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Wald-TÜV mit Bravour bestanden Private Waldbauern erhalten PEFC-Siegel

Von Harald Preuin | 20.12.2015, 09:22 Uhr

Möbel und Dachstühle, Spanplatten und Holzkohle, Pappe, Toiletten- und Kopierpapier sowie Hackschnitzel zur Wärmeerzeugung. Die moderne Gesellschaft hätte ein Problem ohne den Rohstoff Holz. Dass der immer wieder nachwächst, ist das Ergebnis einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung mit regelmäßiger Pflege und Durchforstung.

Die Mitglieder der Waldschutzgenossenschaft Osnabrück-Süd haben sich schon vor 15 Jahren einer kontrollierten Bewirtschaftung verschrieben. Mindestens alle zwei Jahre werden die Forstbereiche überprüft. Jetzt hat der sogenannte Wald-TÜV wieder ausgesuchte Flächen im Auftrag von PEFC geprüft. Diese Institution ist das bedeutendste Waldzertifizierungssystem in Deutschland.

Stichproben

Der Wald-TÜV hat jetzt vor Ort zwei Tage Forstflächen der Waldschutzgenossenschaft Osnabrück-Süd und seiner 1700 Mitglieder mit 9000 Hektar Wald unter die Lupe genommen. Prüferin Eva-Monika Schloßmacher ließ sich vom 1. Vorsitzenden Johannes Meyer zum Alten Borgloh, WSG-Geschäftsführer Ludger Spiegelburg und von Dr. Florian Stockmann vom Forstamt Weser-Ems anhand von Karten und Dokumenten über das Gebiet informieren, bevor die Diplom-Forstwirtin die zu überprüfenden privaten Waldbestände auswählte.

Prüfkriterien

Der Auditorin ging es dabei beispielsweise, ob Waldflächen mit schweren Maschinen befahren, ob Dünger zur Steigerung der Holzproduktion eingesetzt oder Kahlschläge vorgenommen worden sind – alles Negativpunkte beim Wald-TÜV. Äußerst wichtig sind auch die Arbeitsbedingungen der Waldarbeiter, etwa ob sie bei ihrer Arbeit ausreichend geschützt sind. Auf dem 60-Punkte-Prüfungsbogen finden sich aber auch Fragen zum Motoröl in den Kettensägen und Bearbeitungsmaschinen – wer das PEFC-Siegel beantragt, sollte immer Bio-Oel verwenden.

Lobende Worte

Gutachterin Eva-Monika Schloßmacher fand in ihrem Bericht lobende Worte für die vorbildliche Bewirtschaftung des Waldes der Waldschutzgenossenschaft Osnabrück-Süd. Der hohe Wildverbiss aber wurde von ihr bemängelt, gefährdete aber die Erteilung des PEFC-Siegels nicht. Ein hoher Wildbestand gefährdet die Jungpflanzen, weil Rehe alles fressen. Sechs bis zehn Rehe auf 100 Hektar sind das Ziel. Spiegelburg schätzt, dass die Population doppelt so hoch ist. „Wir sind mit den Jagdpächtern im Gespräch“.

Verkaufsargument

Die Freude über die erfolgreiche Wieder-Zertifizierung war den Verantwortlichen der Waldschutzgenossenschaft Osnabrück-Süd anzumerken. Spiegelburg: „Ohne PEFC-Siegel ist Holz praktisch nicht zu verkaufen, die Industrie verlangt diesen Qualitätsnachweis“. Nicht zuletzt auch, weil das Siegel inzwischen ein Verkaufsförderer zu werden scheint. Möbelhersteller nutzen das Siegel ebenso wie Papierhersteller, weil sie damit signalisieren können, dass ihre Produkte nachweislich aus ökologischer, ökonomischer und sozial nachhaltiger Forstwirtschaft stammen.

Nachhaltig

Nachhaltige Waldbewirtschaftung bedeutet beispielsweise, dass nicht mehr Holz geschlagen wird als nachwächst. Wo Bäume gefällt werden, wird auch wieder aufgeforstet. So bleibt der Wald ein sicherer Lebensraum für Tiere und Pflanzen, bleibt die Artenvielfalt erhalten und behält seine Funktion als natürlicher Schutz von Gewässern, Böden und Klima. So versteht WSG-Geschäftsführer Ludger Spiegelburg auch nicht den Sinn von sogenannten Stilllegungsflächen, wie sie aus der Politik propagiert werden: „Statt den Wald sich selbst zu überlassen, sollte jeder dafür eintreten, dass der Wald mit all seinen Funktionen intakt bleibt“. 

Pflanzenschutz im Notfall

Dass PEFC auch die Gesundheit und Vitalität des Waldökosystems im Blick hat, erschließt sich aus den Richtlinien für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung. Danach beispielsweise dürfen Pflanzenschutzmittel nur als letztes Mittel eingesetzt werden, wenn ein ganzer Bestand schwerwiegend gefährdet ist.

Positive Bilanz

 WSG-Vorsitzender Johannes Meyer zum Alten Borgloh zieht eine positive Bilanz nach 15 Jahren PEFC-Zertifizierung. Sie beschert den Mitgliedern eine gute Holznachfrage bei Verarbeitungsbetrieben. „Die Sicherung der Produktionsfunktion der Wälder ist eine volkswirtschaftliche Aufgabe“, heißt es in PEFC-Richtlinien. Ziel sei es, den Waldbesitzer durch angemessene Einkünfte aus dem Wald in die Lage zu versetzen, auf lange Sicht eine umfassende nachhaltige Waldbewirtschaftung und Pflege zu gewährleisten.