Polizisten verletzt Haft nach Ausraster auf Bad Rothenfelder Heimatfest

Türschild am Amtsgericht Bad Iburg. Foto: Michael SchwagerTürschild am Amtsgericht Bad Iburg. Foto: Michael Schwager

Bad Rothenfelde/Bad Laer. Fünf Monate Haft ohne Bewährung lautete das Urteil des Amtsgerichts Bad Iburg gegen einen Bad Laerer, der auf dem Bad Rothenfelder Heimatfest einem Sicherheitsmann ins Gesicht geschlagen und einem Polizisten einen Kopfnuss verpasst hatte.

Der Beschuldigte soll laut Anklageschrift nicht nur gegenüber dem Sicherheitsdienst und der Polizei handgreiflich geworden sein, er habe die Polizisten auch mehrfach beleidigt, in den Streifenwagen gespuckt und einen Schlagring bei sich geführt, obwohl dieser verboten ist. Zum Tatzeitpunkt hatte der Bad Laerer einen Blutalkoholwert von knapp über zwei Promille. Die beiden Polizeibeamten erklärten, dass sie Personalien nach einer Schlägerei aufnehmen wollten, wobei der 24-Jährige sie gestört habe. Auch habe er versucht, einem der Beamten mit einem mobilen Straßenschild gegen den Kopf zu schlagen. Der Sicherheitsdienst wollte ihn daraufhin vom Festplatz entfernen.

Um sich gespuckt

Kurz darauf fanden die Beamten den Angeklagten auf dem Boden liegend vor, wo er von zwei Sicherheitsleuten festgehalten wurde. Die beiden Polizisten brachten ihn zum Streifenwagen, wobei er sie unter anderem als „Arschlöcher“ und „Wichser“ bezeichnet habe. Sowohl am als auch im Fahrzeug habe der Bad Laerer gespuckt, sodass sie ihm einen Mundschutz überzogen. Als einer der Beamten ihm den Sicherheitsgurt anlegen wollte, habe er ihm eine Kopfnuss verpasst: „Direkt aufs Auge“, so der 59-Jährige, der eine Prellung am Jochbein erlitt. Eine andere Streife habe den 24-Jährigen daraufhin nach GMHütte gebracht.

Mit Faust im Gesicht getroffen

Die Sicherheitsbeamten bestätigten, dass sie den 24-Jährigen vom Platz führen wollten, nachdem dieser versucht habe, die Polizisten an ihrer Arbeit zu hindern. Plötzlich habe er sich losgerissen, wobei er einen der Männer mit der Faust im Gesicht traf, sodass diesem ein Stück Zahn abbrach. „Ich behaupte nicht, dass der Schlag gezielt gegen mich gerichtet war, aber er hat billigend in Kauf genommen, dass ich getroffen werde“, so der 47-Jährige. Alle Zeugen sagten aus, dass der Angeklagte zwar stark angetrunken war, jedoch nicht so sehr, dass er nicht verstand, was los war. „Er fand das alles lustig“, meinte einer der Polizisten.

Angeklagter glaubt Polizisten nicht

Der Angeklagte machte zunächst keine Angaben. Nach der Aussage der Polizisten meinte er, es sei „interessant zu hören, was passiert ist“. Später bezweifelte er deren Schilderungen: „Diese Geschichte kann ich Ihnen nicht abkaufen, das bin nicht ich.“ Nichtsdestotrotz bot der 24-Jährige dem Polizisten bis zu 500 Euro und dem Sicherheitsmann bis zu 3000 Euro als Schadenswiedergutmachung an. Der 24-Jährige bestritt, Eigentümer des gefundenen Schlagrings zu sein. Er ist bereits neun Mal vorbestraft, zudem laufen weitere Verfahren gegen ihn. Zwei Monate vor dem Heimatfest wurde er wegen Betrugs zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Staatsanwalt will letzte Chance

Zwar sei niemand ernsthaft verletzt worden, aber „der Vorgang war keine Bagatelle“, meinte der Staatsanwalt. Er plädierte für sieben Monate Haft auf Bewährung. Dem Bad Laerer wolle er noch eine letzte Chance einräumen: „Aber Sie müssen darauf achten, dass Sie nicht wieder irgendwelchen Scheiß bauen.“ Zudem sprach er sich für 200 Stunden gemeinnützige Arbeit sowie die Zahlung von je 300 Euro an die Geschädigten aus.

„Unerträgliches Verhalten“

Der Vorsitzende Richter folgte dem nicht und verurteilte den Bad Laerer zu fünf Monate Haft ohne Bewährung. Er ging aufgrund der Alkoholisierung von einer verminderten Schuldfähigkeit aus: „Das ist aber so ziemlich das Einzige, das ich zu Ihren Gunsten berücksichtigen kann. Ihr Verhalten war unerträglich.“ Der Angeklagte stand zum Tatzeitpunkt bereits unter laufender Bewährung, zudem leiste er die ihm beim letzten Urteil aufgegebenen Arbeitsstunden nur äußerst schleppend ab. „Eine günstige Sozialprognose kann ich Ihnen nicht stellen“, so der Richter. Der Bad Laerer deutete nach der Urteilsverkündung an, in Berufung gehen zu wollen.

Weitere Beiträge über Gerichtsverfahren in der Region finden Sie hier


0 Kommentare