So reagieren Betriebe Keime im Trinkwasser: Rothenfelde schleppt Wasserkisten

Von Frank Muscheid

Wasser aus Trinkflaschen kommt in Bad Rothenfelde angesichts der Keimbelastung derzeit häufiger zum Einsatz. Foto: dpaWasser aus Trinkflaschen kommt in Bad Rothenfelde angesichts der Keimbelastung derzeit häufiger zum Einsatz. Foto: dpa

Bad Rothenfelde. „Das ist natürlich viel Arbeit, wir müssen Wasser schleppen“, sagt Arne Unnerstall, Betreiber des Hotels zur Post. Seit einer Woche reagiert sein Betrieb wie weitere in Bad Rothenfelde auf eine Verunreinigung des Bad Rothenfelder Trinkwassers durch den Keim Eschericia Coli, den der Gesundheitsdienst des Landkreises vor gut einer Woche gefunden hat. Die betroffenen Brunnen wurden vom Netz genommen, das Leitungssystem wird derzeit durchgespült.

Er sei bei der Rückkehr von einem dreitägigen Seminar etwas überrascht gewesen, sagt Arne Unnerstall: „Mein Hotel war gespickt mit Zetteln und Warnungen.“ Statt das Wasser ständig abkochen zu müssen, wurden die Leitungen in der Küche und für den Service vorsichtshalber abgedreht: „In den Gästezimmern kann ich Dusche und Wasser natürlich nicht einfach abdrehen. Wir kaufen jetzt Tafelwasser ein. Das ist eine logistische Frage, aber für das Kochen, Abwaschen, die Reinigung oder den Verbrauch der Gäste etwa zum Zähneputzen günstiger als der Energieaufwand für das Abkochen.“

Rund 100 Liter würden täglich in Kanistern und Flaschen für bis zu 80 Gäste benötigt. „Eiswürfel aus Leitungswasser können wir momentan nicht anbieten, wir hoffen daher, dass das Problem bald geregelt wird.“ Im Hotel-Schwimmbad habe das Team noch vor der behördlichen Meldung, dass der Chlorgehalt umgestellt werden muss, an den Werten gesehen, „dass da etwas passiert. Wir nehmen zweimal in der Woche eigene Messungen vor.“ Pumpen und Chlorgehalt seien für unbedenklichen Badegenuss umgestellt worden.

Carpesol nutzt eigenes Brunnenwasser

Mareike Weber, Betriebsleiterin der Carpesol Spa Therme, spricht von nur etwa zehn telefonischen Nachfragen von Gästen zum Thema, seit die Verunreinigung festgestellt wurde. Weiterhin gelte: Der Betrieb könne ohne Einschränkung laufen, Becken, Pools und Duschen, aber auch Bistro- und Osning-Gastronomie nutzen das betriebseigene, vom öffentlichen Trinkwasser unabhängige Brunnenwasser.

Das Eiscafé Breda ist laut Inhaber Stefano Breda nur am Rande betroffen: „Wir nutzen das Leitungswasser nur zum Reinigen und für die Maschinen“, dazu dürfe es benutzt werden, „bereiten damit aber kein Eis für die Kunden vor. Das stellen wir aus Milch her, für Fruchteis nutzen wir ohnehin aus Geschmacksgründen Wasser aus dem Kanister. Wir haben Kunden, die etwa zu Kaffee Leitungswasser haben möchten. Davon raten wir derzeit ab und bieten Wasser aus der Flasche.“ Den Kaffee mit Leitungswasser zu kochen sei unproblematisch: „Die Espresso-Maschine erhitzt es auf 120 Grad zu Dampf, das Filterkaffeewasser hat über 95 Grad.“

Abkochen und Wasserflaschen

Auch die Klinik Münsterland hat sich gemäß der Sicherheitshinweise umgestellt: „Für die Lebensmittelzubereitung wird abgekochtes Wasser verwendet, zum Beispiel zum Gemüseputzen“, sagt der stellvertretende Verwaltungsdirektor Frank Assmann. „In der Klinik sind täglich circa 380 Personen – Patienten und Mitarbeiter – zu versorgen. Die Trinkwasserversorgung der Patienten erfolgt mit handelsüblichen Mineralwasserflaschen.“ Die Patienten könnten diese auch zur persönlichen Mundhygiene nutzen.

„Nach Bekanntgabe der Verunreinigung wurde der Krisenstab unserer Klinik einberufen“, erklärt Lena Guth, Assistentin der Geschäftsführung der Schüchtermann-Klinik. Zu den mit dem Landkreis erarbeiteten Maßnahmen gehöre die Empfehlung an die Patienten, „Zähne nur mit Mineralwasser aus Trinkflaschen zu putzen“. Dieses Wasser sei auch für die Körperhygiene zu nutzen, wenn die Patienten frische Wunden haben.

Trinkwasserspender abgestellt

„Die Trinkwasserspender wurden abgestellt und es wurde darauf hingewiesen, kein Wasser aus den Wasserhähnen zu trinken.“ Der Mineralwasserverbrauch sei dadurch natürlich angestiegen: „Derzeit werden schätzungsweise mehr als doppelt so viele Wasserkisten benötigt“, so Lena Guth. Durch die Vorkehrungen könne der Klinik-Betrieb uneingeschränkt und ohne hygienisches Risiko für Patienten und Mitarbeiter weiterlaufen.


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