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Endspurt für das Carpesol In etwa 100 Tagen wird die Rothenfelder Gesundheitstherme eröffnet

Von Stefanie Adomeit


Bad Rothenfelde. An das lateinische „Carpe diem“ – „Nutze den Tag“ ist der Name der neuen Bad Rothenfelder Therme Carpesol angelehnt. Für Planer, Bauarbeiter und Handwerker gilt dieses Motto noch etwas mehr als 100 Tage lang: Nutze den Tag und jede Minute bis zum 21. Juni. Dann wird das Carpesol eröffnet. Von da an heißt es für die Besucher der Wellness-Oase wieder: „Genieße die Sole“.

Die Dimensionen sind gigantisch: 25 Monate Bauzeit, rund 18,5 Millionen Euro Baukosten, 34000 Kubikmeter umbauter Raum. Und über allem ragt das neue Wahrzeichen des Kurortes, die gläserne Kuppel, in den Himmel.

Vor dem Bau Matsch und Baufahrzeuge, im Gebäude Hämmern, Bohren, Sägen in allen Ecken, vom Keller bis zum Dachgeschoss, untermalt von den neuesten Hits aus dem Radio. Bürgermeister Klaus Rehkämper und Architekt Helmut de Witt führen durch das Foyer mit der offenen Galerie oberhalb des Kassenbereichs über Betontreppen ins Untergeschoss. Schon jetzt ist spürbar: Der Fortgang der Arbeiten stimmt sie höchst zufrieden. Das haben sie auch zahlreichen Firmen aus der Region zu verdanken, die ein Auftragsvolumen von 6,5 Millionen Euro bewältigen.

Hier, im Keller, sitzt die Technik mit Lüftungszentrale, Wärmetauschern, Blockheizkraftwerk und zahlreichen Filteranlagen. „Wir haben Süßwasser, wir haben Solewasser – und alles in unterschiedlichen Temperaturen von 10 über 27 und 32 bis zu 36 Grad“, erklärt de Witt. Jede Qualität und Temperatur braucht eine eigene Aufbereitungsanlage. Auch die verschiedenen Pumpen für diverse Wasserspiele stehen im Keller, der Platz für zwei Tennisplätze hätte.

Zentrum des Carpesol ist das Erdgeschoss. Heiß, wohlig warm oder lieber kalt? Jeder Temperaturreiz ist für die künftigen Besucher in greifbarer Nähe, denn hier findet sich ein 20 mal 10 Meter großes Sportbecken mit 28 Grad Wassertemperatur für diejenigen, die ihre Bahnen ziehen möchten, neben dem Thermalinnenbecken mit 32 Grad. Kleinere Pools wie das Heißbecken mit 36 Grad und ein Whirlpool sind am Rande des Thermalbeckens in den Boden eingelassen.

Noch ragen Gerüstbauten kreuz und quer durch das Innere der 16 Meter hohen Kuppel. Doch sie ist fertig und kann von innen von 36 LED-Panelen angestrahlt werden. Der Testlauf war erfolgreich, freuen sich Rehkämper und de Witt. Weithin sichtbar strahlte das Halbrund warmrot in den Rothenfelder Abendhimmel. Fallarm-Markisen im Inneren der Kuppel schützen die Thermenbesucher vor Überhitzung und blendenden Sonnenstrahlen.

Unter der Kuppel, mitten im Thermalbecken, ist der Grundriss eines Brunnens zu erkennen. Auch dieser soll beleuchtet werden. Doch sein besonderer Clou ist die Ruhebank, die direkt unter dem angestrahlten Wasserschleier aufgestellt wird. Alle innen liegenden Becken sind mit normalem Wasser gefüllt: „Nicht jeder verträgt die Sole“, begründet Rehkämper die unterschiedlichen Wasserqualitäten. „Wir können aber nach kleinen Änderungen auch die Becken im Inneren mit Sole befüllen.“

Vom Schwimmmeisterhäuschen neben dem Thermalbecken haben die Bademeister die Becken im Gebäude ebenso im Blick wie die im Außenbereich. Das 300 Quadratmeter große Freiluftbecken wird mit 32 Grad warmer und dreiprozentiger Natursole aus dem Weidtmanssprudel gefüllt. Es bietet den Schwimmern neben der Sole Strömungskreisel und Wellenschlag: „Bei den Wasserangeboten ist für jeden etwas dabei“, ist sich de Witt sicher.

Ein paar Schritte weiter öffnet sich eine Aufzugtür: Bitte eintreten zur Premierenfahrt in den ersten Stock. Innen- und Außenbereich verschwimmen ineinander, wenn sich die Fensterelemente auf einer Breite von 17 Metern zur Frankfurter Straße hin öffnen. Grüne Elemente in der Fassade erinnern schon jetzt an das Farbkonzept für die Therme, das sich an den Teutoburger Wald anlehnt. Es findet sich in Fliesen, Strukturen und auch in den anthrazitbraunen Klinkersteinen im Eingangsbereich. „Für dieses spezielle Grün haben wir vier verschiedene Kunststofffolien übereinander auf die Scheiben geklebt“, erzählt Architekt de Witt.

Das Starksole-Becken auf dem Balkon macht seinem Namen alle Ehre – mit 13 Prozent Solegehalt und der Lizenz zum Schweben.

Im Stil irisch-römischer Badetradition ist der Spa-Bereich gestaltet. 1877 in Baden-Baden erfunden, liegt der Schwerpunkt bei dieser Badekultur auf Dampf- und Reinigungsbädern wie einem Infrarot-Tecaldarium, einem römischen Schwitzbad mit gemäßigter Temperatur, Seifen- und Bürstenmassagen. Entspannungsräume mit Kamin runden das Angebot ab.

Für den angrenzenden Spa- und Beauty-Bereich wird ein zusätzliches Eintrittsgeld erhoben.

Im ersten Stock sind auch die Restaurants Wellfood – für die Thermengäste – und Osning – auch für externe Besucher – untergebracht.

Der Fußboden im Dachgeschoss der Gesundheitstherme hüllt sich noch in schwarze Kunststofffolie. Helmut de Witt erklärt: „Der Estrich muss schwitzen, sonst legt er die Ohren an.“ Das heißt: Trocknet der Estrich zu schnell, wird die Spannung zu groß, und das Material wellt sich in die Höhe.

Doch der Grundriss und die künftigen Räume der 600 Quadratmeter großen finnischen Badeebene sind klar erkennbar. Die Wände der Salzsauna werden streifenweise mit Himalaja-Salz verblendet. Eine Soleverneblung sorgt für heilsame Atemluft.

Zu den vier Innensaunen kommen eine Panorama-Außensauna, die großzügige Dachterrasse und drei Pools, ein Kaltbecken, ein 28 Grad frisches Vitalbecken und ein windgeschützter Whirlpool mit 36 Grad warmem Wasser. Rund um die Glaskuppel wird eine Holzbank zum Sonnen und Entspannen einladen.

Die Atmosphäre wirkt bereits: Rehkämper und de Witt schauen entspannt und auch ein bisschen stolz über die Dachterrasse. „Wir liegen im Zeitplan und werden pünktlich fertig.“