Ein Artikel der Redaktion Neue Osnabrücker ZeitungLogo Neue Osnabrücker Zeitung

Weg in die große weite Welt Dissener Jazz in Schweizer Fachwerk

24.07.2014, 22:12 Uhr

Die Bahnhofstraße führt von Bad Rothenfelde bis zum Bahnhof Dissen-Rothenfelde, der eine bewegte Geschichte hinter sich hat.

Heute ist er nicht nur Knotenpunkt für Reisende und beherbergt unter anderem den „Jazz-Club Dissen-Bad Rothenfelde“ – der hier übrigens heute und morgen sein großes Festival feiert – in seinem schiefergetäfelten Gebäude. Nein, er selbst hat eine lange Reise hinter sich. Denn ursprünglich stand das Gebäude in Hildesheim.

In den Jahren 1844 bis 1846 im sogenannten „Schweizer Fachwerk“ errichtet, wurde er dort bald als Hildesheimer Eisenbahnknotenpunkt zu klein. Im Oktober 1884 begann man, das Bahnhofsgebäude Stein für Stein abzutragen und nach Brackwede (Bielefeld) zu verladen. Kleinere Teile verwendete man für den Bau der Bahnhöfe im westfälischen Halle und Bad Lauterberg.

Das meiste Material des alten Hildesheimer Bahnhofs wurde jedoch in Dissen-Bad Rothenfelde wieder aufgebaut und im Herbst 1885 fertiggestellt. Die Bahnlinie Osnabrück–Brackwede nahm man erst am 15. August 1886 in Betrieb. Schon damals hießen der Zug und die Eisenbahnstrecke im Volksmund „Haller Willem“. Namensgeber war der Fuhrmann Wilhelm Stuckemeyer. Er fuhr vor Entstehung der Eisenbahnlinie täglich zweimal mit seinem Pferdefuhrwerk die Strecke Halle–Bielefeld.

Notizen zur Einweihung der Eisenbahnstrecke Osnabrück–Brackwede aus der „Osnabrücker Zeitung – Kisslings Osnabrückische Anzeigen“ vom 14. August 1886: „Die neue Bahnstrecke Osnabrück–Brackwede, die morgen dem Verkehr übergeben werden wird, hat sofort in hiesigen Kreisen eine Reihe von Touren nach verschiedenen Orten der Strecke hervorgerufen. So wird bekanntlich morgen der Industrie-Verein einen Ausflug nach der Ravensburg machen. Zum Sonntag, den 22.d.M. Haben der ,Club der Harmonie‘ und die ,Neue Liedertafel‘ eine gemeinsame Fahrt per Extrazug nach Rothenfelde projectiert, falls Mittwoch genügende Unterschriften vorhanden sind. Der Zug soll 1.00 Uhr hier abgehen, ist 2.10 Uhr in Rothenfelde von wo er 11.00 Uhr abends nach hier zurückkehrt. [...] Da gleichzeitig am selben Tage Curball in Rothenfelde ist, stehen den Teilnehmern allerlei Genüsse bevor.“

1984 wurde der Streckenabschnitt für den Personenverkehr stillgelegt, der Güterverkehr lief noch weiter bis 1991. Nach vielen Protesten aus der Bevölkerung wurde der Streckenteil, der von der Deutschen Bahn an die Verkehrsgesellschaft Landkreis Osnabrück verpachtet wurde, 2005 reaktiviert.

Der Verlauf der Bahnhofstraße in Bad Rothenfelde wurde übrigens zum 1. Januar 1979 geändert. Bis zu diesem Tag führte sie nämlich noch direkt am Kurmittelhaus vorbei. Bauamtsleiter Günter Rolf aus Rothenfelde hat den Verwaltungsbericht von damals in seinen Unterlagen. Hierin hielt der damalige Gemeindedirektor Nickel Folgendes fest: „Die Bahnhofstraße vor dem Kurmittelhaus ist mit Ablauf des 31.12.1978 als Straße aufgehoben worden. Einsprüche haben nicht vorgelegen.“

Kurz vorher war die Bahnhofstraße schon zur Einbahnstraße in Ost-West-Richtung geändert worden.

Ab 2. Januar 1979 wurde die Straße dann für den Verkehr gesperrt. Heute können hier Radfahrer und Fußgänger an schön gestalteten Rabatten vorbei am Kurmittelhaus flanieren.