500 Jahre Reformation Vortrag in Bad Rothenfelde über Frauen und Luther

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Bad Rothenfelde. Über Frauen, die in der Reformationszeit für mehr Gleichberechtigung in Kirche und Gesellschaft eintraten, referierte am Freitag im evangelischen Gemeindehaus Bad Rothenfelde die Pastorin Sonja Domröse aus Stade.

Ihre Namen sind weitgehend unbekannt, aber ihr Wirken hatte großen Einfluss auf die Reformation und die Emanzipation: Argula von Grumbach, die erste evangelische Publizistin, Ursula Weyda, eine besonders kesse Dame, die sich mit einem katholischen Abt auf mutige Weise auseinandersetzte oder Katharina Zell, die vor 500 Jahren als Predigerin aktiv war und sich um Flüchtlinge kümmerte. Über das mutige und selbstbewusste Handeln dieser Frauen staunten die bis auf einen Mann ausschließlich weiblichen Gäste des Vortrags in Bad Rothenfelde.

Lesen bildet

„Ein theologischer Grundsatz der Reformation war das Schriftprinzip, das zum Selbstständigen Lesen der Bibel ermutigte“, erklärte Sonja Domröse. „Im 16. Jahrhundert konnte aber längst nicht jeder lesen. Das sollte sich ändern, fanden die Reformatoren rund um Martin Luther und gaben so die ersten Impulse für eine Schulpflicht nicht nur für Jungen, auch für Mädchen“. Hinzu sei die Erfindung des Buchdrucks gekommen, historische Begebenheiten, die dazu führten, dass sich von da an auch viele Frauen mit der Bibel und dem Glauben auseinandersetzten und sich an der Neugestaltung von Kirche und Staat beteiligten. Mehr aus Bad Rothenfelde

Einflussreiche Frauen

Zu ihnen gehörten neben Luthers Ehefrau Katharina von Bora auch Elisabeth Cruciger, die erste evangelische Liederdichterin, Caritas Pirckheimer, eine katholische Äbtissin aus Nürnberg, die sich für Religionsfreiheit einsetzte und Elisabeth von Calenberg-Göttingen, die die politische Macht besaß, die Reformation in ihrem Fürstentum einzuführen. Sie legte den Grundstein für die heutige Niedersächsische Klosterkammer, sowie die Hannoversche Landeskirche, zu der auch Osnabrück und Bad Rothenfelde gehören.

Briefkontakt mit Luther

„Fast alle diese Frauen standen mit Luther in Briefkontakt, einige besuchten ihn auch in Wittenberg. Luther unterstützte ihre Schritte“, weiß Sonja Domröse, die lange zu dem Thema forschte und 2010 das Buch „Frauen der Reformationszeit“ veröffentlichte.

Dass sie am Freitag in Bad Rothenfelde gastierte, ist auch der Tatsache zu verdanken, dass die Südkreisgemeinde auf eine außergewöhnliche, weil von Pastorinnen geprägte Kirchengeschichte zurückblickt. Bereits 1947 war dort mit Elisabeth Schneemelcher eine Pastorin im Gemeindedienst eingesetzt. „Sie durfte sich nicht Pastorin nennen, sondern wurde als Vikarin bezeichnet, ein Titel den heute Pastoren in der Ausbildungszeit tragen“, sagte Gesine Jacobskötter, die nach Schneemelcher nun die vierte Pastorin in Folge in Bad Rothenfelde ist.

Programm zum Reformations-Jubiläum

An zehn Tagen vor dem Reformationsjubiläum fanden und finden in den Gemeinden Bad Rothenfelde, Dissen, Bad Laer, Bad Iburg und Hilter Veranstaltungen zu Themen wie „Reformation und Musik“, „Reformation und Kunst“ oder „Reformation und Humor“ statt. Die Reihe endet am Dienstag, dem Reformationstag, mit einem großen Gottesdienst um 11 Uhr in der katholischen Kirche Mariae Geburt in Bad Laer. Anschließend findet in der evangelischen Kirche in Bad Laer ein regionales Reformations-Gemeindefest statt.


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