Wenn der Diesel das Lied der Landstraße singt Seit 40 Jahren ist Reinhold Kuhn „on the road“

Von Alexander Heim


Bad Rothenfelde. Als Gunter Gabriel 1974 seinen Hit „Er ist ein Kerl“ veröffentlichte und vom 30-Tonner-Diesel sang, da hätte der Song wie für Reinhold Kuhn geschrieben sein können. Längst hatte der damals 37-Jährige den Bäckerbulli gegen Zugmaschine und Auflieger eingetauscht.

Seit mehr als 40 Jahren hat sich der 80-jährige Reinhold Kuhn dem Leben auf der Landstraße verschrieben. Und immer noch großen Spaß an jeder einzelnen Fahrt.

„Stillsitzen ist nichts für mich. Ich muss etwas tun“, verrät Reinhold Kuhn. Und da verwundert es auf den ersten Blick schon, dass er während seiner Arbeit die meiste Zeit genau das tut: sitzen.

Eigentlich könnte er sich längst im wohl verdienten Ruhestand zurücklehnen. Aber das ist Reinhold Kuhns Sache nicht. Seit 15 Jahren ist er für die Firma FH Schnelltransporte von Frank Hinrichsen tätig. Und freut sich immer wieder aufs Neue, wenn es auf den Bock geht. „Freitag war ich erst in Hildesheim“, erzählt er im Gespräch.

Auf Tour

Ob 25-, 30- oder sogar 40-Tonner – wenn Reinhold Kuhn auf Tour geht, dann ist er ganz in seinem Element. „Die machen mir alle Spaß“, verrät er. Und er räumt ein: Nur Bullis fahre ich nicht so gerne.“ „Früher sind die Fahrten bis nach Frankreich gegangen“, erzählt er.

Auch Trier hat Reinhold Kuhn oft angesteuert. Heute ist er meist auf Tagestouren unterwegs. „So weite Strecken tue ich mir nicht mehr an. Ich bin froh, wenn ich abends wieder zu Hause sein kann“, räumt er gerne ein. Das hat er sich mit Ehefrau Elfriede (75), mit der er seit mehr als 50 Jahren verheiratet ist, gemütlich eingerichtet.

Bergmotive zieren das Wohnzimmer, in dem der Kamin für behagliche Wärme sorgt. Sie spiegeln ein gemeinsames Hobby des Ehepaares. Denn: „Wir fahren jedes Jahr für 14 Tage nach Tirol in den Urlaub.“ Dafür tauscht er die 300 PS der Zugmaschine gegen die 50 PS des Privatwagens. Schließlich bietet die Region um Kufstein für Reinhold Kuhn auch die Gelegenheit, ein anderes Hobby auszuleben.

In Glane viele Jahre lang die Orgel gespielt

Denn gar nicht so selten übernimmt der 80-Jährige dann die Tasten auf den Manualen der Kirchenorgel in Alpbach. „Dann hat der Organist dort auch mal Urlaub“, erzählt Reinhold Kuhn augenzwinkernd. „Früher habe ich auch in Glane viele Jahre lang die Orgel gespielt“, verrät der zweifache Vater und mehrfache Großvater.

Der Musik war der gebürtige GMHütter bereits als jungen Mann näher gekommen. Denn während seiner Zeit beim Bundesgrenzschutz in Goslar nahm er Gesangsunterricht, ließ seine Tenor-Stimme ausbilden. Und bis heute schwärmt er für die Musik. „Ich liebe Opern und Operetten“, erzählt der Bad Rothenfelder. „Mein Lieblingsstück ist „Der Postillon von Lonjumeau“.“ Etwa die Arie des Alcindor, wenn der Sänger bis zum Hohen D kommen muss. Und gerne lässt Reinhold Kuhn auch das „Wolgalied“ erklingen.

Kunstturner und Stabhochspringer

Als Jugendlicher war es vor allem der Sport, in dem Reinhold Kuhn Erfolge feierte. „Ich war Kunstturner und Stabhochspringer“, erinnert er sich gerne an die früheren Erfolge. Auch am Barren, am Reck und Hoch-Reck war er zu Hause. „Ich war Kreismeister, Bezirksmeister und Niedersachsen-Meister“, blickt er auf jene Jahre zurück.

1955 wurde er in Frankfurt Deutscher Jugendmeister im Stabhochsprung. „Mit dem Stahlstab“, betont Reinhold Kuhn. Kippe, Riesenfelgen, Salti zum Abgang - in jungen Jahren war das sein Lebenselixier. Und während der Goslarer Zeit führten ihn die Wege sogar zur Europameisterschaft der Polizei, wo er sportlich ebenfalls äußerst erfolgreich war.

In Bewegung bleiben

In Bewegung bleiben - das ist Reinhold Kuhn bis heute wichtig. „Ich muss was zu tun haben“, erklärt der Mann, der womöglich nicht nur im Landkreis Osnabrück oder in Niedersachsen, sondern wahrscheinlich sogar insgesamt Deutschlands ältester Lkw-Fahrer ist. „Es hält mich irgendwie jung“, unterstreicht er. Und kann sie sich hoffentlich noch lange bewahren, die große Freude am Autofahren.


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