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Tatort: Bad Rothenfelde Netter Abend zu dritt oder Straftat? Urteil gegen Versmolder wegen Whirlpool-Übergriff

Von Anke Herbers-Gehrs | 09.12.2021, 06:22 Uhr

Für den Angeklagten aus Versmold war es ein lustiger Abend zu dritt in Bad Rothenfelde inklusive frivoler Anzüglichkeiten im Whirlpool. Doch die junge Arbeitskollegin seiner Partnerin sah das anders und zeigte ihn wegen eines sexuellen Übergriffs an.

Das Amtsgericht Bad Iburg hatte ihn dafür bereits verurteilt . Er ging in Berufung – die wurde jetzt am Landgericht Osnabrück verhandelt.

Was war geschehen? Nach den Zeugenaussagen im Berufungsprozess am Osnabrücker Landgericht freute sich die damals 22-jährige Nebenklägerin auf einen Mädelsabend bei ihrer Kollegin (36) in Bad Rothenfelde. Deren in Versmold wohnender Lebensgefährte (46) war an diesem Samstagabend im Juni 2020 auch anwesend.

Etwas Alkohol, anzügliche Themen – und ein Whirlpool

Es sei sofort eine lockere Atmosphäre entstanden, sagte dieser in seiner Aussage, man habe viel gelacht, die Themen hätten sexuelle Inhalte gehabt, man habe etwas getrunken. Bacardi-Cola, aber nicht viel. Als es dunkel wurde, sei man zu dritt in den Whirlpool gegangen, zunächst in Badekleidung, dann habe man sich ausgezogen.

Er habe ausprobiert, wie weit er gehen könne, aber sofort aufgehört, als er merkte, dass sie das nicht wolle, sagte der Angeklagte. Weiter sei nichts passiert, man habe sich normal verabschiedet. Am nächsten Tag habe seine Partnerin dann über Telefonate und Chat mit der jungen Frau erfahren, dass sie sich belästigt gefühlt habe.

Polizei durch Partnerin des Angeklagten informiert

Ungewöhnlich ist, wie es überhaupt zur Verfolgung des Falles kam. Der Angeklagte sah sich durch die Beschuldigungen unter Druck gesetzt. Er bat seine Lebensgefährtin, zur Polizei zu gehen, um nachzufragen, was man in einem solchen Fall tun könne. Als der Polizeibeamte sich die Version der jungen Frau anhörte, wurde das Strafverfahren eingeleitet – denn wenn die Polizei von einer Straftat Kenntnis erlangt, muss sie reagieren.

Das Amtsgericht Bad Iburg hatte den Angeklagten zu sieben Monaten auf Bewährung verurteilt. Laut Urteilsbegründung hat der Angeklagte trotz wiederholter Aufforderungen der Betroffenen keine Ruhe gegeben. Der Angeklagte legte Berufung ein und forderte einen Freispruch.

Betroffene haben Anspruch auf Prozessbegleitung

„Warum hat Ihre Tochter nicht direkt Anzeige erstattet?“, fragte der Richter die Mutter der jungen Frau. „Möglicherweise, damit nicht das passiert, was jetzt passiert.“ Gemeint waren die psychischen Belastungen durch das Verfahren, die ständige Auseinandersetzung mit der für sie unangenehmen Situation an dem Abend, die Aussagen vor der Polizei und vor Gericht, allein bei der Berufungsverhandlung von fast zwei Stunden Dauer.

Unterstützt wurde sie dabei von einer Prozessbegleiterin des Weißen Rings . Seit 2017 haben Opfer von Straftaten Anspruch auf eine solche für sie kostenlose psychosoziale Unterstützung durch Organisationen der Opferhilfe, die auch das Vorfeld und die Zeit nach dem Prozess umfasst.

Im Swinger-Club gelernt: Nein heißt Nein

Wenn bei einem Sexualdelikt Aussage gegen Aussage steht, ist es immer schwierig herauszufinden, was wirklich passiert ist – auch weil die Beteiligten teilweise einfach eine unterschiedliche Wahrnehmung der Dinge haben. So wirkte der Angeklagte durchaus glaubwürdig, als er sagte, er wäre sich keiner Schuld bewusst. Dass Nein wirklich Nein heiße, habe er im Swinger-Club gelernt. Auch seine Lebensgefährtin sagte aus, sie habe zu keinem Zeitpunkt gemerkt, dass ihre junge Kollegin in Bedrängnis sei.

Die Aussage der betroffenen jungen Frau und die Plädoyers fanden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. In seiner Urteilsverkündung verwarf der Richter die Berufung. „Es ist ausgesprochen unwahrscheinlich, dass die Betroffene sich die Beschuldigungen ausgedacht hat, nachdem sie angeblich einen schönen Abend bei Ihnen verbracht hat“, sagte er. Wird gegen das Urteil nicht innerhalb einer Woche Revision eingelegt, ist es rechtskräftig.