62 Jahre in 60 Minuten Kirchenchor singt Luther-Oratorium in Bad Rothenfelde

Von Alexander Heim

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alhe Bad Rothenfelde. In zahlreichen Veranstaltungen hat der Kirchenkreis Melle-Georgsmarienhütte des 500-Jahre-Jubiläums der Reformation und Martin Luthers gedacht.

Die Lutherrose – das Siegel, das Martin Luther ab 1530 für seinen Briefverkehr nutzte – prangte am Sonntag gut sichtbar als Plakat vor dem Rednerpult. So war eingangs schon klar, welche Person mehr als 60 Minuten im Mittelpunkt stehen würde: Martin Luther. Der Choral „Nun freut euch liebe Christen g’mein“ bildete so etwas wie die musikalische Klammer, um die Siegfried Fietz 1983 das Oratorium komponiert hatte. Am Sonntagnachmittag wurde es von der 30-köpfigen Kantorei in Bad Rothenfelde aufgeführt.

Moderne Stücke und traditionsreiche Kirchenlieder

Unter der musikalischen Leitung von Kirchenmusiker Holger Dolkemeyer und unterstützt von den vier Instrumentalisten Ariane Oeynhausen (Cello), Jutta Niemeyer (Violine), Burkhard Schmidt (Bratsche) sowie dem Solo-Oboisten des Symphonie-Orchesters Osnabrück, Lukas Brandt, geriet die Inszenierung zu einem mal melancholischen, mal fröhlichen und verheißungsvollen Ausflug ins 16. Jahrhundert. Die individuellen Gedanken des Reformators ließ dabei Bassist Joachim Pietsch-Gewin lebendig werden, der darüber hinaus zuweilen auch kleine textliche Überleitungen vortrug – eigens für das Oratorium komponiert. Moderne Musik- und Chorstücke fanden dabei ebenso Eingang wie traditionsreiche Kirchenlieder, etwa Luthers „Ein feste Burg“.

Ob Solist oder Kantorei, ob Instrumentalisten oder Dirigent, der das Musikwerk gleichzeitig am Flügel begleitete - sie alle zeigten sich hervorragend vorbereitet und trugen die 26 Einzelstücke des Oratoriums mit entsprechend großer Souveränität und ausgesprochener Freude vor. Die Musik wurde zur emotionalen Folie in Luthers Entwicklung vom Anhänger zum Kritiker der Kirche.

Der 22. Oktober – ein besonderer Tag

Warum der 22. Oktober auch für Martin Luther ein ganz besonderer Tag war, machte Gesine Jacobskötter deutlich. Die Pastorin der Jesus-Christus-Gemeinde führte anhand von Lesungen zu ausgewählten biografischen Stationen Luthers und machte deutlich, wie und warum sich Luthers Einstellungen gegenüber der institutionalisierten Kirche änderten und entwickelten. Dabei erinnerte sie auch an das Gewittererlebnis vom 2. Juli 1505, das Luther schließlich bewog, überhaupt Mönch zu werden. Ferner verwies Gesine Jacobskötter auf die Bedeutung, die etwa Johann von Staupitz (1460-1524) auf die spätere Theologie-Ausbildung des Augustinermönches hatte. Dem Gelehrten nämlich folgte Martin Luther in gewisser Weise auf besondere Art nach. Denn am 22. Oktober 1512 wurde der promovierte Theologe ins fünf Mitglieder zählende Professorenkollegium aufgenommen. Als bestallter Inhaber der biblischen Professur war er dort damit unmittelbarer Nachfolger von von Staupitz.

Für die rund 250 Besucher in der Jesus-Christus-Kirche wurde der Sonntagnachmittag so zu einem biografischen Parforceritt der besonderen Art, bei dem sie obendrein selbst Teil des Oratoriums wurden. Mehrfach stimmten die Gäste in die Lieder mit ein, Zugabe inklusive. Die Gäste wurden beim Abschlusslied „Denn aus dem Glauben ganz allein wird der Gerechte Leben“ Teil des großen Oratoriums-Chores. Und so applaudierten die Besucher am Schluss begeistert.


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