Lichtsicht-Führung Kunst inmitten des Bad Rothenfelder Kurparks

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Bad Rothenfelde. New York, Amsterdam – Bad Rothenfelde. Nein, verstecken muss sich der Kurort wahrlich nicht, wenn es um das Thema Lichtsicht geht. Eine Führung bringt Einblicke.

Dicke Pudelmütze, Handschuhe, Kopfhörer, auf der Funktionskleidung: Ein winziger Teil des Kunstwerks der russischen Künstlerin AES+F. Eigentlich wird das Video von den Projektoren direkt auf das meterhohe Gradierwerk geworfen. Die Jogger werden auf diese Weise gleich mit angestrahlt: Bad Rothenfelder, die die drei Monate andauernde Biennale joggend in ihren Alltag integrieren – und ihrerseits in das Kunstwerk integriert werden. Gleichzeitig: Zahlreiche Besucher, die teils von weit her anreisen und sich von Biennale-Führern wie Werner Kavermann die Projektionen erklären lassen. Auch das ist Lichtsicht.

Heute schaut der Kavermann, der in erster Linie selbst Künstler ist, lächelnd der sich schnell bewegenden Pudelmütze hinterher. „Daran sieht man auch die Dimensionen“, sagt er. Denn der Jogger läuft geradewegs an den meterhohen Menschen vorbei, die mit kalten und ausdruckslosen Gesichter von der Schwarzdornwand herabschauen.

Wasser auf Wasser

Mensch und Kunst. Kunst und Natur: Die Lichtsicht bringt alles zusammen: „Hier wird zum Beispiel Wasser auf Wasser projiziert“, fährt Werner Kavermann wenig später fort. Eigentlich steht er schon vor einer anderen Installation, hat sich aber extra noch mal umgedreht, um seiner Gruppe Eyal Gevers „Water Dancer“ zu zeigen. Eine Tänzerin, die vom Wasser umspielt wird, ist im Video zu sehen, das wiederum auf eine ganz reale Wasserfontäne projiziert wird. „Die Kunst inmitten der Natur“, sag Ulrike Wiemann aus Ankum, die schon oft da war – und nun zum ersten Mal mit Mann und Sohn gekommen ist, um sie alle zu infizieren. Wohin der Besucher auch blickt, die Kombination ist überall: Wasser auf Wasser, ein Van inmitten des Ententeichs und natürlich die Projektionen auf die Gradierwerke. Auch Werner Kavermann ist davon begeistert. „Durch den Kalk“, sagt er etwas später, während er vor der „poetischen Arbeit“ von Sigalit Landau steht, „sehen manche Projektionen aus wie Ölgemälde“.

Politische Botschaft

Doch es ist nicht nur die Form, auf die Werner Kavermann immer wieder hinweist – auch die gesellschaftskritische Botschaft hebt er hervor. Etwa in der Videoinstallation von den Südkoreanern Moon Kyungwon und Jeon Joonhon. Inspirieren ließen sie sich von dem „sehr stolzen und freiheitsliebenden“ franzischen Maler Gustav Courbet (1819 bis 1877). Menschen gefangen in ihren Rollen. Das asiatische Künstlerduo zeigt Tänzer bei dem Versuch aus dem Gemälde heraustanzen. Stolz, frei, selbstbestimmt so wollen sie gerne sein. „Gerade in Südkorea wird dies auch eine Anspielung auf Nordkorea sein“, so Werner Kavermann.

Einige Schritte weiter trägt eine überdimensionale Figur im Video einen Käfig vorbei. Davor laufen Saxofonspieler, dahinter ziehen Menschen unter erheblichen Kraftaufwand Politiker: „William Kentridge setzt sich mit seiner Kunst für Dunkelhäutige und gegen die Apartheid in seiner Heimat Südafrika ein“, berichtet Kavermann.

An den Bad Rothenfeldes Gradierwerken ist es kalt geworden. Der Mond scheint auf die kleine Reisegruppe. Nach etwa einer Stunde hat Werner Kavermann seinen Rundgang beendet: „Schade, dass es nicht schneit“, sagt er. Denn dann entfaltet die Projektions-Biennale noch einmal einen ganz anderen Zauber.

Mystische Ruhe

Bis es soweit ist, gibt es nur eins: Nach der Führung noch ein bisschen Warten und wenn die meisten Besucher schon auf dem Weg nach Hause sind und nur noch wenige Jogger unterwegs: Dann noch einmal eine Runde drehen. Mystische Ruhe.


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