Zettelaktion in Rothenfelder Klinik Schüchtermann-Service-Kräfte fordern mehr Lohn



Bad Rothenfelde. Acht Euro erhalten Mitarbeiter der SSKS, eines Tochterunternehmens der Schüchtermann-Klinik, nach Angaben der Gewerkschaft Verdi für das Verteilen von Frühstück oder Mittagessen an die Patienten. Wer abends Tabletts mit Schnitten, Salat und Tee ausgibt, sei besser dran und bekomme 8,20 Euro. Beide Beträge liegen unter dem künftigen gesetzlichen Mindestlohn. „Die Zahlen stimmen so nicht“, sagt der Klinik-Geschäftsführer, nennt jedoch keine anderen. 100 Mitarbeiter der Servicegesellschaft fordern nun mit Gewerkschaftsunterstützung höhere Löhne.

Deutlich wird das auch an den hunderten weiß-roten Klebezetteln, die in diesen Tagen immer wieder in der Klinik prangen, in Küchen, Aufzügen, auf den Spinden der Mitarbeiter oder den Hinweisschildern vor dem Krankenhaus. Grundlage für die Aktion sei eine Mitarbeiterbefragung im Sommer gewesen, erklärt Verdi-Sekretär Jens Ortmann vom Bezirk Herford – Minden – Lippe.

Darin sei deutlich geworden, dass die Angestellten der Schüchtermann-Schillerschen Klinik-Servicegesellschaft mit ihrem Lohn mehr als unzufrieden seien – insbesondere im Vergleich zu einigen Schüchtermann-Angestellten, die für die gleiche Arbeit, zum Beispiel bei der Essensausgabe, mehr Geld erhielten, nach Auskunft von Verdi zwischen 9,98 Euro und 11,43 Euro. Einen Betriebsrat hat das von der Oberhausener Ahr Bilfinger gemanagte Unternehmen nicht.

„Das sind in den Bereichen Essensverteilung und Reinigung nur noch zwei oder drei Mitarbeiter mit einem Altvertrag, die bei der Schüchtermann-Klinik angestellt sind“, sagt Klinik-Geschäftsführer Michael Böckelmann. Alle anderen seien mit regulären Arbeitsverträgen bei der SSKS angestellt. Die Reinigung der Zimmer, Operationssäle und Intensivstationen sei eine von überwiegend ungelernten Kräften geleistete „Unterhaltungsreinigung“ und werde entsprechend bezahlt.

Ortmann hält dagegen: Aufgaben wie die Reinigung der OPs und Intensivstationen seien für ein Krankenhaus so bedeutsam, dass sie angemessen honoriert werden müssten. Die Mitarbeiter müssten die Räume schließlich schnell, flexibel und effektiv putzen, um den reibungslosen Ablauf der geplanten OPs zu gewährleisten. Dafür seien 9,57 Euro brutto einfach zu wenig. Außerdem liege der Betrag unter dem Tarif von 9,90 Euro für diese Lohngruppe, die speziell Reinigungsarbeiten in OPs und Intensivräumen beinhaltet. „Wir meinen, dass diese speziellen Reinigungsleistungen nach Krankenhaustarif bezahlt werden müssten“, sagt Ortmann.

„Wir zahlen nach Gebäudereinigungstarif und halten alle gesetzlichen Rahmenbedingungen ein“, betont dagegen Böckelmann. Und was sagt er zu den Forderungen der von Verdi unterstützten SSKS-Mitarbeiter nach einer besseren Entlohnung? „Ich kenne keine Forderung.“ Aber selbstverständlich sei man immer wieder im Gespräch.

Natürlich habe man die Forderung nach gleichem Geld für gleiche Arbeit formuliert, merkt Ortmann an. Gemeinsame Gespräche seien leider ergebnislos gewesen. „Wir möchten einen Tarifvertrag für gute Arbeit und eine vernünftige Bezahlung.“ Außerdem stelle sich für Gewerkschaft und SSKS-Mitarbeiter die Frage: Wie geht man mit den Angestellten um, die das Essen verteilen?

„Viele sind unzufrieden“, berichtet der Gewerkschaftssekretär. Und auch er selbst habe sich erschrocken, als er von acht Euro brutto gehört habe, die die Kräfte erhielten, die in der Schüchtermann-Klinik das Essen verteilen.


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