Mit Stimmgewalt durch die Jahrhunderte „Gregorian Voices“ begeistern in Bad Rothenfelde

The Gregorian Voices: Unser Bild zeigt (von links) Rumen Katsarov, Simeon Pilibosyan, Vasil Rakov, Gulin Dobiev, Mladen Mladenov, Yavor Yanakiev, Konstantin Tzvetkov und Viktor Kzastanov. Foto: Anke SchneiderThe Gregorian Voices: Unser Bild zeigt (von links) Rumen Katsarov, Simeon Pilibosyan, Vasil Rakov, Gulin Dobiev, Mladen Mladenov, Yavor Yanakiev, Konstantin Tzvetkov und Viktor Kzastanov. Foto: Anke Schneider

Bad Rothenfelde. Die Kraft der gregorianischen Gesänge hat die evangelische Kirche in Bad Rothenfelde erfüllt. Die „Gregorian Voices“ entführten die mehr als 300 Gäste ins siebte Jahrhundert, die Zeit von Papst Gregor I., als die klangvollen Choräle entstanden.

Zu Papst Gregors Zeiten Anfang des siebten Jahrhunderts wurde in Rom die „Schola cantorum“ gegründet, die für die Pflege und Weiterentwicklung der liturgischen Gesänge und des Repertoires von großer Bedeutung war. Das einstimmig gesungene Wort Gottes wurde in vielfacher Ausführung bis heute bewahrt.

Die „Gregorian Voices“, präsentierten einige Stücke aus jener Zeit, wie zum Beispiel die Kyrie „Missa Orbis Factor“, die sehr an das „Kyrie eleison“ erinnert. Oder das „Ave Maria“ aus der Zeit um das zehnte Jahrhundert herum. Vor allem bei den einstimmigen Chorälen und in zahlreichen Solopassagen erwiesen die acht Rumänen der Gruppe eine Stimmgewalt, die einigen Gästen eine Gänsehaut über den Rücken jagte. Die Gregorianik war allerdings nicht jedermanns Sache, und manch einer war – zumindest bis zur Pause – enttäuscht von dem Konzert.

Pseudo-Latein

Zum Ende des ersten Konzertteils wurde es mit „Ameno“ von Era deutlich moderner. Das Stück, das 1997 veröffentlicht wurde, war ein Charterfolg in Frankreich, Belgien und Schweden. Es erinnert an gregorianische Gesänge und wird in sogenanntem Pseudo-Latein gesungen. Die Sprache klingt wie Latein, hat aber keine Bedeutung. Ausgedacht hat sich diese Worte, die keine sind, der französische Komponist und Gitarrist Eric Levi. Mit irgendeiner Religion zu tun hat das Lied ebenfalls nicht.

In der zweiten Hälfte des Konzertes ging dann auch in den Gesichtern der hartnäckigsten Gregorianik-Muffel die Sonne auf. Als die acht Musiker ihre fantastischen Stimmen bei Stücken „Knocking on Heavens Door“ von Bob Dylan, „Imagine“ von den Beatles, „I am Sailing“ von Rod Steward oder „Sound of Silence“ von Simon & Garfunkel einsetzen, hatten „Gregorian Voices“ schlagartig 340 brennende Fans. Nach jedem Lied gab es Bravo-Rufe und Standing Ovations. Was die acht Rumänen in ihren kaffeebraunen Mönchskutten mehrstimmig darboten, war in der Tat ein einzigartiges Musikerlebnis.

Apropos Mönchskutten: Diese Verkleidung wählen die „Gregorian Voices“, weil Kleriker und Mönche früher viele Stunden des Tages und der Nacht dem Singen der Liturgie widmeten. Daher wurde das Singen des gregorianischen Chorals im Unterricht der verschiedenen mittelalterlichen Schultypen gelehrt und auch in theoretischen Schriften behandelt. Eine Tatsache, der wir es zu verdanken haben, dass so viele der Choräle der Kyriale heute noch vorhanden sind.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN