Bistro im Carpesol und Osning Bei Lissowsky in Rothenfelde kommt nichts aus der Tüte

Von Anne Spielmeyer

Zwei Hauben und jede Menge Herzblut: Sascha Lissowsky ist Küchenchef im Osning in Bad Rothenfelde. Foto: Anne SpielmeyerZwei Hauben und jede Menge Herzblut: Sascha Lissowsky ist Küchenchef im Osning in Bad Rothenfelde. Foto: Anne Spielmeyer

Bad Rothenfelde. Zehn Jahre in der Sterne-Küche hat er hinter sich, zehn Stunden für die Kochkunst täglich vor sich: Zahlen, die nur leise ahnen lassen, was die Arbeit von Sascha Lissowsky ausmacht. Der Küchenchef vom Osning und vom Bistro des Carpesols in Bad Rothenfelde setzt klare Prioritäten: „Der Gast steht an erster Stelle.“ Über einen sorgenvollen Start, kreative Ideen beim Bier und ein Schnitzel für die Frau.

Sie haben im Restaurantführer „Gault Millau“ zum zweiten Mal zwei Hauben bekommen. Zufrieden?

Ja, darauf haben wir angestoßen. Es war beim ersten Mal schon Wahnsinn, nach vier Monaten die 15 Punkte und zwei Hauben zu bekommen . Umso schöner, dass wir das Niveau halten konnten. Das Wichtigste aber ist, dass unsere Gäste zufrieden sind. Auf sie kommt es an, ihnen muss es schmecken. Ich brate kein besseres Stück Fleisch, nur weil hier ein Tester sitzt. Wir versuchen, für jeden Gast das Bestmögliche zu servieren.

Also ist es nicht schlimm, dass der „Guide Michelin“ Ihnen keinen Stern gegeben hat?

Nein, darüber hab ich so noch gar nicht nachgedacht. Wir sind vor anderthalb Jahren hier im Rohbau angefangen und haben inzwischen schon viele Stammgäste – über Bad Rothenfelde hinaus. Mir war klar, dass ein Stern in so kurzer Zeit utopisch ist. Grundsätzlich würde ich mich über eine Auszeichnung im Michelin natürlich freuen. Momentan bin ich aber sehr zufrieden damit, dass der Guide auf uns aufmerksam geworden ist, und dass man über uns spricht.

Man spricht auch über das Carpesol. Wie haben sich die massiven Startschwierigkeiten in der Therme aufs Restaurant ausgewirkt?

Am Anfang hatte ich große Sorge, ob es laufen wird. Aber die Sorgen schwinden jeden Monat mehr. Das Marketing, das am Anfang verschlafen wurde, wurde längst nachgeholt und macht sich nun bemerkbar. Es kommen mehr Gäste ins Bad, mehr Besucher ins Bistro. Wir ziehen fürs Osning und fürs Carpesol an einem Strang. Es läuft gerade richtig gut.

Welche Rolle spielt dabei der neue Geschäftsführer Helmut de Witt?

Eine tragende. Wir fühlen uns hier nicht mehr alleingelassen, es gibt regen Austausch. Man kann sagen: Seit er hier ist, lebt das Bad. Er vertraut mir, in dem, was ich mache und lässt mir in meiner Arbeit alle Freiheit. Außerdem bezieht er mich ein. Das motiviert.

Gilt das auch für Ihre Mitarbeiter?

Auf jeden Fall. Mittlerweile sind wir nicht mehr fünf Köche, sondern acht. Im Service arbeiten sieben festangestellte, größtenteils sehr junge Mitarbeiter. Sie sollen ihre Meinung äußern. Es ist für mich ganz wichtig, dass sie hier viel lernen können – in einem hochwertigen Restaurant. Ich habe in meiner Zeit im „La Vie“ selbst erlebt, dass ich einbezogen wurde. Meine Ideen bespreche ich immer auch mit den Kollegen.

Wann haben Sie die besten Ideen? Und welche?

Oft abends, wenn ich mal beim Bier sitze. Wir haben Küchenpartys im Osning angeschoben, bei denen die Gäste den Köchen über die Schulter schauen. Im Sommer gab es das Grillbuffet im Carpesol oben auf der Dachterrasse, jetzt wird es einen Adventsbrunch im Osning geben. Silvester ist eine Party mit 150 Leuten rund um die Kuppel geplant und schon jetzt restlos ausgebucht. Im nächsten Jahr wollen wir zum ersten Mal Kochklubs anbieten, bei denen Gruppen mehrmals zum Kochen hier ins Haus kommen.

Tomatengarten mit Büffelmozzarella, Ente in zwei Gängen – klassisch und asiatisch – findet man auf der Karte. Ist das typisch Osning?

Ja, klassische Küche und modern angerichtete Gerichte. Der Mix, die Spannung macht den Osning-Stil aus. Wir kochen viel mit Produkten aus der Region, keine Covenience. Hier kommt nichts aus der Tüte.

Sie selbst oder zumindest Ihre Gedanken drehen sich beruflich den ganzen Tag um den Herd. Haben Sie privat noch Lust, in der Küche zu stehen?

Sonntags und montags habe ich frei. Da koche ich auch zu Hause gern für meine Frau. Allerdings nicht immer so aufwendig. Dann gibt es Schnitzel mit Gemüse oder eine leckere Bolognese.


Die Gourmet-Szene kennt viele Auszeichnungen – zu den begehrtesten zählen Michelins Sterne und die Hauben des Gault Millau. Der Guide Michelin ist ein Hotel- und Reiseführer, der erstmals im Jahr 1900 in Frankreich herausgegeben wurde. Während der Grüne Michelin touristische Angebote unter die Lupe nimmt, bewertet der Rote Michelin weltweit Restaurants und Hotels. Feinschmecker können hier ablesen, welche Küche von erfahrenenTestern mit Sternen ausgezeichnet worden ist.

Der „Gault Millau“ ist ein Restaurantführer – ebenfalls aus Frankreich –, der nach seinen Herausgebern Henri Gault und Christian Millau benannt wurde. Er vergibt Hauben und Punkte und liefert kleine Beschreibungen.