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Finanzausschuss wägt Kosten ab Bad Rothenfelde vor Kläranlagen-Modernisierung

Von Frank Muscheid | 23.06.2015, 17:58 Uhr

Bis zu 1,45 Millionen Euro könnte die Optimierung und Sanierung der Bad Rothenfelder Kläranlage im Ortsteil Aschendorf kosten. Prokurist Dietmar Gerdes vom Oldenburger Planungsbüro „aqua consult“ stellte eineinhalb Jahre nach dem ersten Entwurf im Zuge des Klimaschutzkonzeptes dem Finanz- und Betriebsausschuss mehrere Modernisierungs-Varianten vor. Die 1996 und 1997 erweiterte und umgebaute Anlage sei veraltet und laufe an ihrer Kapazitätsgrenze.

Ein „Klassiker“ läuft „an der Kante“

Die klassische Kläranlage mit Sandfang, Rechen, biologischer Reinigung und Nachklärung gibt das Wasser in den Süßbach ab. Der entstehende Schlamm wird zwischengelagert und abtransportiert. Ausgelegt ist sie für 12500 Einwohner, zugleich der Durchschnittswert für Bad Rothenfelde: „Die Grenzwerte werden alle eingehalten, aber wir bewegen uns an der Kante“, so Gerdes. Bemessen werde zudem nach 85 Perzentil, also nach Frachten, die an 85 Prozent der Tage nicht überschritten werden. Dieser Wert liege bei 14800 Einwohnern, „weil man die Reserve braucht“. Angeschlossen seien rund 7900 Einwohner, hinzu kämen rund 900000 Tagesgäste und 500000 Übernachtungen. Durchschnittlich 725000 Kubikmeter Abwasser pro Jahr fallen an, 23 Liter pro Sekunde, in Spitzen 110 Liter pro Sekunde.

Experten-Empfehlung: auf alte Anlage aufsatteln

Erhöht werden sollte die Kapazität des Rechens, der zeitweise hydraulisch überlastet sei, Ersatz für den Sandfang aus den 70er-Jahren geschaffen und das Gebäude modernisiert werden, so Gerdes. Eine neue Kompaktanlage integriere komplett Rechen- und Sandfang, das Gebäude müsste dabei aber erweitert werden. Variante zwei sei ein neuer Rechen im heutigen Notumlauf, der dann ergänzt werden müsse, auch der Sandfang müsse saniert werden. Er empfahl daher als dritte Variante einen neuen Rechen und einen neuen Sandfang für die vorhandene Anlage, die hydraulisch günstiger und nachhaltiger sowie billiger als Variante eins sei. Kosten: 390000 Euro. Für die biologische Reinigung spiele auch die Energieeffizienz eine große Rolle: Belüftung und Gebläse für die Belebungsbecken mit den Bakterien seien veraltet. Auch eine Beckenvergrößerung sei notwendig. Hier biete sich die Sanierung vor einem Neubau an, der zwar die Energiekosten senke, aber doppelte Investitionskosten und höhere Jahreskosten verursache, so Gerdes. Die Sanierungs-Variante koste 710000 Euro, eine optionale angegliederte aerobe Schlammstabilisierung noch einmal 440000 Euro. Alles könne unabhängig voneinander realisiert werden.

Ausreichende Reserve und Bausubstanz

„Reicht das aus?“ hinterfragte Carl Bohlmann (CDU) die Kapazität. Selbst bei mehr Urlaubsgästen „haben Sie damit Ruhe“, so Diplom-Ingenieur Gerdes. Eine Anlage sei ohnehin alle 20 Jahre zu modernisieren, zu große Reserven verursachten auch Probleme bei der Reinigung: „1000 Einwohner mehr oder weniger verursachen keine große Zusatz-Investitionen.“ Erneuert werden müssten sowohl mechanische als auch biologische Reinigung, ging er auf die Prioritätsfrage von Frank Wernemann (SPD) ein. Die Betonsubstanz des Belebungsbeckens sei gut erhalten, so Gerdes zu Alexander Kuchenbeckers (CDU) Frage, ob eine Sanierung auch auf 20 Jahre ausgelegt sei.