Anwalt rät zu Insolvenz in Eigenregie Bad Rothenfelde übernimmt Carpesol für einen Euro

Schmuckstück mit Pferdefuß: Die wirtschaftliche Lage des Carpesol beschäftigt die Bad Rothenfelder seit seiner Eröffnung vor zweieinhalb Jahren immer wieder. Foto: Gert WestdörpSchmuckstück mit Pferdefuß: Die wirtschaftliche Lage des Carpesol beschäftigt die Bad Rothenfelder seit seiner Eröffnung vor zweieinhalb Jahren immer wieder. Foto: Gert Westdörp

Bad Rothenfelde. Während sich Bürgermeister Klaus Rehkämper öffentlich über steigende Besucherzahlen für das Carpesol freute, spitzte sich die wirtschaftliche Situation der vor zweieinhalb Jahren gestarteten Wellnesstherme zu. Nach unseren Informationen hat ein Fachanwalt für Insolvenzrecht dem Verwaltungsausschuss des Ortes geraten, für die Therme nach dem angestrebten Ausscheiden des Betreibers Helmut de Witt zunächst eine Insolvenz in Eigenregie anzustreben.

„Am Dienstag hat Herr de Witt unser Angebot angenommen“, sagt Rothenfeldes Bürgermeister am Freitag auf Anfrage. Die Gemeinde könne die überschuldete Firma Carpesol – am liebsten rückwirkend zum 1. Januar – von Gesellschafter und Geschäftsführer de Witt für einen Euro übernehmen.

Stimmt es, dass der hinzugezogene Fachanwalt zu einer Insolvenz geraten hat? „Das ist eine gute Frage. Zu Empfehlungen anderer kann ich nichts sagen. Ich kann nur etwas dazu sagen, was ich dem Rat empfohlen habe“, sagt Rehkämper. Und das sei eben die Übernahme des Bades gewesen.

„Wenn ein Büro sagt, macht das und das, will ich das nicht in die Öffentlichkeit tragen. Das trägt mehr zur Verunsicherung bei als zur Bestätigung der Verlässlichkeit eines tollen Wellness-Angebots.“ Dem Badegast sei es egal, wer die Therme betreibt, findet der Bürgermeister.

Andere Konsequenzen hätte die Gemeinde gezogen, wenn de Witt an seiner ursprünglichen Forderung für seinen Rückzug festgehalten hätte, die nach unseren Informationen bei bis zu 350000 Euro lag.

Eine Insolvenz in Eigenverwaltung hat den Vorteil, dass der Inhaber sein Geschäft selbst fortführen darf, weil es gute Überlebenschancen hat.

Ende 2014 hatte das Carpesol 1,2 Millionen Euro Verbindlichkeiten. Verringert haben sollen sie sich im vergangenen Jahr nicht, wesentlich gesteigert aber auch nicht, so der Bürgermeister. Allein eine halbe Million stecke zudem in Gutscheinen und Wertkarten.

Die Gemeinde könne die Schulden mit dem laufenden Geschäft erwirtschaften, ist Rehkämper überzeugt. Für 2016 hätten ihm Experten eine schwarze Null prognostiziert. Weiterer Vorteil: Wenn die Gemeinde den Betrieb übernimmt, müsse kein Extra-Geschäftsführer bezahlt werden. Der Bürgermeister will die Funktion mit übernehmen.

Finanzielle Verpflichtungen gebe es zwischen Gemeinde und Betreiber auf beiden Seiten. So hatte die Gemeinde mehrfach Geld in die Carpesol GmbH gepumpt , unter anderem weil der private Betreiber den Festpreis für den Bau nicht eingehalten hatte. Zuletzt kam eine Stundung von knapp 100000 Euro Pacht im Sommer hinzu, außerdem Wassergeld.

Die Pacht sei zu hoch, hatte der Bad Zwischenahner de Witt kritisiert. Aus den Pachteinnahmen allerdings muss die Gemeinde einen Teil von jährlich 700 000 Euro Zins und ab September auch Tilgung für ihr Millionen-Darlehen decken.

Auf der anderen Seite hatte de Witts Frau gut 150000 Euro als Darlehen ins Carpesol gesteckt – ihr Mann gleich danach allerdings eine Wunschliste mit Investitionen ins Rathaus geschickt, so ein Mitglied des Verwaltungsausschusses. Das verbesserte die Stimmung innerhalb der Privat-Öffentlichen Partnerschaft (PPP-Modell) nicht.

Rehkämper: „Bei diesem Vertrag verliert jetzt de Witt.“ Der Rat hatte bereits im Dezember für die Übernahme des Betriebs durch die Gemeinde und eine Zielvereinbarung mit dem Landkreis votiert . Diese sieht unter anderem vor, dass Bad Rothenfelde fünf Jahre lang einen ausgeglichenen Haushalt vorlegt und regelmäßig Controlling-Berichte einreicht, damit das Carpesol neben dem bereits überwiesenen Landkreiszuschuss von 2 Millionen Euro weitere 500000 erhält.

„Dem Landkreis hatten wir unsere Überlegungen im Vorfeld mitgeteilt“, sagt Rehkämper. Eine Stellungnahme zu der neuen Situation war am Freitag aus dem Kreishaus nicht zu bekommen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN