Appetit auf Geschichten Literaturmenü in der Bad Rothenfelder Grundschule

Von Danica Pieper

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Literarische und kulinarische Leckerbissen präsentierten (v.l.) Dirk Lange-Mensing, Hans-Peter Fröbel und Heinz Zeckel beim Literaturmenü in der Grundschule. Foto: Danica PieperLiterarische und kulinarische Leckerbissen präsentierten (v.l.) Dirk Lange-Mensing, Hans-Peter Fröbel und Heinz Zeckel beim Literaturmenü in der Grundschule. Foto: Danica Pieper

Bad Rothenfelde. Diese Veranstaltung ist ein echter Ohren- und Gaumenschmaus: In der Grundschule brachte das Bad Rothenfelder Literaturforum nicht nur Geschichten von Martin Suter, Klaus-Peter Wolf und Dieter Nuhr zu Gehör, es erfreute das Publikum auch mit Köstlichkeiten aus aller Welt. Thema des Literaturmenüs waren „Genusserinnerungen.“

Dass Essen nicht nur Lebenserhalt, sondern auch Genuss ist, davon ist Hans-Peter Fröbel vom Bad Rothenfelder Literaturforum überzeugt: „Der Teil des Gehirns, der für Essen und Trinken zuständig ist, ist mit dem emotionalen Teil des Gehirns verbunden“, erklärte der Koch. Diese Verbindung sei auch interessant für Schriftsteller, schließlich sei ein inniger Kuss lange kein so kraftvolles Bild wie ein Kuss, der zuckersüß wie eine Erdbeere ist.

Für das diesjährige Menü hatte Fröbel drei Romanausschnitte zum Thema Essen ausgewählt, die von Heinz Zeckel und Dirk Lange-Mensing in der Küche der Grundschule zum Leben erweckt wurden. Den Anfang machte „Der Koch“ von Martin Suter, in dem Tamile Maravan, der als Asylant in der Schweiz lebt, vergebens versucht, mit Curry, Zimt und Kokosöl die Gerüche seiner Kindheit wiederherzustellen. Für das Koch-Wunderkind ist die Essenszubereitung ein Weg, seine Einsamkeit in dem neuen Land zu verdrängen. So richtig gelingt ihm dies allerdings nicht, scheint die Liebe doch so unerreichbar zu sein wie der Duft seiner Heimat.

Das „Ostfriesenfeuer“ von Klaus-Peter Wolf ist für Fröbel von besonderer Bedeutung, da der Krimi in seinem Heimatort Norden-Norddeich spielt. Dort bringt eine ostfriesische Marzipan-Praline Kommissar Ubbo Heide an den Rand des geschmacklichen Orgasmus. Weniger appetitlich, dafür umso unterhaltsamer war Dieter Nuhrs Darstellung der chinesischen Küche in seinem Buch „Gibt es intelligentes Leben?“, wo alles, was kaubar sei, als essbar deklariert werde. Zu diesem Zeitpunkt hatten die zehn Zuschauer glücklicherweise schon den Hauptgang hinter sich, für den Fröbel sich von den Geschichten und der Jahreszeit hatte inspirieren lassen. Auf der Speisekarte standen chinesische Teigtaschen, ostfriesisches Schwarzbrot, gegrilltes Gemüse, Chicorée mit Kräuterquark, Kartoffelpufffer mit Pilzsoße und als besondere Überraschung die „Deichgraf“-Praline aus dem „Ostfriesenfeuer“. So wird das Literaturmenü – auch dank der wunderbaren Vortragsweise von Zeckel und Lange-Mensing – den Gästen sicher in genussvoller Erinnerung bleiben.


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