Hektar ersetzt umgerechnet den Einsatz von 6000 Liter Heizöl im Jahr.

Dieses Jahr ideale Wetterbedingungen für die Energiepflanze

Vor dem Hintergrund der derzeit niedrigen Energiekosten bei kalkuliert hohen Pachtkosten kann sich das positive Ergebnis des Miscanthus-Einsatzes natürlich verschieben. Da aber gleichzeitig auch die Preise von Holzhackschnitzel gesunken sind, ist der Energieeinsatz auf dem Hof im Vergleich zu Flüssiggas gesunken. Vor dem Hintergrund des beständigen Miscanthus-Ertrages bis etwa 2029 haben Langewands gerade eine neue Lagerhalle für das gehäckselte Schilfgras gebaut.

Die inzwischen beigefarbenen Pflanzen erinnern an trockenes Getreide kurz vor der Ernte. Langewand prüft den Reifegrad mit dem Messer. Der Schnitt im unteren Drittel zeigt, dass die Rohrstängel teilweise noch grün und damit zu feucht für eine Ernte sind. Im Winter 2013/2014 waren die Pflanzen Mitte April noch nicht ganz eingetrocknet, erzählt der Landwirt. Schuld war der sehr milde Winter. „Miscanthus braucht mindestens eine Woche Frost ab minus drei Grad“. Dieser Winter mit sieben Tagen unter Null war also geradezu ideal für die Energiepflanze.

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