Von Deals nichts gewusst Landgericht Osnabrück: Marihuana-Händler in Berufung

Justitia im Landgericht Osnabrück Symbolfoto: Michael GründelJustitia im Landgericht Osnabrück Symbolfoto: Michael Gründel

Osnabrück/Bad Rothenfelde. Am Landgericht Osnabrück wurde jetzt das Berufungsverfahren gegen einen 27-jährigen Mann aus Bad Rothenfelde eröffnet. Der Mann wurde bereits im Februar 2015 vom Amtsgericht Bad Iburg wegen Drogenhandels in mehreren Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren und acht Monaten verurteilt. Mindestens drei Kilo Marihuana soll er in den Jahren 2012 und 2013 im südlichen Landkreis verkauft haben. Im Berufungsverfahren vor der fünften kleinen Strafkammer des Landgerichts nahmen einige der vernommenen Zeugen ihre Aussagen aus dem vorhergegangenen Verfahren zurück.

„Ich war wütend auf meinen Freund und habe deshalb bei meiner ersten Aussage maßlos übertrieben“, gab die Ex-Freundin (23) des Angeklagten an. Bei der polizeilichen Vernehmung und auch in der Befragung durch das Amtsgericht hatte sie genaue Angaben über die verkauften Drogenmengen, die Kunden und die relevanten Zeiträume gemacht. Auf ihre Aussage hatte sich das erste Urteil maßgeblich gestützt. Bei der Befragung durch Richterin Sonja Albrecht sagte sie jetzt aus, damals gelogen zu haben. Tatsächlich habe sie nicht so genau über die verkauften Mengen Bescheid gewusst. „Ich will niemanden in Schutz nehmen“, erklärte sie auf Nachfrage. Der Angeklagte, mit dem sie ein gemeinsames Kind hat, solle aber nicht aufgrund ihrer Falschaussage verurteilt werden.

„Völig überrumpelt“

Ein 25-jähriger Mann aus Bad Rothenfelde, bei dem der Angeklagte im fraglichen Zeitraum, mehrere Wochen lang gewohnt hatte, gab entgegen seiner vorherigen Aussage an, nichts von Drogenverkäufen in seiner Wohnung mitbekommen zu haben. „Ich war bei der Vernehmung bei der Polizei völlig überrumpelt. Ich wurde überraschend von der Arbeit abgeholt und stand unter großem Druck, eilig wieder zurückzukommen, weil ich auch Angst um meinen Job hatte“, gab der Zeuge an, um seine erste Aussage zu rechtfertigen. Die bei der Wohnungsdurchsuchung gefundene Feinwaage sei nur für den Eigenbedarf an Marihuana gedacht gewesen, und die sichergestellten Plastikbeutelchen im Wohnzimmer haben dort nur aus Zufall herumgelegen, gab er zu Protokoll.

Keine Mengenangaben

Zwei weitere Zeugen sagten aus, „mal mitbekommen zu haben“, dass der Angeklagte mit Marihuana handelte. Genaue Angaben über die Mengen machten sie allerdings auch nicht. Von einem der beiden hatte die Polizei WhatsApp-Chats auf dem Handy des Angeklagten sichergestellt, bei dem es um Drogen-Käufe ging. Das Handy des Angeklagten habe zu dieser Zeit aber ein anderer Dealer benutzt, dessen Namen er dem Gericht nicht nennen wolle, gab der vernommene Zeuge an.

Am 31. August wird die Verhandlung vor dem Landgericht mit weiteren Zeugen fortgesetzt.


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