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Silvester 2015 Neues Jahr, neues Ich? Was Vorsätze bringen

Von Anne Spielmeyer | 30.12.2015, 19:11 Uhr

Neue Jahre haben es in sich. Sie haben eine Symbolkraft, die uns immer wieder dazu verleitet, gute Vorsätze zu fassen. Aber macht uns das neue Jahr wirklich besser? Warum wir uns etwas vornehmen oder es schon lange aufgegeben haben. Ein Silvesterleuchten.

Die einen haben ihn lang und sorgfältig überlegt, die anderen fassen ihn nie oder spontan in der Silvesternacht: den guten Vorsatz fürs neue Jahr. Weniger Alkohol, nicht mehr rauchen, mehr Sport? Traditionell zum Jahreswechsel beschleicht viele Menschen das Gefühl, eine gewisse Ordnung herstellen zu müssen und einen Neubeginn wagen zu können. Dicht gefolgt ist diese Sehnsucht aber von der Gewissheit, dass die Vorsätze oft genauso schnell verpuffen wie das Silvester-Feuerwerk , zeigt eine Umfrage im Kneipp-Erlebnispark in Bad Iburg .

Selbstoptimierung?

„Das kennt man doch“, nennt Ulrike Niemeyer ein Beispiel. „Weniger zu essen nimmt man sich vor, zieht das vier Wochen durch, steigt auf die Waage und wiegt immer noch so viel wie vorher. Weg mit den Vorsätzen“, sagt sie lachend. „Das ist doch befreiend.“ Weg mit der krankhaften Selbstoptimierung. „Mit dem neuen Jahr ist es nicht anders als mit neuen Heften in der Schule“, findet sie einen Vergleich. Wenn man sie beginnt, gibt man sich besonders viel Mühe, aber spätestens auf Seite drei ist vergessen, dass das Heft neu ist und die Sauklaue hält Einzug.

„Wer zu viel, wird scheitern“

Also von Beginn an rumschmieren? „Das neue Jahr hat eine gewisse Symbolik, die genutzt werden kann“, findet Dr. Markus Quirin, Psychologe an der Universität Osnabrück mit dem Forschungsschwerpunkt Motivation. Ritualisiertes Reset. Neuanfang, der nach ungeahnten Möglichkeiten riecht. Dass mit dem neuen Jahr auch gleich ein neues Ich installiert werden kann, hält aber auch der Psychologe für utopisch und warnt vor der übersteigerten Selbstverbesserung. „Wer zu viel will, wird scheitern.“ Allenfalls die Chance für eine Kurskorrektur bietet der Schnitt, finden die Befragten im Kneipp-Erlebnispark und Psychologen.

Vorsätze mittlerer Schwierigkeit

Keinesfalls dürften Vorsätze zu hoch angesetzt werden. Die „Ich-werde-jetzt-mal-eben-ein-besserer-Mensch“-Theorie muss geknickt werden. Je konkreter und nahbarer der Vorsatz, desto besser. „Eine Person, die eine Tendenz dazu hat, ständig kaum erreichbare Vorsätze zu generieren, wird vermutlich nicht glücklich werden“, sagt Quirin. Aber genau das wollen wir doch. Wer nie Sport gemacht hat, muss nicht gleich einen Marathon laufen wollen. Warum nicht erst einen Zehn-Kilometer-Lauf anpeilen? Schließlich bestehe das Leben nicht nur aus Willen und Vorsatz, sondern auch aus unplanbaren Ereignissen, Stress, Erfahrungen, die Menschen umschwenken lassen. „Je mehr stressverursachende Faktoren und Konflikte vorherrschen, desto schwieriger ist die Umsetzung der Vorsätze ohnehin“, sagt Quirin und appelliert an ein gesundes Maß. Optimal seien Vorsätze mittlerer Schwierigkeit, die eine Herausforderung darstellen, aber zugleich die realistische Möglichkeit böten, auch umgesetzt werden zu können.

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Positive Verknüpfung nicht vergessen

Schließlich bewirke der Vorsatz allein noch keine Veränderung: „Nur positive Emotionen, die mit ganz konkreten Vorsätzen mental in Verbindung gebracht werden, helfen bei einer tatsächlichen und dauerhaften Umsetzung der Absichten“, sagt der Motivationspsychologe. Studien belegen, dass das menschliche Durchhaltevermögen entscheidend von der Verknüpfung eines Ziels mit Gedanken an schöne Dinge abhängt. Quirin rät deshalb zu „Wenn, dann“-Brücken. Wenn ich mich bewege, dann lassen Rückenschmerzen nach. Oder: Wenn ich weniger rauche, habe ich mehr Puste für die nächste Party. Dieses Gefüge funktioniert laut Quirin auch, wenn man konkret Zeit und Raum benennt: Immer wenn ich morgens ins Büro will, nehme ich die Treppe, nicht den Aufzug.

Mehr Farbe

Das Gute an der Treppe: Sie bleibt in der Regel das ganze Jahr. Von der Idee, allein an Silvester die Chance auf Kurskorrektur zu haben, dürfen wir uns also gerne verabschieden. „Ich habe seit Anfang letzten Jahres den Plan, mehr Farbe in mein Leben zu bringen“, erzählt Werner Vian aus Bad Iburg und zieht den konsequent durch. Was könnte es besser belegen als sein neongrüner Pulli und die Rollschuhe aus den Achtzigern? „Ich war irgendwie dabei zu versauern“, nennt er den Auslöser für seine Farbtheorie und -praxis. In diesem Jahr gesellt sich zu den Rollschuhen vielleicht noch eine Posaune, damit er sich selbst beim Fahren musikalisch begleiten kann. „Noch mehr Farbe“, will der 59-Jährige im Jahr 2016. „Das Leben bietet jeden Tag die Chance.“

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