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Luther als Komponist Rothenfelder Posaunenchor spielt zum Reformationsjubiläum

Von Anke Schneider

Festliche Bläsermusik: Der Posaunenchor Bad Rothenfelde gab unter der Leitung von Dieter Zilk ein Konzert zum Reformationsjubiläum. Foto: Anke SchniederFestliche Bläsermusik: Der Posaunenchor Bad Rothenfelde gab unter der Leitung von Dieter Zilk ein Konzert zum Reformationsjubiläum. Foto: Anke Schnieder

Bad Rothenfelde. Martin Luther und sein Wirken fanden in diesem Jahr aufgrund des 500-jährigen Reformationsjubiläums vielerorts große Beachtung. Am Sonntag beschäftigte sich nun auch der Bad Rothenfelder Posaunenchor mit dem Reformator und einer seiner wenig bekannten Seiten. „Luther hat nicht nur zahlreiche Liedtexte geschrieben, er hat auch zu einigen Melodien komponiert“, sagte der Leiter des Posaunenchores, Dieter Zilk.

34 Luther-Lieder seien im Gesangbuch enthalten, neun von ihnen hätten Melodien, die aus seiner Feder stammten. Luther sei also auch Komponist gewesen. „Und nicht mal ein schlechter“, so Zilk. „Hätte es vor 500 Jahren schon Goldene Schallplatten gegeben, hätte er bestimmt eine bekommen.“

Zu Beginn des Konzertes in der Jesus-Christus-Kirche in Bad Rothenfelde hob Dieter Zilk helle und dunkle Seiten von Martin Luther hervor. Er habe die Bibel übersetzt und damit wesentlich zur Entstehung der deutschen Sprache beigetragen. Er habe den Menschen die Angst vor Gott genommen und ihnen klar gemacht, dass man das Himmelreich nicht mit Ablassbriefen kaufen könne. Luther war aber auch ein Judenverfolger und habe während der Bauernkriege der Ermordung der Bauern zugesehen.

Text-Entschärfungen

Zilk sagte, dass sich der Posaunenchor drei Lieder herausgegriffen habe, die er in verschiedenen Bearbeitungen spielen werde. „Diese Lieder haben Komponisten immer wieder dazu bewegt, die Stücke in ihren Werken zu verarbeiten“, so der Chorleiter. Eines dieser Lieder sei „Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort“, das als Kampflied nicht überall Anklang fand. Gleich in der zweiten Zeile hieß es im Original-Text von Luther: „und steuere den Papst- und Türkenmord“, erklärte Dieter Zilk. Luther benannte die Türken und den Papst öffentlich als Feinde des Christentums. Die Zeile wurde später abgeändert in „und steuere deiner Feinde Mord“. Der Chor spielte das Stück als Bearbeitung von Michael Praeterius, Balthasar Resinarius und Albert Becker. Die letzte Version stammte von Johann Sebastian Bach. Alle vier Komponisten lebten in verschiedenen Jahrhunderten.

Das zweite Lied war das Bekannteste, „Ein feste Burg ist unser Gott“, das ebenfalls eine Melodie von Luther hat, die weitgehend erhalten blieb. Der Posaunenchor spielte eine Bearbeitung von Thomas Riegler, Heinrich Schütz und Johann Sebastian Bach. Danach eine Reformationssinfonie für Blechbläder, Orgel und Pauken, in der das Stück ein kurzer Bestandteil ist. Für die Sinfonie begab sich der Chor auf die Empore, wo er das Stück gemeinsam mit Holger Dolkemeyer an der Orgel spielte.

Ablassbriefe

Das dritte Lied war „Nun freut euch, liebe Christeng’mein“, das am deutlichsten die Reformationsbotschaft enthält, dass Gottes Gnade sich nicht mit Ablassbriefen erkaufen lässt, sondern allein durch den Glauben zu erhalten ist. Es gilt als eine seiner ersten und theologisch wichtigsten Dichtungen und gehört bis heute zum Kernbestand deutschsprachiger evangelischer Gesangbücher. Auch dieses Stück wurde von Bach bearbeitet, weiterhin von Komponisten wie Lukas Osiander und Heinrich Poos. Mehr aus Bad Rothenfelde

Herzerwärmend

Im zweiten Teil des Konzertes fand ein drastischer Themenwechsel statt. Weg von Luther und der Reformation verwöhnten die Bläser ihr Publikum mit herzerwärmenden Stücken wie „One Moment in Time“ von Hans-Ulrich Nonnemann, Reinhard Mey’s „Über den Wolken“ und „Come along“ von Michael Schütz. Zum Ende hin hörten die Gäste noch das kanggewaltige „Jesus Christ – Superstar“, eine Rockoper von Andrew Lloyd Webber, die am 12. Oktober 1971 im Mark-Hellinger-Theater in New York City uraufgeführt wurde. Ihr Thema ist der Verrat von Judas an Jesus im Jahr 30 nach Christus. Die Rockoper gipfelt in der Kreuzigung des Sohnes Gottes.