Angeklagter „enger Vertrauter“ Fall Mensen: Stieftochter des Opfers entlastet Angeklagten

Sechster Verhandlungstag am Landgericht Osnabrück um den Tod von Hannerle Mensen aus Bad Rothenfelde. Angeklagt ist ein 60-jähriger Mann aus Hilter, der die Frau aus Habgier ermordet haben soll. Foto: Jörn Martens.Sechster Verhandlungstag am Landgericht Osnabrück um den Tod von Hannerle Mensen aus Bad Rothenfelde. Angeklagt ist ein 60-jähriger Mann aus Hilter, der die Frau aus Habgier ermordet haben soll. Foto: Jörn Martens.

Bad Rothenfelde/Osnabrück. Im Prozess um den Tod von Hannerle Mensen aus Bad Rothenfelde hat am Freitag unter anderem die Stieftochter der 79-Jährigen ausgesagt. Angeklagt ist ein 60-jähriger Mann aus Hilter, der verdächtigt wird, am 5. Februar 2016, Mensen aus Habgier ermordet zu haben.

Als „engen Vertrauten“ bezeichnete Mensens 52-jährige Stieftochter den Angeklagten. Nachdem eine vorherige Betreuerin nicht mehr für Hannerle Mensen arbeiten wollte, habe er sich liebevoll und geduldig um sie gekümmert. „Ich habe keinerlei Sorgen gehabt“, unterstrich die Zeugin ihre Aussage. Dass der Beschuldigte Betreuungsgeld erhalten habe, habe sie geahnt, aber nie darüber mit ihm gesprochen. „Ich war erstaunt, dass es nur 200 Euro im Monat waren“, so die Zeugin, denn ihre Stiefmutter habe sich fast jeden Tag bei der Familie des Angeklagten aufgehalten.

Auch von einem Darlehn in Hohe von 20.000 Euro und weiteren 10.000 Euro wusste die 52-Jährige nichts. In früheren Jahren hätte sie so etwas nicht gemacht, so die Stieftochter über die 79-Jährige. Damals sei sie sehr akkurat gewesen und habe „jeden Cent aufgeschrieben“. Im Alter sei sie dann großzügiger geworden. Und da der Angeklagte viel für Mensen gemacht habe, könne es sein, „dass sie an dem Punkt von ihren Prinzipien abgewichen ist“, äußerte die Zeugin. Allerdings, so die Stieftochter auf Nachfrage der Staatsanwaltschaft weiter, hätte Mensen eine Auflösung des Darlehnsvertrages „eher schriftlich“ geregelt und ihn nicht, wie der Angeklagte bei Prozessauftakt behauptete, zerrissen.

Kein Wort über Streitigkeiten

Über einen Streit mit dem 60-Jährigen habe Mensen nichts berichtet, so die Stieftochter. Üblicherweise habe sie ihr erzählt, wenn Streitigkeiten, auch mit anderen Menschen, bestanden hätten. Das Gericht sprach die 52-Jährige auch auf Schmuckstücke an, die im Besitz des Angeklagten waren und die er von Hannerle Mensen erhalten haben soll. Im Speziellen ging es um einen Anhänger in Form eines Davidsterns. Ob dieses Objekt einen besonderen Erinnerungswert für Hannerle Mensen gehabt habe, wollte der Richter wissen. Seine Vermutung, dass der Anhänger dem in Auschwitz ermordeten Vater Mensens gehört habe, verneinte die Zeugin.

Auto abgehört und geortet

Als Zeuge sagten am Freitag auch zwei Polizisten aus. Einer der beiden war bei der Bergung der Leiche eingesetzt. Bei seinem Bericht wurde es still im Saal, denn gezeigt wurden unter anderem die Bilder des verpackten Leichnams am Fundort in einem Waldstück an der Rechenbergstraße bei Dissen. Der Beamte schilderte den Zustand und ging darauf ein, wie die Leiche mit mehreren Plastikbeuteln und Paketband umwickelt wurde. Demnach sei sie im oberen Bereich von mehreren Lagen umgeben. Der innere Beutel sei über den Kopf gestülpt und mit Klebeband befestigt worden, dass „massiv um den Hals gewickelt“ worden sei. Ein Gutachten ergab, dass die Beutel von einer Rolle stammten, die später im Haus des Angeklagten sichergestellt wurde.

Der zweite Beamte berichtete von einer Abhör- und Ortungsaktion des Wagens des Beschuldigten zwischen Februar und August 2016. Diese Maßnahme habe aber keine Erkenntnisse geliefert, die die Anklage erhärten würde.

Der Prozess wird am Montag, 20. Februar, um 9 Uhr fortgesetzt.


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