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De Witt: Erwarte 226000 Besucher Rolle rückwärts: Pächter will Carpesol nicht verkaufen

Neue Entwicklung in Sachen Carpesol: De Witt will die Therme nun doch selbst weiter betreiben. Foto: Jörn MartensNeue Entwicklung in Sachen Carpesol: De Witt will die Therme nun doch selbst weiter betreiben. Foto: Jörn Martens

Bad Rothenfelde. Der Betreiber der Bad Rothenfelder Carpesol-Therme ist immer für eine Überraschung gut. Nach monatelangen Verhandlungen über den Verkauf der Carpesol-Gesellschaft an die Gemeinde hat Helmut de Witt am Mittwochabend die Kehrtwende gemacht. Er will das Bad weiter betreiben.

Das teilte der geschäftsführende Alleingesellschafter de Witt in einer nicht öffentlichen Beiratssitzung für das Carpesol mit – und entzog damit den Verhandlungen für die Übernahme der Carpesol-Gesellschaft durch die Gemeinde die Grundlage.

Eine Rolle rückwärts, hatte de Witt doch im Herbst verkündet, die Pacht sei zu hoch, er wolle das Carpesol abgeben. Im Schnitt zahlt er 405000 Euro im Jahr für eine Dauer von 25 Jahren. Die Gemeinde trägt damit einen Teil von Zins und Tilgung für das 19-Millionen-Objekt.

Mehrfach musste die Gemeinde außerplanmäßig für die Carpesol-Gesellschaft ins Portemonnaie greifen. Der Bau war eine Million Euro teurer geworden als kalkuliert. 700000 Euro davon erhielt das Carpesol als Darlehen. Mittels eines „Forderungsverzichts mit Besserungsschein“ kann die Gemeindekasse auf eine Rückzahlung hoffen, sobald der Betrieb Gewinne erzielt. 2014 steuerte die Gemeinde zusätzlich 160000 Euro bei.

Drei Monate lang hatte de Witt im Sommer 2015 keine Pacht gezahlt, diese 111000 Euro brutto hat er jetzt überwiesen. Gut 200000 Euro Nebenkosten, vor allem Wassergeld, stundet ihm die Gemeinde bis April.

Gemeinde musste in die Bresche springen

Nachdem de Witt die Segel streichen wollte, sprang die Gemeinde in die Bresche: Rechtsanwälte, Steuer- und Unternehmensberater wurden mit ins Boot geholt. Die Verhandlungen sind abgeschlossen, die Anwälte arbeiten den Anteilskaufvertrag aus: Viel mehr als die Unterschriften fehlt nicht mehr. Das Gesamtpaket hatte der Rat am 4. Februar verabschiedet.

Nun der Richtungswechsel, der Bürgermeister Klaus Rehkämper kalt überrascht hat. Wie wird die Gemeinde reagieren? „Nun, wir haben einen gültigen Vertrag von 2011, den Herr de Witt jetzt erfüllt“, zeigt sich Rehkämper trotz der Verärgerung über die späte Meinungsänderung gelassen. Wie die Gemeinde mit der neuen Sachlage konkret umgehen wird, müsse der Rat entscheiden.

Berechenbarkeit und Verlässlichkeit

„Wir wünschen uns natürlich eine verlässliche und berechenbare Zusammenarbeit. Im Vordergrund steht das Wohl der Gesundheitstherme für die Gäste und die Mitarbeiter“, betont der Bürgermeister.

Nicht erst seit der Beiratssitzung am Mittwoch sei Vertrauen in der Zusammenarbeit mit de Witt verloren gegangen – auf beiden Seiten . Dennoch habe die Gemeinde dem Unternehmen durch Stundungen mehr Liquidität verschafft.

Fragen wollte Helmut de Witt Donnerstag nicht beantworten. Er verwies auf einen Bericht des Westfalenblatts, in dem er wortreich seine Verdienste schildert und erklärt, dass die Besucherzahlen im Januar und Februar im Vergleich zum zweiten Betriebsjahr um rund 20 Prozent höher gelegen hätten als im Vorjahr. Er erwarte 2016 226000 Besucher und einen Gewinn und wolle nun mit allen Beteiligten Vertrauen wieder aufbauen.

De Witt im November: Pacht zu hoch

In einem Gespräch mit unserer Redaktion im November hatte de Witt einen massiven Vertrauensverlust gegenüber der Gemeinde beklagt: „Deshalb möchte ich aus dem Betrieb aussteigen.“ Weiter erklärte er vor vier Monaten: Ihm sei schnell klar geworden, dass das Pachtmodell so nicht funktionieren könne. Es bleibe nichts für die Deckung der Anfangsverluste und Reparaturrücklagen übrig. Sein Antrag auf eine „Besserstellung des Carpesol“, sprich eine Senkung der Pacht, sei jedoch gescheitert. Dafür plane er nun am Zwischenahner Meer ein Gesundheitszentrum und elf Eigentumswohnungen.

Der Landkreis Osnabrück, der das Carpesol mit 2,5 Millionen Euro gefördert hat, will sich vor einer Stellungnahme die neue Entwicklung von der Gemeinde schildern lassen. Der Landkreis sei nicht unmittelbarer Beteiligter.


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