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Ernte und Dürreschäden Endloser Sommer in Belmer Kleingärten

Von Julia Schächtele | 16.10.2018, 12:50 Uhr

17 Schrebergärten liegen am Rande von Hier wird gepflanzt, geerntet und gemeinsam gefachsimpelt. Mit der Ernte waren hier dieses Jahr alle zufrieden – und die Saison ist noch nicht zu Ende.

Am Oktobervormittag strahlt die Sonne in voller Pracht, die Vögel zwitschern und einige Gärtner sind zusammengekommen, um von ihren Erlebnissen zu erzählen. Die Siedlung strahlt nur so vor Ruhe und Friedlichkeit.

Hohe Hecken sind die Ausnahme

„Früher war hier alles Wiese“ erzählt der Vorsitzende Wilfried Helmkamp. Der Rentner ist seit der Gründung des Kleingartenvereins 1986 mit dabei, zehn Jahre später wurde er Vorsitzender des Vereins. Heute gibt es auf dem Gelände 17 Gärten mit liebevoll eingerichteten Lauben, kleinen Gewächshäusern, zahlreichen Obstbäumen, bunten Zierpflanzen und natürlich Gemüsebeeten. Zäune begrenzen die einzelnen Parzellen, hohe Hecken sind eher die Ausnahme.

Vertrockneter Rasen und reiche Ernte

Mit dem Sommer kamen die meisten hier gut klar: „Unsere Ernte war hervorragend“ erzählt Helmkamp. In den drei Brunnen gibt es das ganze Jahr über genug Wasser. Einige Dürreschäden mussten die Gärtner trotzdem hinnehmen: „Mein ganzer Rasen ist verbrannt“ erzählt Hubert Kuhlmann. Längst hat er neu eingesät, inzwischen leuchtet das Gras wieder in sattem Grün.

Ein Garten hatte in diesem Jahr besonders viele Erträge: Mike und Silvia Kreiensen sind noch relativ neu in der Siedlung, vor drei Jahren übernahmen sie eine völlig verwilderte und zugewachsene Parzelle. Jetzt herrscht hier Ordnung: In einer Ecke glitzert ein Teich in der Herbstsonne, am Eingang wächst Minze und Salbei im Hochbeet, auf den Beeten steht abwechselnd Grünkohl und Rosenkohl für den Winter bereit. Auf einigen Beeten blühen bläuliche Lupinen, sie verbessern als natürlicher Dünger den Boden, erklären die Gärtner.

Tshirt-Wetter, duftende Blüten und noch immer frische Tomaten - der Sommer scheint hier noch nicht vorbei zu sein. Mike Kreiensen pflückt eine kleine, rote Tomate aus dem Gewächshaus, „wir haben daraus schon Ketchup gemacht“ erzählt er. So ganz kann er sich selbst nicht erklären, warum seine Ernte so gut lief, vielleicht tat dem Boden die jahrelange Ruhe gut, mutmaßt er.

Gärtnern gegen den Stress

Jeden Tag ist Kreiensen im Garten, auch im Winter. Mal vormittags, mal nachmittags – wie es die Schichtarbeit gerade zulässt. Er und seine Frau gehören zu den Jüngeren im Verein, beide arbeiten als Krankenpfleger, da ist der Garten eine willkommene Abwechslung: „Fünf Minuten im Garten und der Stress ist weg“ sagt Silvia Kreiensen. Immer mit dabei: Die beiden Hundemischlinge, die sie aus dem Tierheim gerettet haben.

Erdnüsse und Pfirsiche aus Belm

In der Belmer Kolonie wächst auch Exotisches: „Wir probieren jedes Jahr Neues aus“ erzählt Silvia Kreiensen. Dieses Jahr hat sie Erdnüsse gepflanzt und immerhin eine Hand voll geerntet. „Die schmecken ganz anders als aus dem Supermarkt“ erzählt sie.

Auch Alisa Warntke macht in ihrem Garten kleine Experimente. Sie hat schwarze Himbeeren gepflanzt – mit Erfolg. Noch jetzt gibt es bei ihr einiges zu ernten: In den Herbsthimbeeren verstecken sich noch ein paar kleine rote Früchte, an einem Gerüst ranken sich Weintrauben empor. Ihr Garten ist voll von Obstsorten: Pflaumen, Birnen, Äpfel, Johannisbeeren und ein sogar exotische Sharon wachsen hier. In diesem Jahr gab es außerdem „richtige Pfirsiche, wie aus dem Supermarkt“ erzählt Warntke und fügt hinzu: „Zweimal haben wir das nur erlebt.“

Aufgewachsen ist sie auf einem Dorf in Sibirien, inzwischen lebt sie seit über 20 Jahren hier, seit acht Jahren hat sie mit ihrem Mann Alexander Warntke einen Schrebergarten. „Das ist einfach schön für die Seele und die Augen“ schwärmt sie vom Leben im Kleingarten.

Bei den Festen sind die beiden fast immer mit dabei und Feste, davon gibt es hier einige: Grünkohlessen, Maikranz aufhängen, russisches Schaschlik essen, Kaffeetrinken und im Winter dann Adventslieder singen – hier ist immer etwas los.